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Vor dem Konzert an der Baloise session haben Noah Veraguth und Gabriel Spahni von Pegasus sich die Zeit genommen, kurz mit Negative White zu sprechen. Ihre Gedanken zum neuen Album, Konzerten und dem Internet.

Gabriel Spahni von Pegasus in seinem Element (Foto: Sacha Saxer)

Gabriel Spahni von Pegasus in seinem Element (Foto: Sacha Saxer)

Gestern, am 7. November, haben Pegasus ihre Tour zum aktuellen Album Love & Gunfire im Salzhaus in Winterthur gestartet. Heute spielen sie an der prestigeträchtigen Baloise session vor Leona Lewis. Wir wollten wissen, was sie von diesem Abend erwarten würden. Gabriel findet: «Es ist ungewohnt, vor sitzendem Publikum zu spielen und das Ambiente ist sehr edel hier. Eine besondere Erfahrung also.» Noah ergänzt: «Wir werden uns trotz allem treu bleiben und in erster Linie einfach nur Pegasus sein.»

Doch was heisst es, Pegasus zu sein? Die Bieler Band hat seit ihrem ersten Album A Place To Be aus dem Jahre 2007 ihren Sound immer wieder verändert und stets versucht, sich neu zu erfinden. So ist aus dem rockigeren Sound von früher eine sehr tanzbare Mischung aus Pop, Rock und Dance entstanden. Gründe für den Wandel in ihrem Sound sehen Noah und Gabriel vor allem darin, dass sich die Musik insgesamt auch ständig weiterentwickelt und sich dadurch natürlich auch für sie immer wieder neue Einflüsse finden würden. Diese Einflüsse vermengen sie mit ihrer Musik und so entstehen immer neue Klanggebilde. Auf dem nächsten Album werden wohl mehr Streicher und Bläser zu hören sein, meint Noah. Stillstand kommt für das Bieler Quartett jedenfalls nicht in Frage.

Wir können auch brav sein, wenn wir wollen. Wenn wir wollen!Noah Veraguth

Mittlerweile hat Love & Gunfire in der Schweiz Goldstatus erreicht und seit gestern ist das Album auch in Deutschland und Österreich erhältlich. Da ist es natürlich noch zu früh, abzuschätzen, wie gut das Album in diesen Ländern ankommt, aber erste Feedbacks sind schon mal positiv. Besonders der Song Free habe es den Deutschen angetan, sagt Noah.

Nach der Baloise session spielen Pegasus wieder in kleineren Clubs, von der Mühle Hunzikon über das Kofmehl und dem Nordportal in Baden bis zur Schüür in Luzern. Obwohl sie schon auf grossen Bühnen gespielt haben, sei es als Support für Hurts oder Coldplay in Bern, empfinden sie kleinere Hallen mit einem Publikum vom ein paar hundert Personen als ideal für eine Band wie Pegasus. «Wir sind dort am Besten und Ehrlichsten zu erleben.», findet Noah, «Dort kann man richtig spüren, was Gabriel aus den Bass holt.» Auch die Nähe zu den Fans spiele eine Rolle. Auf die Frage, welches denn ihre Lieblingslocation in der Schweiz sei, antwortete Noah wie aus der Pistole geschossen: «Das Stadttheater Biel». Home, Sweet Home.

Dass der Auftritt als Vorgruppe von Coldplay im ausverkauften Stade de Suisse als die Erinnerung schlechthin genannt worden ist, wundert niemanden.«Du schaust da in diese Menschenmenge und kannst irgendwie nicht glauben, dass das wahr ist. Nach dem Gig dachte ich, dass ich jetzt langsam mal aufwachen müsste.», meint Gabriel.

Da auf Love & Gunfire und auch schon auf dem Vorgängeralbum Human.Technology die Technologie und deren Einfluss auf die Menschen sich in diversen Liedern widerspiegelt, müssen wir die beiden einfach nach ihren Gedanken zum Internet und dessen Einfluss auf die Musikindustrie fragen und haben scheinbar einen Nerv getroffen. Noahs Gedanken dazu: «Durch das Internet hat die Musikindustrie einen grossen Prestigeverlust erlitten. Aufgenommene Musik ist [in den Köpfen der Hörer] nichts mehr wert. Aber es gibt auch positive Seiten. Die Kommunikation mit den Fans ist viel direkter geworden. Du kannst einen Song online stellen und kriegst sofort ein Feedback. Das war früher nicht möglich. Die Musikindustrie hat den Einstieg verpasst und viel zu spät reagiert. Noch heute können sie nicht wirklich damit umgehen.» Er versteht auch die Hörer ein Stückweit. Wenn du was gratis kriegen kannst, wieso sollst du dann anders wo dafür zahlen. Für sie als Musiker ist es allerdings schlecht. Geld verdienen kann man eigentlich nur noch mit Konzerten. Und auch hier sind Gratisveranstaltungen wie das Energy Stars For Free und ähnliche alles andere als hilfreich. Die Künstler verdienen nichts, die Leute zahlen nichts und werden dadurch natürlich in der Ansicht, dass Musik umsonst zu sein hat, gestärkt.

Gabriel meint aber dennoch, dass es immer einen Markt für Musik geben wird. Es gelte einfach herauszufinden, wie man damit als Musiker überleben kann. Man muss den Tatsachen in die Augen schauen, mit der Haltung, früher sei alles besser gewesen, kommt man auch nicht weiter.

Auch auf die Frage, was sie besser finden würden, iTunes oder Spotify, haben Pegasus eine klare Antwort: «Um Musik zu entdecken, ganz klar Spotify. Da kannst du zum Beispiel schnell nachschauen, was die Top 100 von Taiwan sind. Sowas geht bei iTunes nicht. Als Musiker hingegen ist iTunes klar besser, da kriegst du wenigstens ein bisschen Geld für deine Musik.»

«Nach der Tour wollen wir erst mal neue Songs schreiben. Eventuell machen wir auch eine zweite Tour, möglicherweise auch international. Im Dezember sind wir ja schon mal in Deutschland.», antwortet Noah. Auf einen Zeithorizont für das nächste Album will sich aber niemand festlegen.

Wenn die Jungs nicht Musik machen, spielen sie gerne Fussball. In der alternativen Liga Bern spielen sie bei Traktor Biel. «Ein super Club!», meinen die beiden augenzwinkernd.