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Für den Samstag war Regen angesagt – meine Stimmung war dementsprechend verhalten. Ich gehöre zu den Sonnenkinder, die auch bei 35° nicht schwitzen. Mal schauen wie der zweite Tag am Festi’neuch wird.

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Die Festival-Besucher lauschen den DJs am Strand und geniessen derweil eine hervorragende Aussicht. Foto: Tatjana Pürro

Kurz nach 16 Uhr waren wir bereits wieder auf dem Festgelände – nebst uns hat es noch einige weitere Nasen, die sich von Zelt zu Zelt lümmeln. Mit Gummistiefel und Regenjacke ausgestattet, sollte der Abend trocken über die Bühne gehen.

Zu meinem Glück sind die Food-Stände fertig gerüstet und warten auf ihre ersten Kunden. Einer davon bin ich – mit einem gefüllten Bauch voll Risotto wagen wir uns ans Konzert der Neuenburger Garden Portal. Die Stimmung, wenn man das so nennen kann, ist verhalten. Mir scheint es so, dass die Menschen zwar dort stehen, aber nicht richtig zuhören, sondern mehr dort verweilen, weil grad nichts anderes läuft und sie im Trockenen stehen wollen. Die Musik ist geschmeidig; ein wenig Pop, ein wenig Rock, man will fast sagen «zu lieb». Nach einer guten Stunde waren sie fertig. Plumps, schon wieder verfallen – wird ein Konzert sein, das ich vergessen werde.

Im Hauptzelt ertönen bereits die ersten Beats der französischen Rapper Bigflo & Oli. Das Hip-Hop Duo scheint in der Westschweiz bekannt zu sein. Das Publikum begrüsst die beiden unter tosendem Applaus. Die Brüder bringen frischen Wind ins Festivalgelände. Mit ihren witzigen Pointen zwischendurch und diversen Battle-Einlagen wird das Publikum gekonnt einbezogen. Dazwischen forderten sie die Leute auf eine Art Gang in der Mitte des Zeltes zu formen. Sobald dieser stand, performten sie ihren Song in der Menge.

Wieder auf der Bühne angekommen, griffen sie zur Trompete oder dem E-Drum – auch das beherrschten beide ausgezeichnet. Ein weiteres Highlight der Show war WaWad – ein französischer Beatboxer, welcher das Beatboxing echt im Griff hatte. Zeitweise dachte ich mir, für was soll man Beats am Computer kreieren wenn man das kann? Hört sich echt genial an! Nach einer Stunde hiess es au revoir et merci.

Quartier Bon Son sorgten mit ihrem dreistimmigen Rap mächtig für Stimmung. Foto: Sandro Schmutz.

Quartier Bon Son sorgten mit ihrem dreistimmigen Rap mächtig für Stimmung. Foto: Sandro Schmutz.

Je später der Abend wurde, desto mehr zeigte sich die Sonne. Einzig die Pfützen erinnerten an das kalte Nass vom Himmel. Auf der freistehenden Bühne «La Marée» spielten die nächsten Neuenburger, Quartier Bon Son. Ein weiterer Hip-Hop Act der gute Laune verbreitet.

Mein Magen knurrte bereits wieder. Diesmal gab es einen Hot-Dog und eine kurze Pause bei den Bierbänken. Plötzlich leerte sich das Festzelt, Grund daran war Lilly Wood & The Prick und ihr Song Prayer in C. Dieser Track lief vor zwei Jahren auf und ab, zumindest der Remix von Robin Schulz. Auch hier herrschte erneut eine ausgelassene Stimmung. Die Songs an und für sich fand ich nicht berauschend.

Auf meine absolutes Festi’neuch-Highlight musste ich noch ein wenig warten – Geduld, eine Stärke von mir. Um 21.30 Uhr heizte Odezenne das «La Lacustre» Zelt ein. Ein junges Publikum dankte es ihnen mit grossen Handbwegungen und nickenden Köpfen.

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Lead Sänger von Odezenne auf der Lacruste Stage. Foto: Sandro Schmutz

Um 22.30 Uhr war es dann endlich soweit. Fertig Rap français, hello Electro-Swing! Den österreichische DJ und Produzent Parov Stelar entdeckte ich 2010 mit dem Song Catgroove. Umso mehr freute ich mich ihn nun endlich mal live zu sehen. Das Zelt war rappel voll und die Leute in Partylaune. Die Sängerin Cleo Panther schwingt ihr Hüfte hin und her und das auf übelst hohen High Heels. Die Trompeter, das Saxophon, die Beats, es passte alles hervorragend zusammen. Nebst den typischen Eletrco-Swing Klängen gab es gelegentlich auch härtere Beats welche die Leute aufschreien liess – sie wollten Party machen. Um Mitternacht war das Spektakel vorbei und ich muss gestehen, es war echt cool, aber meine Electro-Swing Zeiten sind wohl oder übel doch vorbei.

Mein Fazit von Tag zwei? Ein herrlich schönes Festival, mit vielen Food-Ständen und einem perfekten Line-Up für Westschweizer, Franzosen und all jene welche die französische Sprache mögen.