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Trotz Verletzung: Marilyn Manson rockt die Samsung Hall

Trotz seiner Verletzung lieferte der Schockrocker Marilyn Manson in der Samsung Hall eine beeindruckende Show ab.

Nach dem Bühnenunfall im Oktober, bei dem ein Bühnenbild in Form von zwei grossen Pistolen auf den Schockrocker krachten, musste Marilyn Manson einige Konzerte absagen. Umso glücklicher waren die Fans, als sie hörten, dass Manson die Europatournee trotz Verletzung antritt. Das eingebundene Bein und den verstauchten Knöchel schienen Manson zwar zu nerven, aber er freute sich dennoch ehrlich, in Zürich auftreten zu können. So lieferte in der Samsung Hall eine beeindruckende Show ab.

Auftakt mit DJane Amazonica

Ein DJ – besser gesagt eine DJane – als Vorband einzuladen, sorgte beim Publikum für reichlich Skepsis. Viele Leute warteten lieber noch draussen, genehmigten sich noch ein Bierchen oder rauchten eine Zigarette.

DJane Amazonica hat aber überrascht: Zugegeben, anfänglich haben die elektrischen Töne irritiert, aber als sie anfing, Klassiker von Metal-Bands wie Metallica, Cradle of Filth oder Nine Inch Nails drunter zu mischen, kam Stimmung auf.

DJane Amazonica ganz in ihrem Element. Bild: Natascha Dittli

DJane Amazonica schien ganz in ihrem Element, sie mischte, marschierte hinter dem DJ Pult auf und ab, betonte einzelne Textpassagen mit einer Handbewegung, als würde sie die Texte singen oder rappen, und untermalte Gitarrensolos mit Hüpfen oder Headbangen. Sie beendete ihre Performance mit einem Knall und anhaltendem Störgeräusch und rauschte begeistert von der Bühne.

Manson im Rollstuhl

Nachdem das Bühnenbild gewechselt wurde und die Soundeinstellungen angepasst, verdunkelte sich die Samsung Hall erneut. Die Musik wechselte und Lacrimosa von Mozart erklang. Danach Totenstille – und hinter dem schwarzen Vorhang sah man eine Silhouette. Manson begann das Konzert mit seiner unverwechselbaren Stimme und einem Schrei, der die ganze Halle aufrüttelte. Der Vorhang fiel und zum Vorschein kam ein skurril geschminkter Manson in einem Rollstuhl, einem Thron, einem Gefährt, welches die Form eines Sarges hatte und es ihm erlaubte hin und her zu wackeln.

Sein Bein war eingebunden und er erzählte später, dass ihn dieser Unfall echt nervte und er nicht sicher war, ob er die Show heute machen kann. Aber er liebe die Schweiz und das Schweizer Publikum. Und das, obwohl er hier nur merkwürdige Erfahrungen gemacht habe. Das erste Mal in der Schweiz wurde er zu einem Vierer eingeladen, durfte jedoch nicht mitmachen und als er es versuchte, geriet er in eine Prügelei. Das zweite Mal in der Schweiz sei er als Antichrist bezeichnet worden und von militanten Christen beschimpft worden.

Hin und her wackeln ging. Bild: Natascha Dittli

Zum Glück schienen diese militanten Christen an diesem Donnerstagabend was besseres zu tun zu haben, als das Konzert in der Samsung Hall zu stören. So konnte Manson ungestört das tun, was er am besten kann: Gute Musik! Dabei bediente er sich an so vielen Klassikern aus seinen letzten Alben, dass man hätte meinen können, er spiele hier für eine Best-of-CD und nicht auf einem Live Konzert für sein neues Album. Die Schmerzmittel scheinen Manson gut zu bekommen.

Motiviert und lebendig

Die Auftritte von Marilyn Manson waren seit jeher entweder bombastisch gut oder furchtbar enttäuschend. Je nachdem, was er sich vor dem Auftritt so alles reingezogen hatte und wie seine mentale Verfassung bei den Konzerten jeweils war.

An jenem Abend, schien er motiviert und lebendig zu sein, er pöbelte niemanden aus dem Publikum an und vergass auch keine Textpassagen. Ganz im Gegenteil: Er erhob sich in einer kleinen Zwischenpause aus seinem Stuhl und sang ein paar Songs im Stehen, abgestützt durch den Mikrofonständer und einer Beinstütze. Auf den ersten Blick sah die Stütze, wie ein Piratenbein aus, jedoch ist man sich Groteskes bei einem Manson-Konzert schon gewohnt.

Etwas später liess er sich auf einer Tragbarre nieder und schmetterte dort sitzend und liegend weiter Lieder. Unterstützt wurde er dabei nicht von seinen Bandmitglieder, sondern von zwei in Chirurgenklamotten gekleideten Statisten, die ihm auf halfen und dafür sorgten, dass er das Bein und seinen Knöchel ein wenig schonte.

Bild: Natascha Dittli

Licht und Ton waren grandios

Das Konzert war sehr gut abgemischt. Nicht zu laut, so dass die Stimme nicht ständig übersteuerte. Doch so laut, dass einem der Bass durch den ganzen Körper fuhr. Auch der Lichttechniker leistete an dem Abend hervorragende Arbeit. So wurde zartes Blau eingespielt bei sanften Liedern und aggressives Rot und Stobo-Blitze bei schnelleren Songs. Genau so sollte Licht und Ton bei einem Konzert wirken: unterstützend und nicht störend.

Das Konzert endete nach etwa neunzig Minuten und einer Zugabe. Etwas knapp, wenn man jedoch bedenkt, wie angeschlagen der Schockrocker war, vielleicht auch vernünftiger. Dennoch sei gesagt, dass das Konzert mitunter eines seiner Besten in den letzten Jahren in der Schweiz war. Er arbeitete gut mit dem Bühnenmaterial und hampelte nicht ständig auf der Bühne herum, sondern konzentrierte sich. Er sorgte mit seiner Stimme für eine bombastische Stimmung. Manson riss sogar die Leute aus den oberen Reihen – auf den Sitzplätzen – auf die Beine.

Besser verletzt?

Die kritischen Kommentare zwischen den Songs und die Themen in seinen Songs erweckten ein überwältigendes Gefühl, welches durch die ganze Menge ging. Vielleicht muss ein Marilyn Manson, der mittlerweile eben auch schon fast fünfzig ist, nicht mehr auf einer Bühne umher hüpfen. Vielleicht tat ihm die Ruhe, die er durch seinen verletzten Knöchel erdulden muss, im Endeffekt sogar ganz gut.

Selbstverständlich wünscht man keinem Menschen einen gebrochenen oder verstauchten Knöchel. Aber lieferte Manson an diesem Abend mit Verletzung ein weitaus besseres Konzert ab als letztes Mal.