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Vom Sommer haben Matto Rules nicht viel mitbekommen und doch nicht viel verpasst. Sie schliffen an ihren sphärischen Popsongs, die nun auf der EP «Lonely Cat» versammelt sind.

Matto_Rules-Lonely_Cat

jt. Weniger ist mehr, dachten sich wohl die Berner Musiker von Matto Rules. Sie zogen sich im tristen Sommer 2013 in ihren Proberaum in einer Tiefgarage zurück und polierten vier Songs für die EP. Hochglanz-Popsongs? Weit gefehlt. Irgendwo zwischen sphärischen, elektronischen Klangexplosionen und schwerfälligen Rock-Allüren erkunden Matto Rules träumerisch ein musikalisches Eiland. Kein eingängiges Blabla, sondern sperrige Songs erwarten uns. Soviel sei an dieser Stelle verraten.

Was auf den ersten Blick abschreckend scheint – man will sich beim Hören ja möglichst wenig anstrengen müssen – entfaltet mit der Zeit einen speziellen Kosmos. Saranda hüllt gleich alles in einen sanft wirbelnden Nebel, trägt einen in das Reich, wo Matto herrscht. Move On versetzt den Hörer mit einem schlingernden Gitarren-Riff irgendwo in die Prärie des Mittleren Westens. Der Song schwankt irgendwo zwischen Sehnsucht und schmerzlichem Heimweh und Verzweiflung: «It’s time to follow yourself.»
Poppig kommt Nowhere Train mit federnden Schritten daher. Diese Zugfahrt möchte man nicht verpassen. Plötzlich hören wir kein rhythmisches Klappern der Räder auf den Schienen mehr. Wir heben ab, «through the mighty, mighty galaxy». Der Schaffner wirft uns im Exile raus. Ein schwankendes Stück Musik und vielleicht der anspruchsvollste Songs auf der Scheibe. Während sich die Stimme mit einer unmissverständlichen Dringlichkeit ins Gehör bohrt, breiten Matto Rules darunter ein ausgefeiltes Arrangement mit unzähligen, blinkenden Lichtern und Facetten aus.

Matto Rules haben mit Lonely Cat ihren Anspruch deutlich markiert. Die Berner machen Musik zum Nachdenken und Träumen. Wer durchdrehen möchte, sollte deshalb die Finger davon machen. Wer sich aber vor dem inneren Auge Bilder malen lassen möchte, der darf zugreifen.

Release
6. Dezember 2013

Label
Matto Rules

Tracklist
01. Saranda
02. Move On
03. Nowhere Train
04. Exile