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Ich bin ein Kind der 90er. Mein Vater hörte Tanita Tikaram, Paul Simon’s «Graceland» und Eric Clapton’s «Unplugged». In der Grundschule fühlten wir uns krass, mit Fubu-Hosen, D12 und Eminem.

Damals kauften wir Bravo Hits, Megahits und wie diese Compilations alle hiessen. Durch sie kam ich erstmals in Berührung mit den Ärzten, Rammstein oder Project Pitchfork. Aber da gab es auch noch eine völlig andere Welt zu entdecken. Das Universum der Barcode Brothers, Brooklyn Bounce oder Novaspace. Namen, die man nicht mehr kennt.

Ich bin ein Kind der 90er. Und die elektronische Musik – vor allem Techno – ist ebenfalls ein Kinder der 90er. Wir sind also gewissermassen Geschwister. Trance, Eurodance, Techno – das war bei uns in der Grundschule verhöhnt. Ich hörte es zuhause, alleine in meinem Zimmer. Mit wummernden Beats und simplen Synthie-Melodien erkundete ich fremde Galaxien, sauste an Supernovae vorbei und träumte weltentrückt von flirrenden Nächten in den Clubs. Davon war ich noch zehn Jahre entfernt.

Heute feiere ich zu Rock und Metal ab. Hip-Hop ist, bis auf ein paar Ausnahmen, komplett aus der Heavy Rotation verschwunden. Doch in den letzten Monaten hat sich der ausufernde Progressive Trance zurück geschlichen. Namentlich Liquid Soul, das Pseudonym des Schweizer DJs Nicola Capobianco. Seine Songs sind wie ein einziger Rausch, manchmal ausgelassen, manchmal zurückgezogen und nachdenklich. Und dann können die Tracks von Liquid Soul auch plötzlich ziemlich düster und bedrohlich werden. Aber der Rausch bleibt:

Every one of us when we go into the psychedelic state, this is what we should be looking for. It’s not for your elucidation, it’s not part of your self-directed psychotherapy. You are an explorer and the greatest good you can do is to bring back a new idea, because our world is in crisis by the absence of conciousness.Terence McKenna in «Conciousness»

Nein, die elektronische Musik hat und wird mich nie wirklich loslassen. Sie synchronisiert den Herzschlag mit den stampfenden Beinen und ihre Schwingungen breiten sich in meine Arme aus. Es ist die Hassliebe für die Einfachheit der Melodien, die mich immer wieder packt.