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Die Erfolgskurve von Nothing But Thieves zeigt steil nach oben. Ihre Single «Sorry» läuft im Radio hoch und runter und die Tickets für ihr Konzert im Zürcher Dynamo waren schon Wochen im Voraus vergriffen. Höchste Zeit also den Hype genauer unter die Lupe zu nehmen.

Gäbe es einen Preis fürs geduldige Anstehen, hätten ihn die Fans von Nothing But Thieves bestimmt mit Bravur verdient. Nicht nur wurde in der langen Schlange vor dem Dynamo den bitterkalten Temperaturen getrotzt um drinnen dann vor der Garderobe sich den Winterklamotten wieder zu entledigen, sondern wurde auch im Saal oben bereits wieder fleissig angestanden. Nein, nicht für ein kühles Bier, sondern für den Merchandise-Stand! Fein säuberlich aufgereiht um sich Fanartikel zu sichern, noch bevor der Konzertabend überhaupt richtig los ging.

Mit zwei Vorbands auf Tour

Der musikalische Startschuss fiel dann mit einer jungen Band namens Airways. Sie spielen gitarrenlastigen Indie-Rock der an die Anfänge der Arctic Monkeys erinnert und hie und da mit Gitarrenriffs aufwartet, welche man auch bei den frühen Libertines in ähnlicher Form schon zu hören bekommen hatte.

Auch wenn Airways in dem Sinne nichts sind, was die Musikszene revolutionieren wird, gilt es dennoch gespannt zu sein, wohin sie ihr Weg noch führen wird. Allein der Auftritt der vier Jungs überzeugte mit einer Frische und Unverbrauchtheit, die noch auf Grösseres hoffen lässt.

Keine Revolution, aber unverbraucht – Airways. Bild: Natascha Dittli

Wesentlich länger an ihrer Karriere am werkeln ist die zweite Vorband des Abends. The Xcerts werden im Januar ihr bereits viertes Album Hold On To Your Heart veröffentlichen und ganze drei Songs daraus wurden bereits live vorgestellt.

Als langjährige Xcerts-Anhängerin erfreute es mich zunächst zu sehen, wie das Trio gewohnt gefühlsstark und voller Leidenschaft aufspielte. Aber als dann Sänger Murray MacLeod gegen Ende ihres kurzen Sets ein Mitsing-Spielchen dem Publikum aufzwang, welches immerhin artig mitmachte, fand ich es doch etwas schade, dass sie ihre begrenzte Zeit nicht noch in einen weiteren Song investierten.

Xcerts-Sänger Murray MacLeod zwang zum Mitsing-Spielchen. Bild: Natascha Dittli

Stimmgewaltiger Sänger, stimmgewaltiges Publikum

Das Publikum zum Mitsingen auffordern musste die Hauptband danach nicht. Alle waren da um Nothing But Thieves zu sehen und mit ihnen eine bunte Party zu feiern.

Von der ersten Sekunde war das überwiegend junge Publikum hellwach und unterstütze ihren Liebling Connor Mason und seine Band lauthals. Und dieser wiederum belegte, warum der mit dem zweiten Album aufkeimende Hype eben doch gerechtfertigt war. Unglaublich wie astrein dieser Mann die hohen Töne beim Opener Made By Design traf. Und dies war erst der Anfang, auch alles andere was in den nächsten 90 Minuten folgte, war nicht von schlechten Eltern.

Connor Mason und seine Band hatten leichtes Spiel. Bild: Natascha Dittli

Kann man Nothing But Thieves auf Platte eine Produktion ohne Ecken und Kanten vorwerfen, verwandelte sich das Ganze auf der Bühne in eine rohe Kraft, welche die Stimmgewalt Masons noch klarer zum Vorschein brachte. Ganz stark wie hier das Zusammenspiel innerhalb der Band klappte und sich auch der Toningenieur des heutigen Abends ein Lob verdient hatte.

Dennoch waren es vor allem die ruhigen Songs, die dieses Konzert magisch machten. Allen voran Soda welches auf dem aktuellen Album Broken Machine zu finden ist und die beiden Songs die Connor Mason ganz alleine vortrug: Das wunderbar zerbrechliche Free Fallin’ Cover des jüngst verstorbenen Tom Petty und das darauf folgende Hell, Yeah.

Mit Vollgas in die Schlussphase

Darauf wurde mit Ban All The Music die Schlussoffensive eingeläutet und diejenigen die es gerne bisschen wilder mögen, fingen an zu moshen, bevor mit der Hitsingle Sorry dann das Hauptset beendet wurde. Als Zugabe wurden die Fans noch mit dem ruhigen Lied Particles verwöhnt, bevor Nothing But Thieves es mit dem anderen Hitsong Amsterdam nochmals richtig krachen liessen und wirklich alle am tanzen und singen waren.

Die stetig wachsende Fanbase und der Erfolg, der allmählich zum Normalzustand bei der englischen Rockband wird, prophezeien noch glorreiche Zeiten. Ihre ergreifenden Songs passen vor grösseres Publikum und wenn Nothing But Thieves das nächste Mal bei uns aufkreuzen, werden sie sicher schon in grösseren Locations spielen. Looking at you, Volkshaus.