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Ein Tag an der Manga Comic Con ist vor allem drei Dinge: sehr bunt, sehr laut und sehr niedlich. Negative Whit- Reporterin Tatjana hat’s ausprobiert. 

Als die Strassenbahn in den Leipziger Trambahnhof einfuhr, zog gerade ein recht verloren aussehender Howl, der Held aus dem Ghibli-Klassiker Das wandelnde Schloss, einen grossen Koffer über den Bürgersteig. Seine goldgelbe Perücke wirkte übertrieben künstlich im rötlichen Morgenlicht. Nicht eingeweihten Passanten musste er ganz seltsam anmuten. Ich wusste: Howl ist ein Cosplayer und unterwegs zur «Manga Comic Con» an der Leipziger Buchmesse, die am Donnerstag 17. März ihre Pforten für Besucher öffnete.

Genau dort wollte auch ich meinen Tag verbringen!

Am Donnerstag seien fast nur Schulklassen hier, erzählt mir die hilfsbereite Dame an der Information kurz nach meiner Ankunft. Donnerstag sei der ruhigste der vier Tage, auch Cosplayer sieht man heute nur sehr wenige, der grosse Ansturm beginne erst am Freitag. Also war Donnerstag der perfekte Tag um alles auszuprobieren, was mich in dem regenbogenfarbenen Gewimmel der «Manga Comic Con» besonders strahlend anlachte.

Und da war viel! So viel, dass jeder unvorbereitete Besucher sich im ersten Moment wie erdrückt fühlen musste vom Gewicht tausender flauschiger Kuschelkatzen und farbiger Kimonos, die alle «Kauf mich!» riefen und nachhause mitgenommen werden wollten.

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Um nicht selbst den Kaufrausch zu verfallen erkundigte ich mich nach den Workshops des Tages. Auch dieses Jahr bot die «Manga Comic Con» an allen vier Tagen eine Auswahl von Kursen an. Beim Bonsai pflegen und Bento packen oder in Cosplay- und Zeichenateliers konnte sich jeder nach seinem Gusto kreativ austoben. Ein Angebot, das man sich auf jeden Fall ansehen sollte, zumal alle Kurse kostenlos sind.

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Am Donnerstag fand nur ein einziger Workshop statt, ein Zeichenkurs bei der Künstlerin Hummel, die fröhlich aus dem Nähkästchen plauderte und uns Tipps gab. «Zeichnen lernt jeder auf seine eigene Art. Bücher können vielleicht ein wenig helfen, aber was wirklich etwas bringt ist das man jeden Tag übt», sagt die Illustrationsstudentin, während sie aus Kringeln Haare formt. Sie selbst hätte immer ein Notizbuch dabei und zeichne zum Beispiel immer in der Bahn. «Kauf‘ dir am besten ein billiges Notizbuch, dann reut es dich weniger, wenn die Bilder am Anfang nicht gut sind», rät Hummel und gratuliert mir zu meinem Bild von einem Mischwesen aus Ziege und Fuchs.

Aus Hummels Erzählungen erfuhr ich, dass in Europa einer der beliebtesten Trends die Jagd nach Conhon-Einträgen sei. Ein Conhon ist ein leeres Büchlein, dass man sich von seinen Lieblingszeichnern mit Bildern füllen lassen konnte. «Diese Einträge sind das Individuellste was man von einem Zeichner bekommen kann, du sagst was du haben möchtest und die Zeichner malen das dann», erklärt Hummel. Je nachdem ob Skizze oder richtige Zeichnung, mit Farbe oder ohne variiert der Preis. Das Feuer war geweckt, ein Conhon musste her!

Ich begab mich zum kreativ Bereich der «Manga Comic Con». Dort reihen sich die Stände von verschiedensten Künstler aus ganz Deutschland aneinander. Ein wunderschönes kreatives Ducheinander, an dem man sich kaum satt sehen konnte. Am Stand von perochii wurde ich fündig. Sie verkaufte leere Conhons, die sie selbst bemalte und war bereit mir ein hübsches rotes Büchlein mit dem Motiv meiner Wahl zu verzieren: Ein niedliches, teetrinkendes Mädchen mit Häschenmütze.

Während ich auf die Vollendung meines Kunstwerks wartete streifte ich um die Tische, machte bei einer Stempelsammelaktion mit, bei der man über zwanig verschiedenen Künstler besuchen musste und erstand viele kleine Kostbarkeiten in Form von Postkarten, Stickern und Bildchen. Viele der Künstler waren zum ersten Mal Aussteller an einer so grossen Messe, kaum einer machte das hauptberuflich, aber gerade deswegen mit besonders viel Herzblut. So auch die beiden Ladies von Pushcart, die auf der Messe ihren ersten Manga Remembering Gale verkauften. «Mit Kunst Geld verdienen ist schwer», sagen die beiden, «aber ohne Kunst leben ist noch schwerer. Also arbeiten wir und machen Kunst nebenbei.»

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An fast jedem Stand gab es eine Tombola, bei der man für einen oder zwei Euro ein Los bekam. Künstlerin Kusù erklärte mir das so: «So können die Messebesucher für wenig Geld viele Dinge von ihren Lieblingskünstlern bekommen. Das lohnt sich für alle!» Denn jedes Los ist mindestens ein kleiner Gewinn, hat aber die Chance auf einen grossen.

Auch Merilliah & Malice Artworks, den Organisatorinnen der Stempelaktion mit der ich meinen Nachmittag verbrachte, standen mir Rede und Antwort. «Dieses Jahr wurden an der Buchmesse die Künstlerstände ausgelost. Wir finden das die fairste Art, so bekommen auch unbekanntere Künstler die Chance gesehen zu werden.» Leider sei es so, dass die meisten Besucher sich im Vornherein eine Liste zusammenstellen, welche Künstler sie besuchen wollen. Das sind dann meistens die Bekanntesten, die anderen bekommen wenig Beachtung. «Mit der Stempelaktion wollen wir das durchbrechen und die Aufmerksamkeit auch auf andere Künstler lenken.»

Ich finde, das haben sie geschafft!

Bevor ich die Messe verlasse, drehe ich noch eine letzte Runde durch die Halle. Werfe einen Blick auf das Maid Café, wundere mich, dass ich nirgendwo Sushi finde und nehme stattdessen eine Packung Mochii mit auf den Heimweg.

Draussen ist geht bereits die Sonne unter und wirft herrliches Licht auf die Glaskuppel des Messegeländes als ich mich in eine vollkommen überfüllte S-Bahn quetsche.

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