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Die Leichtigkeit und Freiheit einer kühlen Sommernacht irgendwo zwischen 80ern und heutigem Folk-Rock vereint: Das ist der neue Klang der Australier The Paper Kites. Eine Band mit vielen Facetten.

Es gibt Musik, die passt mit ihrer Vielfalt und ihren verschiedenen Gesichtern in jede Lage des Lebens. Musik wie auf dem neusten Album der australischen Folk-Rocker The Paper Kites. Ein Album für Nachteulen, Sonnentänzer, Regenliebhaber, Schlafsuchenden und Energiebündel. Was Twelvefour genau ausmacht ist schwierig zusammenzufassen, doch es packt einem von der ersten Sekunde an. Es ist eines dieser Alben, die der Seele wohl tun, ob diese nun verletzt ist oder nicht. Egal ob das Herz gebrochen oder frisch verliebt ist, der Tag jung oder schon fast vergangen, das neuste Werk der aus Melbourne stammenden Band fasziniert in den verschiedensten Lagen des Lebens.

Seit 2010 stehen die fünf Gesichter hinter The Paper Kites gemeinsam auf der Bühne. Damals noch als frisch zusammengewürfelte Formation für ein lokals Festival, nun als einer der populärsten Folk-Rock-Exporte aus Australien. Nach zwei EPs, einem erfolgreichen Debütalbum im Jahr 2013 und mehreren ausgedehnten Touren in ihrer Heimat und den USA haben sich die Fünf letztes Jahr nach einiger verdienter Ruhe für ihr zweites Album zusammengetan. Herausgekommen ist eine kleine Perle, die in manch verschiedenen Farben strahlt und bei jedem Hören an Grösse gewinnt. Twelvefour ist ein Konzeptalbum der speziellen Art. Ein Album, dass dem Frontmann und Songschreiber Sam Bentley so manche schlaflose Nacht eingebracht hat, wie Drummer Josh Bentley berichtet:

«Während dem Songwriting flossen bei Sam Unmengen an Kaffee. (lacht) Nein ehrlich, es war wahrlich eine grosse Herausforderung die er sich da stellte. Er sagte zu uns, dass er wirklich alles geben wolle für das neue Album. Das Ganze ging von einer Theorie aus, dass man als Künstler zwischen Mitternacht und Vier Uhr morgens am kreativsten ist und das Beste aus seinen Gedanken herausholen kann. So sass er sich für einen guten Monat jeweils von Zwölf Uhr nachts bis Vier Uhr morgens hin und schrieb an neuen Stücken. Es war ihm wichtig, sich selber einer klare Aufgabe zu stellen und ohne Einschränkungen schreiben zu können. Diesen Moment zu nutzen, wenn das Gedächtnis so erschöpft ist, sodass wirklich alles dabei rauskommen kann. Und glücklicherweise kam dabei ein tolles neues Album heraus und nicht irgend ein Haufen wirrer Lieder.»

Ein tolles Album ist Twelvefour allemal, aber es ist mehr. Mit seinen Stimmungen zwischen Achtziger-Pop, den typischen Gesangsharmonien von Sänger Sam und Keyboarderin Christina Lacy sowie geschmeidigen Gitarrenläufen zwischen Americana und sonnigem Folk, gepaart mit ordentlich Hall und einfühlsamen Texten spielt sich die Band mit ihrem neusten Wurf in eine neue Liga. Zentral dabei war auch ihr neuer Partner für die Produktion, Musik-Genie Phil Ek aus Amerika:

«Die Entscheidung in Seattle aufzunehmen drehte sich weniger um die Stadt, sondern vielmehr um unseren Produzenten Phil Ek. Er hat mit einer beeindruckenden Reihe von Musikern zusammengearbeitet, wie den Fleet Foxes, The Shins oder Band of Horses. Wir wollten das neue Album unbedingt mit ihm aufnehmen und hätten ihn am liebsten nach Australien geholt. Doch dies ging mit seinem Zeitplan nicht auf und so haben wir uns entschieden ins Flugzeug zu springen und rüber nach Seattle zu fliegen. Das war schlussendlich eine gute Entscheidung, wir haben es sehr genossen. Auch wenn wir ein Wenig aus unserer Komfortzone rauskommen mussten, aber das hat die Entstehung positiv beeinflusst. Wir sind mehr als zufrieden mit dem neuen Album und können sagen, dass wir das Beste aus uns rausgeholt haben.»

