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Singer/Songwriter scheinen «a dime a dozen» zu sein dieser Zeit. Deshalb ist es schwierig, die wirklich guten rauszupicken. Aber manchmal hat man auch einfach Glück.

Artikel 2016-03-11 Matteo-Gisler_Going-Nowhere-Cover Artikelbild

Bewaffnet mit akustischer Gitarre und einem unglaublichen Gespür für gesellschaftskritische Texte bestreitet der sympathische Urner Matteo Gisler seine Konzerte. Auf seiner EP Going Nowhere begleitet er sich zwischendurch auch mit dem Piano um seiner Musik mehr Tiefe zu verleihen. Die grösste Tiefe haben allerdings seine Lyrics.

Schon beim ersten Song – The Bridge – besingt er die Selbstmordabsichten eines Mannes, der alles verloren hat. Dabei spielt er gekonnt mit Teilwiederholungen, um die Dramatik zu steigern. Der pointierte Einsatz des Pianos verstärkt die Wirkung noch zusätzlich und der Refrain hält die Spannung bis zum Schluss.

Now he’s standing on a bridge
He’s standing on a a bridge and is about to jump
He’s about to give up, to lose the last thing that he had
He’s standing on a bridge and is about to jump

Bei Cold Hearted tritt eine der Schwächen von Matteo leider deutlich zum Vorschein: Seine Aussprache englischer Wörter bedarf noch einiger Übung. Allerdings wird er das mit einem Vokal-Coach und einem eventuellen Sprachaufenthalt in England, Amerika oder Down Under sicherlich schnell in den Griff kriegen. Das vermindert aber keineswegs seine Kritik an den reichen Bonzen, die sich mehr für Statussymbole interessieren als für das Leid in der Welt. Kaltherzige Leute, denen ein neues Auto mehr wert ist, als das Leben eines Kindes.

Going Nowhere drückt Frustration und Hoffnung gleichermassen aus. Zum einen glaubt er nicht, dass er etwas erreichen wird, zum andern weiss er, dass er eines Tages sterben wird und hofft, zumindest ein paar Personen erreicht zu haben. Nihilismus und die Hoffnung, falsch zu liegen.

Die Thematik der Unbeständigkeit, des Willens, immer weiter zu kommen, setzt Matteo in Wanderlust um. Dabei geht es nur vordergründig ums Reisen; die eigentliche Reise findet im Kopf statt. Der Wunsch, immer weiter zu kommen.

My biggest nighmare would be
To sit alone at home
Closed doors
And no key

Das trifft sowohl auf Körper als auch auf Geist zu.

Eine Ode an das Selbstvertrauen, so könnte man Mountain charakterisieren. Das Erreichen seiner persönlichen Ziele, die Schwierigkeit, von dort weiter zu gehen, den Stolz, das erreicht zu haben, was man wollte und die Unsicherheit, wie es weitergehen soll. Denn auch wenn man am Ziel ist, gibt es immer noch die ungewisse Zukunft.

Um die Sonnenseiten des Lebens geht’s in We Are All Gonna Die. Dass es nichts bringt, sich über die schlechten Dinge, die einem geschehen, aufzuregen, sondern, dass man sich an den schönen Dingen, die einem passiert sind, erfreuen soll.

Was man beim Hören all dieser Zeilen oft vergisst, ist die Tatsache, dass Matteo gerade mal 17 Jahre ist und hier Lyrics liefert, die mehr Tiefgang beweisen, als die mancher Erwachsener. Manchmal schwingt noch etwas seine Jugend mit, doch genau wie wir wird Matteo nicht jünger, sondern erfahrener. Ich freue mich auf die Songtexte, die er mit 20 oder 25 veröffentlichen wird.

Egal was auch geschieht, eines ist sicher, Matteo geht bestimmt nicht nirgendwo hin.

Release
11. Dezember 2015

Label
self published

Tracklist
01 – The Bridge
02 – Cold Hearted
03 – Going Nowhere
04 – Wanderlust
05 – Mountain
06 – We Are All Gonna Die