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«Nimmermehr» ist das mittlerweile siebte Studioalbum der Hamburger Gothic Rocktruppe und schon im Vorfeld der Veröffentlichung hatten sie angekündigt, dass sie etwas neues ausprobieren wollten. Ob ihnen das gelungen ist?

Mono Inc. – Nimmermehr (zVg)

Mono Inc. – Nimmermehr (zVg)

 

sax. Nach sechs Album darf, nein sollte, eigentlich jede Band mit ihrem Stil experimentieren, da sich sonst irgendwann Langeweile breit macht – sowohl bei den Musikern, die immer dasselbe spielen, wie auch bei den Hörern, die immer dasselbe zu hören kriegen. Bands wie Paradise Lost schrecken beispielsweise nicht davor zurück, ihre langjährigen Fans auch mal mit einer kompletten Neuausrichtung vor den Kopf zu stossen. Auch Mono Inc. war in Experimentierlaune und holte sich mit Joachim Witt eine nicht ganz unbekannte Grösse mit ins Boot um für Nimmermehr neue Gewässer auszukundschaften. Herausgekommen ist eine Mischung aus englischen und– erstmalig – deutschen Songs.

Schon gleich beim ersten Song hört man eine völlig neue Seite der Hamburger und spätestens nach dem Einsetzen des Kinderchores macht sich die Angst breit, dass Mono Inc. sich etwas zu viel bei Unheilig abgeschaut haben. Alleine der Kinderreim-Refrain verbannt Heile Heile Segen auf die Instaskip-Liste. Das Album fängt ja schon mal «gut» an.

Glücklicherweise knallen die Hamburger gleich darauf mit Seligkeit einen sehr tanzbaren Hit auf die Gehörgänge. Hier spürt man noch das alte Mono Inc. Feuer und schöpft neue Hoffnung für das Album. Und mit My Deal With God legt das Quartett auch gleich altbewährtes nach. Schnelle Beats, griffige Gitarren und Lyrics, wie man sie von Mono Inc. erwartet. Nicht sehr experimentell, aber bewährt und gut.

Mit Kein Weg zu weit wird einem wieder ein neuer Track um die Ohren geknallt, der sich wenig bis gar nicht um den alten Mono Inc. Sound kümmert. Für Fans des alten Sounds etwas zwiespältig, für Schwiegermütter aber perfekt, kommt der Song daher, als ob er es aufs letzte Unheilig-Album gerade nicht geschafft hätte. Irgendwie schade, da der Text mehr verdient hätte.

Doch Euthanasia lässt alle Gedanken an eine «Verunheiligisierung» der Kombo wieder in der Versenkung verschwinden. Der Track definiert den Sound und den Charakter von Mono Inc. und wirft einmal mehr die Frage auf, was ein Song wie Heile Heile Segen im Repertoire der Band überhaupt zu suchen hat. Vielleicht haben die Hamburger den Song, der erstmals auf dem Album Head Under Water zu hören war, auch als Hinweis für die Fans, dass sie ihre Wurzeln nicht vergessen haben, neu aufgenommen.

Alles was bleibt ist eine wunderschöne Ballade, die getragen vom Piano und der Stimme von Martin Engler, den Zuhörer mitnimmt auf eine Reise durch die Abschiede, die jeder in seinem Leben leider erleben muss. Einer der Songs, bei welchem Mono Inc. zeigen, dass sie auch inhaltlich einiges zu bieten haben.

Mit The Clock Ticks On knallt einem wieder ein altbekannter Mono Inc. Sound um die Ohren. Der Track ist tanzbar, ohne aber an lyrischer Tiefe zu verlieren. Die Strophen bieten genügend Stoff um auch nach dem ersten Hören über den Song nachzudenken. A Better Way To Die thematisiert den Tod eines geliebten Menschen und verarbeitet ihn auf eine etwas andere Weise. Die Musik ist stark reduziert und trägt die Lyrics, welche mit einer Prise Ironie verschiedene Wege, wie man abtreten könnte, vorschlagen, dennoch. Definitiv ein Song, mit dem sich jeder selber näher auseinandersetzen sollte.

Selbstzweifel bilden die Grundlage für Herzschlag, einem Song, mit dem sich sicherlich viele Jugendliche auf ihrer Identitätssuche wiederfinden werden. Nach drei eher düsteren Liedern wirkt Days Like This geradezu euphorisch, eine positive Feel Good Melodie mit der einfachen, aber manchmal wichtigen Message, dass es nicht immer so schlimm ist, wie es aussieht und man alle Hindernisse überkommen kann.

Ich Teile Dich Nicht schafft es, das Lächeln von Katha Mia hinter den Drums rüberzubringen und weckt einmal mehr die Hoffnung auf ein Duett von ihr und Martin Engler. Sanfte Pianoklänge und die warme Stimme Martins lassen den Titeltrack Nimmermehr zu einer wunderschönen melancholischen Ballade verschmelzen. Ein gelungener Schlusspunkt eines Albums, dass für alte Mono Inc.-Fans genauso was zu bieten hat wie auch für deren Schwiegermütter, aber gerade deshalb wohl auch einen Teil der Fangemeinde vor den Kopf stossen wird.

 

Release:
9. August 2013

Label:
NoCut

Tracklist:
01 – Heile Heile Segen
02 – Seligkeit
03 – My Deal With God
04 – Kein Weg Zu Weit
05 – Euthanasia
06 – Alles Was Bleibt
07 – The Clock Ticks On
08 – A Better Way To Die
09 –Herzschlag
10 – Days Like This
11 – Ich Teile Dich Nicht
12 – Nimmermehr