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Die Schweiz ist ohne jeden Zweifel ein kleines Land und entsprechend seltener sind grosse Talente in der kleinen Bevölkerung zu finden. Dennoch trifft man immer mal wieder auf Künstler, die einfach das gewisse Etwas besitzen. Einer dieser Künstler war am 10. November im Zürcher Exil zu Gast.

Atmosphärische Dichte neu definiert – BAUM im Exil (Sacha Saxer)

Atmosphärische Dichte neu definiert – BAUM im Exil (Foto: Sacha Saxer)

BAUM nennt sich die Truppe um Christoph Baumgartner – ganz bescheiden, wie auch ihr Auftreten. Dahinter versteckt sich jedoch einer der besten Singer/Songwriter, den die Schweiz in den letzten Jahren auf die Welt losgelassen hat. Hierzulande noch eher unbekannt, verwenden diverse amerikanische TV-Station seine Songs schon für ihre Produktionen und auch in der Werbebranche wird gerne auf die Stücke des sympathischen Baslers zurückgegriffen. So wird im nächsten Jahr eine Krankenkasse mit einem Song von BAUM Werbung für sich machen. Christoph witzelte noch, dass sie dafür den wohl falschesten Song überhaupt ausgewählt hätten – Couldn’t hurt you more – doch möglicherweise spielt die Krankenkasse ja auch nur auf ihre exorbitanten Prämien an, womit das Lied ja schon fast passender nicht mehr sein könnte.

Das Exil ist ein gemütlicher Club in Zürich, nahe dem Kino Abaton, und bis jetzt kann ich aus persönlicher Erfahrung vor allem eines sagen: Noch nie wurde ich vom Klang der Musik im Exil negativ überrascht. Jedes einzelne Konzert war immer 1A abgemischt – der Tontechniker macht echt eine super Arbeit. Wären doch nur an allen Konzerten Mischer von dieser Kompetenz am Werk. Neben der guten Soundqualität fällt auch die schon fast rustikal anmutende Bar mit ihrem Holzwerk auf. Man kann sagen, was man will, Holz wirkt einfach gemütlich. So liess sich die Stunde zwischen Einlass und Konzertbeginn auch in einem schönen Ambiente verbringen.

Als BAUM dann endlich die Bühne betraten – manche Bands brauchen einfach keine Supportacts und BAUM gehört ganz klar dazu – machte sich schon bald Gänsehautfeeling im Publikum breit. Wer ein Rockkonzert mit Moshpit und was weiss ich was allem erwartet hatte, wurde sicherlich enttäuscht, doch diese Klientel war an jenem Abend im Exil nicht auszumachen. Die Songs von Christoph sind ruhig, melodiös und tiefgründig. Sie gehen unter die Haut und BAUM lassen den Songs die nötige Präsenz um ihre Wirkung voll zu entfachen. Es gibt keine grosse Bühnenshow, keine oberflächlichen Lichteffekte. Vielmehr ist ein BAUM-Konzert eine Reduktion aufs Maximum. Die Musik steht absolut im Mittelpunkt und die Band überlässt ihr gerne das Rampenlicht.

Selten durfte ich ein Konzert mit einer solchen Intensität erleben. Wenn man mehrmals im Blickfang des Frontmanns steht, sich mehrfach dieser intime Moment, den es nur bei direktem Blickkontakt gibt, einstellt, wird man auf eine Weise berührt, die man nicht mehr in Worte fassen kann. Der Rahmen des kleinen Clubs sorgte weiter dafür, dass die Atmosphäre des Konzerts sich grundsätzlich viel persönlicher gestaltet und das Publikum stärker ins Gefüge der Musik mit eingebunden wird. Keine noch so geniale Lightshow kann  den direkten Einbezug mittels Blickkontakt auch nur annähernd wettmachen. Machmal ist weniger wirklich mehr. Dieser Abend war das perfekte Beispiel dafür.

Was macht eigentlich den Sound, die Musik von BAUM aus? Auf der einen Seite stehen hier superbes Songwriting (Die Lyrics zum aktuellen Album Music for my landlord können übrigens auf ihrer Homepage eingesehen werden.) und dezente Melodien ohne Angst zu Improvisationen wie Geigenbogen an Gitarren oder Xylophon. Gepaart mit der sanften Stimme von Christoph, in der immer ein wenig Melancholie mitschwingt, ergibt dies eine wunderschöne Klangwelt, in die man gerne einsinkt und sich darin verliert.

Dass Christoph sich nicht im Rampenlicht sonnen will, zeigte sich schon alleine darin, dass er seine Band (Marc Hemantha Hufschmid an Drums/Percussion, Simon Winiger am Piano/Gitarre/Trompete/Vocals, Marcel Vogler an Vibraphone/Percussion/Vocals und Marco Blöchlinger am Bass) nicht einmal, sondern gleich zweimal vorstellte. Und keiner der Musiker wollte sich zu sehr ins Zentrum rücken, dieses gehörte für einmal einzig und allein der Musik. Das einzige, was man dem Konzert ankreiden könnte, ist, dass es irgendwann zu Ende ging. Aber passender hätte der Abschlusssong nicht gewählt werden können: Bloody goodbye. Zusammen mit We should be dancing war er Bestandteil der Zugabe. Wie besser als mit den zwei stärksten Songs des Albums hätte BAUM den Abend ausklingen lassen können? Zurückgeblieben sind glückliche Menschen mit der Erinnerung an einen mehr als herrlichen Abend, der sich hoffentlich bald einmal wiederholen wird. In der Zwischenzeit bleibt das Warten aufs nächste Album, das im Frühling nächsten Jahres auf den Markt kommen sollte.

Eines ist sicher: Von BAUM hat man nicht zum letzten Mal gehört!

 

Fotos: Sacha Saxer