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Rund vier Jahre haben sich die Zürcher Oberländer von Manolo Panic Zeit gelassen, bis sie ihr Debütalbum fertiggestellt haben. Haben sich die Experimente – auf diversen Demos, Singles und EPs veröffentlicht – der letzten Jahre ausgezahlt?

Manolo Panic – Helpless And Strange (zVg)

Manolo Panic – Helpless And Strange (zVg)

sax. Wenn man eine Band fast seit ihren Anfangstagen kennt, freut man sich doppelt, wenn das langersehnte Erstlingswerk endlich seine Kreise im CD-Player dreht. Schon vor über drei Jahren, als ich zum ersten Mal mit Manolo Panic in Kontakt kam, konnte mich das Quartett überzeugen. Solider Indie-Rock von begeisterten Musikern, verbunden mit einer Vorahnung, dass da noch einiges dahinter stecken könnte – so war mein erster Eindruck.
Auch wenn Helpless And Strange ihr Debütalbum darstellt, haben Manolo Panic schon einige EPs rausgebracht und konnten sich auch einen Deal mit deepdive music ergattern. Einem Label, dass ein sicheres Händchen für «Up and coming Artists» zu haben scheint, konnten sie doch auch BAUM und Undiscovered Soul unter Vertrag nehmen.

Mit dreizehn Songs legen die Zürcher Oberländer gerade bei einem Debütalbum kräftig vor und auch nach mehrmaligem Durchhören der Scheibe wirkt keiner der Tracks als Füllmaterial. Im Vergleich zu den vorangegangenen EPs kommt Helpless and Strange sehr erwachsen daher. Im Normalfall erwartet man von einem Debütalbum noch eine gewisse Suche nach dem Stil der Band, doch Manolo Panic geht hier einen ganz anderen Weg. Sie offerieren Songs in diversen Stilrichtungen, nicht ohne jedoch einen klaren Soundstempel auf die Tracks  zu setzen. So divers die einzelnen Lieder auch sind, nie überkommt einem das Gefühl, dass die Band nicht wusste, was sie tat, als sie diesen Song eingespielt hat. Vielmehr kriegt der engstirnige Musikkritiker, der gerne alles in eine einfache Schublade stecken möchte, knallhart eins auf die Zwölf. Manolo Panic schaffen es problemlos sphärische Klänge mit Folkmelodien und Bluesbeats zu einem gelungenen Ganzen zu verschmelzen.

So beginnt das Album bewusst mit einem klassischen Indie-Rock-Song A Melody to Soften the News, der von der Tiefe der Lyrics her jedem Singer/Songwriter gut zu Gesicht stehen würde. Wortspielereien, verpackt in eine eingängige Melodie, bilden eine der Grundlagen für den Manolo Panic-Sound. Seasoned Noise zeigt eine andere musikalische Facette des Quartetts auf. Der Videoclip passt in Tempo  und Bildsprache herrlich zur sphärischen Qualität des Songs.

Das ewige Thema der Liebe wird auch von Manolo Panic immer wieder aufgegriffen. So handelt Confessions vom Dilemma, einen Freund/Freundin mehr zu lieben, als man ihm/ihr gegenüber aussprechen kann. Und auch die erste Singleauskopplung Helpless And Strange spielt mit diesem Thema in Form eines One Night Stands während Loveless Age sich mit dem Single-Leben befasst.

Interessant sind die Folk-Einschläge bei Tiny Robots, welche eine erfrischende Abwechslung in den Klang des Albums bringen und von Blues-Einflüssen bei Down By The Water nahtlos abgelöst werden. Auch wenn die Songs sich stilistisch immer wieder abwechseln, sorgt nicht zuletzt die rau-warme Stimme von Ramon Margharitis dafür, dass sich die Scheibe wie aus einem Guss anhört. Laura Freis Bass liefert eine solide Grundlage und eröffnet auch gerne mal einen Song, während Janick Zumhofens Gitarre die Tracks antreibt und immer wieder mit interessanten Effekten den Sound spannend gestaltet. Und hinter allen prügelt Michael Fiedler den Rhythmus aus dem Schlagzeug, ohne aufdringlich zu wirken. Die vielen Auftritte in kleinen Clubs haben wohl geholfen, die einzelnen Instrumente sauber aufeinander abzustimmen.

Das grenzgeniale Video zu Tiny Robots gibt’s übrigens hier zu sehen: Tiny Robots Website. Viel Spass beim Spielen.

Zum Ende der Rezension und des Albums noch ein Anspieltipp: Worlds Apart. Ich hoffe, dies wird die nächste Singleauskopplung, denn in meinen Augen ist dies einer der stärksten Tracks, den Manolo Panic je veröffentlicht haben.
Man hört dem Album die harte Arbeit der letzten Jahre an, aber noch viel wichtiger, man hört ihm auch die unbändige Spielfreude der vier Musiker an. Eine ganz klare Kaufempfehlung für alle Indie-Rockfreunde.

 

Release:
31. 1. 2014

Label:
deepdive records

Tracklist:
01 – A Melody to Soften the News
02 – Drenched in Lust
03 – Seasoned Noise
04 – Confessions
05 – Social Butterfly
06 – Merry Go Round
07 – Helpless and Stange
08 – Loveless Age
09 – Tiny Robots
10 – Down By the Water
11 – The Place
12 – Death Cat and Beauty
13 – World Apart