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Die Schwestern Boulay. Oder in der wohlklingenderen französischen Variante Les Soeurs Boulay. Hinter diesem Namen stecken die Leichtigkeit und der Erfolg zweier kanadischer Geschwister, die auch in der Musik miteinander verbunden sind. Doch anders als bei wohlbekannten musizierenden Familientrüppchen war der Weg der beiden Schwestern aus New Richmond nicht von Beginn an ein gemeinsamer.

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(Foto: David Schneider)

Das Gewicht von Konfetti, Le poids des confettis. So der Titel des Albums, welches die zwei Boulay-Schwestern Mélanie und Stéphanie in ihrer kanadischen Heimat auf den Folk-Thron hievte. Und dann ist dieses erst noch ihr Debütalbum. Die beiden harmonierenden, aus New Richmond in Quebec stammenden Stimmen vereinen sich sowohl in beschwingend sanften Stücken, wie auch in Liedern die mit ihrer Tiefe und Schwere zum Nachdenken anregen. Schliesslich kann man le poids auch als die Last übersetzen, was platzhaltend ist für die nostalgischen und mit Trauer verbunden Stücken auf dem 2013 erschienen Erstlingswerk.

Keinen Grund zur Trauer hatten die Beiden wenn es um den Erfolg ihres Duos geht. Bereits nach ihren ersten Gehversuchen als geschwisterliches Folk-Duo konnten die Zwei erste Erfolge erzielen. Mit dem Sieg am namhaften Musikconcours Francouvertes 2012 in Montreal war der Weg geebnet. Auch wenn dieser nicht von Anfang an ein gemeinsamer war:

Zuerst hatte jeder von uns eigene Projekte und wir hatten nicht vor, gemeinsam Musik machen. Eines Tages haben wir ohne grosse Planung zusammen einen Song von Simon & Garfunkel aufgenommen und diesen aufs Internet geladen. Wir erhielten tolle Reaktionen. Wenige Monate darauf nahmen wir am Contest in Montreal statt und gewannen diesen. Das war der Startschuss für unsere Band.
(Foto: David Schneider)

(Foto: David Schneider)

So einfach die Antwort des Duos im Negative White-Interview, so verblüffend der plötzliche Erfolg. Kaum war das Debütalbum Le poids des confettis draussen, heimsten Stéphanie und Mélanie den kanadischen Musikpreis Félix in den Kategorien «Newcomer» und «Album des Jahres» ab. Wo andere Künstler am schnellen Erfolg zerschellen und die Haftung verlieren, halten die Schwestern mit drei Jahren Altersunterschied zusammen. Auch wenn es in Bands mit familiärer Bindung hektisch zu und hergehen kann:

Es ist einfach und schwierig im selben Moment. Denn wird sind ehrlich zueinander und stehen uns natürlich extrem nahe. Das kann zu Streit führen, aber nach einigen Minuten ist wieder alles vergessen und wir haben einander lieb. Schliesslich verbindet uns eine bedingungslose Liebe.

Laufen ihre mal sonnig-leichten Lieder wie Par le chignon du Cou oder die nachdenkend-ruhigen Chansons wie Mappemonde und Cul-de-sac in den Radios ihrer Heimat rauf und runter, sind die Beiden in Europa noch kleine Namen. Dank den französischen Texten und ihrem stimmigen French-Folk zwischen Chanson und Pop haben sie sich aber auch schon in Frankreich und auf ihrer diesjährigen Tournee in der Schweiz ein Publikum erspielt. Sich vor fremdem Publikum behaupten hiess es da für die Schwestern und vor allem ihr breites français québécois verständlich halten:

Das Publikum ist von Land zu Land unterschiedlich, aber auch von einer Stadt zu der anderen. Jedes Publikum ist anders und zugleich doch ähnlich. Es ist klar, dass wir in Frankreich oder der Schweiz einige Ausdrücke aus dem Quebec-Dialekt übersetzen müssen. Denn unsere Musik ist sehr mit der Kultur von Quebec verwurzelt.

Diese Quebecer-Kultur ist gefüllt von malerischen Geschichten und wird von Les Soeurs Boulay in klar klingenden Pastellfarben aufgezeigt, sodass die Sommerbrise oder bunten Blätter in herbstgestimmten Stücken direkt erlebbar werden. Ob mit sanften Klavierklängen oder mitreissender Ukulele, ob mit Country-Einschlägen oder Steicher-Einheiten, die zwei Boulay Schwestern bieten mit ihrer Musik den Soundtrack für so manche Stimmung. Und kommen Musikhungrigen so kurz nach Sommerbeginn gerade richtig.