Twelvefour

Vor der Reise ins Aufnahmestudio in Seattle war aber erst ein wichtiger Schritt zu machen. Durch den ausgiebigen Songwriting-Prozess von Sam Bentley stand die Band vor der Herausforderung sich für die besten Stücke aus seinem kreativen Output zu entscheiden. Bei Stücken wie Electric Indigo oder Revelator Eyes, die den neu gefundenen Sound der Band gut zusammenfassen, wird einem klar wie sehr sich der Sänger und Cousin von Drummer Josh der schillernden Kreativität tiefster Nacht hingegeben hat:

«Sam ging nicht mit einer bestimmten Idee oder einem Plan an das Songwriting, sondern liess sich leiten und war offen mit seinen Gedanken. Er hatte nicht eine klare Art im Kopf, wie es werden sollte. So ging er sozusagen mit allem möglichen in diesen Prozess hinein. Was aber hinzu kam war, dass er während dieser Zeit eine Menge Musik aus den Achtzigern gehört hatte, in Richtung The Cure und so weiter. Dadurch entstand ein gewisser Late Night-Vibe, so lässt sich das am besten umschreiben. Als er das erste Mal mit seinen Vorschlägen zu uns kam, waren wir ziemlich entspannt und haben uns dann an die gemeinsame Ausarbeitung der Stücke gemacht. Gemeinsame Workshops, Proben und Gespräche – zu guter Letzt hatten wir die Lieder zusammen, die nun auf dem Album sind.»

Es sind Lieder, die dem Hörer das Gefühl geben, sich voll und ganz der Musik hingeben zu können. Ob beim Dahingleiten im Auto, Wanderungen im Grünen, Spaziergänge im Schnee, als Einstieg in den neuen Tag oder als Ausklang eines strengen Arbeitsmarathon. Der erwähnte Late Night-Vibe funktioniert erstaunlicherweise genauso am Tag wie bei Nacht, ohne zu langweilen oder einschläfernd zu wirken. Und das die neuen Klänge auch live ein Erlebnis sind, hat die Band auf ihrer letztjährigen US-Tour bewiesen:

«Es war eine tolle Zeit in den USA. Wir haben 19 Shows gespielt und 17 davon waren ausverkauft. Wir waren positiv überrascht, es war grossartig. Angefangen haben wir in LA und habe uns dann quer durch die USA bis nach Kanada gespielt. Wir lieben es zu touren, es war unser drittes Mal in den Vereinigten Staaten. Man sieht bekannte Gesichter, Orte, Lokale und Städte wieder. Auch wenn wir letztes Mal im Sommer dort waren und angenehmere Temperaturen hatten war es wirklich eine wunderbare Zeit. Unterwegs zu sein ist immer ein Spass, auch wenn wir uns zu Fünft einen Van teilen. In den USA legst du enorm lange Strecken zurück – trotzdem wir sind immer noch beste Freunde. (lacht)»

Nun kommen die ziemlich besten Freunde erstmals überhaupt nach Europa und touren ausgiebig durch ihnen neue Städte und Länder. Das die traumhafte Musik der Australier hier schon lange erwartet wird, zeigt sich schon mit ihrem Debüt und Songs wie St. Clarity oder ihrer Indie-Folk-Hymne Featherstone. Wer also die damalige High School-Band auf ihrem bisherigen Höhepunkt erleben will, dem sei das Konzert im Bogen F in Zürich am 5. Februar ans Herz gelegt. Ob nach einem strengen Arbeitstag oder ganz ohne Last, einsinken in spätnächtliche Melodien und morgendämmernde Texte war selten so schön.

The Paper Kites kommen nach Zürich (Foto: Kim Cartmell)

The Paper Kites kommen nach Zürich. Foto: Kim Cartmell