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Drei Künstler, die sich seit Jahren kennen, ein kleiner Club in Zürich, ein kühles Bier und fertig ist ein gelungener Freitagabend.

Freitagabend im Exil, Singer/Songwriter und Indie-Rock auf der Bühne. Klingt gemütlich. War es auch, auch wenn die Mischung nicht auf der ganzen Linie zu überzeugen vermochte, was allerdings nicht an der Qualität der Musiker lag. Doch erst mal der Reihe nach.

Truett lohnt sich

Den Abend durfte Truett, ein junger Künstler aus Atlanta, Georgia eröffnen. Hierzulande ist der Schützling von Ron Pope noch unbekannt, aber nach dieser Tour dürfte er einige neue Fans dazu gewonnen haben. Seine Musik zu beschreiben, ist nicht ganz einfach, bedient er sich doch bei so vielen Stilrichtungen. Gerade deshalb sie dann auch so abwechslungsreich und frisch anzuhören. Man hörte am Anfang allerdings vor allem etwas: Der Tonmeister musste sich erst noch warm machen und startete den Sound mit etwas gar viel Bass, dafür mit etwas zu wenig Stimme im Mix. Immerhin fand er schnell die richtigen Einstellungen und für den Rest des Abends klang es einfach nur noch gut – so wie man es sich vom Exil gewohnt war.

Andrew Pertes am Bass und Alex Brumel am Schlagzeug fungierten als reine Rhythmussektion und liessen Truett’s Gitarrenspiel den Raum, den es verdiente. Ihm beim Spielen zuzusehen war schon eine Freude und es macht einfach Spass, ihm zuzuhören. Jazziger Bluesrock, den es lohnt, im Auge zu behalten.

Wunderschöne Texte

Auf Truett folgte Zach Berkman, ein weiterer Musiker aus Ron Popes Umfeld. Die beiden spielten während ihrer Studienzeit an der New York University zusammen bei The District. Sie «entführten» sogar mal Truett auf eine Tour durch Amerika – wobei sie seiner Mutter versprechen mussten, dass der damals noch minderjährige Truett weder trinken, noch rauchen, noch Drogen nehmen oder Sex haben werde. Die drei Künstler verbindet offensichtlich eine langjährige Freundschaft.

Zachs Southerner Singer/Songwriter-Stil kam zumindest am Anfang beim Publikum leider nicht so gut an und prompt war das Exil wieder gefüllt von lautem Geschnatter. Es muss einem ja nicht jede Musik gefallen, aber soviel Respekt haben, dass man seine Gespräche ins Fumoir oder nach draussen verlegt, sollte man doch besitzen.

Zach war wohl offensichtlich etwas zu zahm nach dem kleinen Orkan Truett. Er erkannte das und versuchte die Besucher – von Zuhörern zu reden, wäre zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich korrekt gewesen – Humor auf seine Seite zu ziehen. Als sich auf die Frage, wer denn sein neues Album schon kenne, kaum jemand meldete, meinte er augenzwinkernd: «Sounds like some of you still need a copy.»

Und tatsächlich wären die meisten gut beraten, sich eine seiner CDs zu kaufen. Seine Texte sind wunderschön. Ideal, sich an einem Sonntagnachmittagspaziergang ein paar Gedanken dazu zu machen. Der Höhepunkt seines Auftritts war sicherlich das Duett mit Truett, für welches Zach ans Keyboard wechselte und den Song mit der Mundharmonika zusätzlich unterstützte.

Ron Pope als Highlight

Dass die Besucher nur wegen Ron Pope & The Nighthawks gekommen waren, wurde schlagartig klar, als dieser die Bühne betrat, zusammen mit einer schier endlosen Schar von Bandmitgliedern. Neben Ron Pope an der Gitarre standen Skeeter am Bass, Dickey an der zweiten Gitarre, Big Al an der dritten Gitarre und am Keyboard, Bear am Saxophon, sowie Beau hinterm Schlagzeug. Abgerundet wurde das Ensemble von Hambone an der Posaune, Keyboard und Akkordeon. Letzterer feierte an jenem Abend auch gleich noch seinen 24. Geburtstag.

Die Stimmung war erwartungsgemäss gut, die Band musikalisch auch völlig okay, aber irgendwie fehlte (zumindest mir) noch das Alleinstellungsmerkmal. Startete der Sound noch sehr rockig, steigerte sich der Country-Anteil im Verlauf des Abends immer mehr, was besser zu Ron’s Stimme passte. Allerdings kommt er trotz wirklich guter Band nicht an Bob Spring heran.

Seine Songs laden zum Mitsingen ein, selbst wenn man die Lyrics vorher noch nicht kannte. Einen kleinen Fauxpas leistete er sich, als er fragte: «Did you all get here early enough to hear Zach Berkman open for us?» Entweder wechselte auf der Tour die Running Order hin und wieder, oder er hatte Truett schlicht vergessen. Etwas später erwähnte er seinen Schützling aber dann doch auch noch.

Das erste Highlight war Ron’s Solo am Piano, mit welchem er den Song Fireflies begleitete. Diese intimen Momente gehören eigentlich in jedes gute Konzert und Ron Pope & The Nighthawks wussten, wie sie diesen noch steigern konnten. Der Abschluss fand nämlich nicht auf der Bühne statt, sondern vor der Bar des Exils. Ron setzte sich auf den Tresen und sämtliche Musiker standen vor ihm, um gemeinsam eine sensationelle Accapella-Version von I wish I knew what I know now zum Besten zu geben. «This is one for Glenn Frey» (Der kürzlich verstorbene Gitarrist der Eagles, Anm. d. Red..)

(Amerikanische) Bands, die ohne Security auskommen, sich mitten ins Publikum stellen und anschliessend am Merch-Stand rumhängen, um mit den Fans zu quatschen und sich für Fotos hinstellen. All dies sind Gründe, wieso kleine Club-Konzerte noch wenig bekannter Bands die grossen Stadionkonzerte um Längen schlagen. Dass sie auch nur einen Bruchteil kosten, ist nur noch ein weiterer Pluspunkt. Grosses Kino, mehr davon.