Die Britische Doom Metal-Formation My Dying Bride besuchte nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder einmal die Schweiz und welcher Ort wäre passender für diesen Anlass als die ehrwürdige Halle des Z7?

 

Dunkle Romantik – My Dying Bride (Sacha Saxer)

Dunkle Romantik – My Dying Bride (Sacha Saxer)

 

sax. Seit nunmehr über zwei Jahrzehnten entwickeln sich My Dying Bride vor und zurück, hin und her, und zeigen immer wieder neue Facetten ihrer Musik. Neben Paradise Lost und Anathema eines der Aushängeschilder und Mitbegründer des Doom Metal, zeichnet sich die Band vor allem durch ihre melancholischen Lieder gepaart mit harten Gitarrenriffs aus. Seit 1990 veröffentlichten die Briten zwölf Studioalben, deren musikalische Ausrichtung immer wieder von den Vorgängern abwich und es auch den Fans nicht immer leicht machte, sich mit dem aktuellen Stil zurückzufinden – besonders beim sehr experimentellen 34.788%… Complete. Doch gerade dieser Wandel – ähnlich wie bei Paradise Lost, die ebenfalls gerne mal ihre Anhänger mit einem drastischen Stilbruch vor den Kopf stiessen, ohne sich selber dabei aber untreu zu werden – macht die Band interessant. Das aktuelle Album A Map of all our Failures, das im Oktober 2012 erschien, ist wieder vermehrt rockig geprägt, ohne aber auf Synthesizer-Einsätze zu verzichten. Es bildet auch die Grundlage für die derzeitige Tour durch Europa, auf welcher sie am 13. Dezember einen Zwischenstop in der Schweiz einlegten.

Als Supportact wurden die ebenfalls aus England stammenden Talanas verpflichtet, welche hierzulande noch relativ unbekannt sind, aber durchaus Potential haben. Und mehr noch als Potential verfügen die sympathischen Jungs über Humor, allen voran Sänger Hal Sinden. Mit etwas gebrochenem, aber erstaunlich gutem Deutsch wandte er sich an das noch eher spärlich anwesende Publikum und entschuldigte sich erst mal, dass die paar Sätze in etwa die kompletten Deutschkenntnisse von ihm seien und er froh sei, dass hier so viele Sprachen gesprochen würden und man ihn hoffentlich auch auf Englisch verstehen würde. Dass er sich wie zu Hause fühlte, lag auch am Wetter – “Nass und kalt, so lieben wir das in England.” Kaum jemand im Saal würde es ihm übel nehmen, wenn er das Wetter mit auf die Insel zurücknehmen würde. Ein besonderer Gag war Hal’s Aktion, als das Publikum der Band brav einen weiteren Brocken Deutsch beibrachte. “How do you say ‘Merry Christmas’ in German?” – “Frohe Weihnachten!” schallte es aus dem Publikum und zeitgleich schaltete Sinden eine Lichterkette, die um seinen Gitarrengurt gewickelt war, ein, wodurch er aufleuchtete wie ein Weihnachtsbaum. Wie gesagt, die Jungs haben Humor.
Gesanglich zeugten die verschiedenen Bandmitglieder von einigem Potential – Growls und klarer Gesang aus mehreren Kehlen, dazu saubere, wenn auch noch nicht so ausgereifte Musik. Doch, die Jungs sollte man definitiv im Auge behalten.

My Dying Bride überzeugten von Anfang an mit ihrer charakteristischen Musik und dem Gesang von Aaron Stainthrope, der sich von seiner Matte getrennt und die Haare nun sehr, sehr kurz trägt. Aarons Gestik verdeutlichte die Botschaft der Songs so sehr, dass man auch ohne auf den Text zu hören den Song erkannte und er ist nach wie vor ganz klar der Mittelpunk der Band, welche eher stoisch ihre Arbeit verrichtete, von gelegentlichen Headbangeinlagen abgesehen. Das passte aber auch zur Musik. My Dying Bride ist eine Band, die sich nicht an Menschen richtet, die Musik primär mit dem Körper spüren und tanzen wollen. Nein, sie sind eher eine Perle für jene, die Musik emotional und intellektuell in sich aufnehmen. Entsprechend verhalten sah die eigentlich gute Stimmung im Publikum auch aus. Ein Moshpit wird man an einem My Dying Bride Konzert vergeblich suchen. Viel mehr tauchen die Fans in das Klanggefilde, dass die Briten erzeugen, ab, geniessen die düstere Melancholie der Musik und gehen in den Lyrics auf. Eine Band für Geniesser, für Connaisseurs der traurigen Romantik.

My Dying Bride sind wohl die perfekte Band für das Schweizer Publikum. Niemand wird komisch angeschaut, wenn er nicht Party macht, sondern gedankenversunken in der Musik aufgeht. Sanftes Kopfnicken und leichtes im Takt mit dem Fuss wippen sind für einmal völlig angebracht.

Mir persönlich hat das Konzert sehr gut gefallen. Die Akustik war gut, die Lightshow weit mehr als ich zu träumen gehofft hatte, die Setlist ein schöner Streifzug durch das Schaffen der Band und dazu ein äusserst entspanntes und freundliches Publikum. Ich würde jederzeit wieder an ein Konzert der Briten gehen. Ein gelungener Abend, der mich für ein paar Stunden die Kälte draussen vor der Halle vergessen liess und mich persönlich zu berühren vermochte.

 

Fotos: Sacha Saxer