Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Mit dem neuen Album «VII: Sturm und Drang» haben Lamb of God erneut Fans und Kritiker überzeugt. Das Album ist geprägt von Sänger Randy Blythe’s Haft in Prag, gewohnt kritisch und donnernd wie eh und je.

lamb-of-god_sturm-und-drang

Sturm und Drang bezeichnet eine Strömung der deutschen Literatur in der Epoche der Aufklärung, die etwa von 1765 bis 1785 hauptsächlich von jungen, etwa 20- bis 30-jährigen Autoren getragen wurde. Wegen der «Verherrlichung des «Originalgenies» als Urbild des höheren Menschen und Künstlers» wird diese Strömung auch als Geniezeit oder Genieperiode bezeichnet.Definition «Sturm und Drang», Wikipedia

Lamb of God ist eine gefährliche Band. Gefährlich gut. Und wenn sie spielen, ziehen dunkle Wolken auf. Bedrohlich dunkel wurden die Wolken im Jahr 2012, als Sänger Randy Blythe verhaftet wurde. Anklage: Körperverletzung mit Todesfolge. Blythe soll zwei Jahre zuvor in Prag einen Fan, der auf die Bühne kletterte, geschlagen haben. Der Fan stürzte, fiel auf den Hinterkopf und starb später an den Folgen. Lamb of God thematisierten den Prozess im Film As The Palaces Burn. Es ist ein Einblick ins Innere einer Band, die am Abgrund taumelt, den sie selbst immer aufreisst.

Blythe kam als freier Mann aus dem Gericht – wild, ungebändigt. Lamb of God, eine der wenigen wirklich kritischen Schwergewichte in der Szene, machten sich dran, ein apokalyptisches Donnerkonzert in ein Album zu verkorken. Was sie mit VII: Sturm und Drang erschufen, ist das Gewaltigste, was man in den letzten Jahren von ihnen zu hören bekam. Das Album lässt jede Seele in Flammen aufgehen, so scharf und heiss werden die groovenden Salven durch die Boxenläufe geballert.

Kein Gepose, keine falsche Versprechen. Lamb of God zählen zu den variantenreichsten Metal-Bands, keine Stilbrüche scheuend. Still Echoes, das Album eröffnend, kracht kompromisslos drauf los. Rücksicht auf Verluste? Das kennen Lamb of God nicht. Blythe verarbeitet in diesem Song seine Haftzeit in Prag. Im selben Zellentrakt wie Blythe inhaftiert war, steht eine Guillotine mit der die Nazis im 2. Weltkrieg rund 2000 Menschen hingerichtet haben. Blythe sagte dem «Rolling Stone»:

«I write about things that affect me very deeply. And going to prison in a foreign country and being charged with manslaughter will affect you – trust me – very deeply.»

Bereits beim dritten Stück – 512 – zeigen sich die Musiker ihren Variantenreichtum. Langsam und stapfend, begleitet durch Blythe’s Fauchen, beweisen Lamb of God, dass es keine krankhaft schnellen Riffs braucht, um eine brachiale Stimmung zu erschaffen.

Doch wirklich spannend wird es bei Overlord. Erst ein Led Zeppelin-eskes Intro, dann ein nahtloser Übergang zu einem weinerlichen Grunge. Und nach der Hälfte des Songs kommt die Abrechnung für die Gefühlsduselei:

All the world’s a stage…
But you are the only player
A black hole in the center of the universe
A dark cloud of despair

Caught in an endless rut
A crisis without solution
Someone should stitch your mouth shut…
And solve your fucking problem

Und Randy Blythe sagt über Overlord: «Sometimes things just don’t work out the way we want them to, deal with it. People who only see their own problems eventually wind up alone because no one wants to hear their crap anymore. We all know someone like that, always whining and complaining about some inconsequential setback as if it were the apocalypse. This song is for those people.»

Die Kritiker sind sich einig: mit VII: Sturm und Drang haben sich Lamb of God selbst übertroffen. Sich treu zu bleiben und gleichzeitig Facetten zu zeigen, Mut beweisen, ist ein gewagter Tanz auf dem Vulkan. Lamb of God überstehen nicht nur die Erruption, sondern surfen regelrecht auf der brodelnden Lava.

Lamb-of-God_Guschi-8

Lamb of God live am Greenfield 2015 (Foto: Christoph Gurtner)