Zwei Jahre sind vergangen seit die Basler Singer/Songwriterin ihre EP mit dem selbstironischen Namen «This is not a demo… this is an EP» veröffentlicht hat. Jetzt erscheint ihr Debütalbum «in the bones all along». Ob sich die lange Wartezeit gelohnt hat?

Miriam Crespo

Ein Dutzend Lieder finden sich auf dem Album von Miriam Crespo und ihrer Band, darunter auch vier neu aufgenommene Songs der EP, die vor zwei Jahren die Erwartungen sehr hoch gesteckt hatte. (Negative White berichtete.) Der einzige Wermutstropfen ist die Tatsache, dass ausgerechnet der meiner Meinung nach stärkste Track der EP nicht auf dem Album zu finden ist. Doch die acht neuen Nummern wiegen den «Verlust» mehr als auf.

Das Album beginnt mit der wunderschönen Liebeserklärung Something Beautiful To Dream. Miriam hat die perfekten Worte der Vergebung für vermeintliche Fehler und Versäumnisse in einer Beziehung gefunden. «When I go to sleep forever I need something beautiful to dream»
Friday Smile zeichnet ein humorvolles Bild des Lebens – der graue Alltag und das Versprechen des Wochenendes. Eine willkommene Abwechslung zu den sonst eher traurigen Liedern.

In Thierry’s Song und Hold On Tight zeigt Miriam, wieviel Gefühl sie in ihre samtweiche und unglaublich warme Stimme legen kann. Man hört in jedem Ton, wie nahe ihr diese Songs gehen. Beide Lieder thematisieren den Verlust eines geliebten Menschen. Bei Tierry’s Song steht der Versuch, einen Selbstmord zu verstehen, im Zentrum: «Why did you turn off the light?» Die Erklärung klingt resigniert: «I guess it’s the only way you can get some rest»
Hold On Tight dagegen handelt von der Hilflosigkeit, die man verspürt, wenn man jemanden im Kampf gegen eine heimtückische Krankheit, welche diese Person schliesslich viel zu früh aus dem Leben reisst, begleitet.

Eine Selbstfindungsreise nach einer gescheiterten Beziehung wird in Panamericana musikalisch verarbeitet. Auch hier überzeugt Miriam mit geschickten Metaphern und beweist, dass nicht zu Unrecht gleich drei der Songs dieses Albums es bis ins Halbfinale des UK Singer/Songwriter Contests gekommen sind.
Selbstironie wird in Untitled/Self-Portrait gross geschrieben. Der Gastgesang von Chris Heath harmoniert wunderbar mit Miriams Stimme und die Melodie ist mit Abstand die fröhlichste auf dem ganzen Album. Der Videoclip dazu unterstreicht die Leichtigkeit zusätzlich.

Wenn man The Algebra Lesson einen Zweittitel verpassen müsste, würde der wohl «A Nerd’s Lovesong» lauten. Alleine die Idee, eine romantische Beziehung mit mathematischen Metaphern zu beschreiben, ist genial – die wenigstens können wohl den Erinnerungen an den Matheunterricht etwas romantisches abgewinnen, aber dieser Song verbindet diese Gegensätze problemlos.

Viel verträumter kommt Lullaby For A Sleepless Night daher. Verträumt und voller melancholischer Sehnsucht. Gerade der Einsatz von Cello (Cristina Jannet) und Violine (David Muther) verleihen dem Stück den richtigen Ton.
I Told My Heart wandelt wieder auf den Pfaden gescheiterter Beziehungen. Man könnte meinen, dass langsam aber sicher alle Lieder über den Trennungsschmerz gesungen worden sind, aber da macht einem die Kreativität und Wortgewandheit der Singer/Songwriter immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Reflektion darüber, wann denn eigentlich der Moment gekommen ist, an dem sich zwei Menschen, die sich in einer perfekten Beziehung glaubten, auseinander gelebt haben anstatt selbstmitleidiges Rumflennen.

Einen Blick in die Psyche eines unsicheren, verschlossenen Menschen bietet Your House Is Clean. Düstere Strophen darüber, wie er sich abschottet, alternieren mit dem aufmunternden Refrain. Auf eine weitere Reise nimmt This Ain’t The Land den Hörer mit. Der Hintergrund dieser Reise ist – wie könnt’s auch anderst sein? – ein gebrochenes Herz. Doch es steht nicht im Zentrum, sondern bildet nur die Grundlage für der Suche nach einer neuen Zukunft.
Zum Abschluss wirft For Tonight die Frage auf, wieviel man sich selber in einer Beziehung zurück nimmt, wieviele Fehler und Verletzungen man bereit zu verzeihen ist. Und gleichzeitig der Vorwurf an den Partner: «If that makes it easier when your head rests on your pillow».

Zwölf wunderbare Americana-Songs, die sich durch ein harmonisches Arrangement der Instrumente, exquisitem Songwriting und der warmen Stimme von Miriam Crespo auszeichnen. Zwölf Lebenssituationen, die jeder kennt, mindestens so verträumt gespielt wie der Dreampop von Tilia, umschrieben mit Lyrics so ehrlich und bildgewaltig wie die von Bob Spring oder BAUM, und so gefühlvoll gesungen wie Heather Nova, ist in the bones all along ein Album, das deutlich macht, mit was für einer grossartigen Künstlerin man es mit Miriam Crespo zu tun hat. Nun, da sie und ihre Band zueinander gefunden haben, dauert es hoffentlich nicht wieder zwei Jahre, bis man etwas neues von ihnen zu hören kriegt.

Ein grosser Pluspunkt ist auch das Booklet mit den kompletten Songtexten und einer erfrischend humorvollen Danksagung. Eine klare Kaufempfehlung für alle, die ruhige Musik zum in Gedanken versinken mögen.

Release:
27. März 2015
Label:
Crispy Records (Eigenlabel)
Tracklist:
01 – Something Beautiful To Dream
02 – Friday Smile
03 – Thierry’s Song
04 – Hold On Tight
05 – Panamericana
06 – Untitled/Self-Portrait
07 – The Algebra Lesson
08 – Lullaby For A Sleepless Night
09 – I Told My Heart
10 – Your House Is Clean
11 – This Ain’t The Land
12 – For Tonight