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Am 28. Oktober luden die AVO session Basel zu einer Kreuzfahrt ein. Und da so eine Kreuzfahrt nicht so kurz ist, standen gleich drei grosse Künstler auf der Bühne. Nick Lowe und Mavis Staples teilten sich den ersten Showblock, während der zweite Teil des Abends von The Steve Miller Band akustisch untermalt wurde.

Der gut gelaunte Singer/Songwriter Nick Lowe eröffnete den Abend mit einem Lächeln auf den Lippen und einer Gitarre in den Händen. Mehr brauchte er dann auch nicht, um den Saal mit seinen wunderbaren Songs zu füllen. Music in the nude – nach der gestrigen Technikschlacht von Herbie Hancock eine willkommene Abwechslung. Nick sang von alten Songs aus seiner Anfangszeit, bei denen der Rock’n’Roll immer wieder spürbar zum Vorschein kam, über sehr gefühlvolle Blues-Balladen bis zu den neueren Stücken, die einen deutlichen Einfluss von Country-Musik aufweisen. Er kündigte seine Songs zu Beginn seines Sets mit den Worten: “I’ve got some Songs for you. Some you might know, some you might not – but I hope you’ll like them.” an. Und falls man sie nicht möge, sei es ein Glück, dass sie nur zwei bis drei Minuten dauern. Da müsse man nicht zu lange leiden. Leiden musste aber sicher niemand. Die Lieder zeichneten sich durch ausgezeichnetes Songwriting und eingängige Melodien aus. Besonders Lately I’ve Let Things Slide und House For Sale waren sehr ergreifend. Gerade bei letzterem war eine glaubwürdige Traurigkeit zu spüren – ein totaler Kontrapunkt zu seinem fröhlichen Auftreten.

In einer der kürzesten Umbaupausen, die ich bisher erleben durfte, bedankte sich der OK-Präsident Matthias Müller dann auch zu Recht bei den 220 Mitarbeitern, dank denen alles reibungslos klappte, bevor er eine Ikone der Musikgeschichte ankündigte. Ein kleiner Chor und drei Musiker standen Mavis Staples zur Seite, doch die quirlige 73jährige stellte mit ihrer gewaltigen Stimme alle in den Schatten. Ihre Musik kontrastierte mit den oft melancholischen Songs von Nick Lowe – fröhlicher Gospel, der aus tiefstem Herzen kam. Da diese Art von Musik nie genügend Stimmen haben kann, kam Mr. Lowe für zwei Songs nochmals auf die Bühne und überstütze Mavis und ihre Band nach Kräften. Untermalt wurde die Musik mit einem stimmungsvollen aber dezenten Licht- und Farbenspiel. Die Lichttechniker haben an diesem Abend sehr gute Arbeit geleistet.
Den Auftritt von Mavis Staples adäquat in Worte zu fassen, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Man muss im Saal sein, um diese Energie zu spüren. Die Dame verfügt über eine kraftvolle Stimme, die man auch noch bis ganz hinten im Saal hören kann, auch wenn sie gerade über einen Meter vom Mikrofon entfernt mit dem Bassisten tanzt.

Nach der Pause wurde es lauter an der AVO session Basel. The Steve Miller Band kam für einen ihrer seltenen Gigs ausserhalb der Staaten in die Schweiz – ein exklusiver Abend war somit garantiert. Die Amerikaner liessen dann auch nichts anbrennen und legten mit Jungle Love auch gleich einen fulminanten Start hin. Davon, dass die Herren schon etwas in die Jahre gekommen sind, zeugten einzig die weissen Haare von Steve Miller. Bassist Kenny Lee Lewis und Gitarrist Jacob Petersen warfen sich in Pose und spielten mit-/gegeneinander, als wären sie noch in ihren 20ern. Musik hält jung, das konnte man an diesem Abend nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Publikum feststellen. Genauso, dass gute Laune ansteckend ist.

Steve bedankte sich mit den Worten: “Here’s some magic for you” bei Herrn Avo, dem Hauptsponsor und Namensgeber der AVO session Basel für die Zigarren, die er geschenkt bekommen hatte. Und mit Abracadabra kam sprang der Funke dann auch endgültig aufs Publikum über. Gesanglich unterstützte Sonny Charles die Band mit seiner bluesigen, warmen Stimme. Sonny konnte einfach nicht still stehen und tanzte den ganzen Abend über die Bühne, animierte die Besucher und war mit einer der Gründe, dass der Auftritt nie langweilig wurde. Miller bewies, dass er Gitarre spielen kann, wie es sich für einen Schüler von Les Paul gehört. Auch bei diesem Auftritt war die Lightshow wieder zum grössten Teil sehr dezent aber atmosphärisch.

Bei ein paar Solonummern, die Steve auf der akustischen Gitarre spielte, unterstützte der herrliche Live-Videoschnitt mit sanften Überblendungen von CloseUps der Hände oder des Gesichts mit Aufnahmen aus dem Saal und verlieh dem ruhigen Song so eine passende visuelle Komponente. Die beiden Leinwände links und rechts der Bühne ermöglichten allen Gästen immer einen Blick auf die Bühne und sorgten während den Wartezeiten vor den jeweiligen Auftritten mit einem Rückblick auf jeweils ein Konzert einer vergangenen AVO session für Abwechslung.

Songs wie Living In The USA oder Fly Like An Eagle zeigten, dass die Musik der 70er auch heute noch funktioniert und irgendwie wirkten die Funk-Einschläge dieser Songs wieder herrlich erfrischend, ganz besonders beim unglaublichen Keyboard-Solo von Joseph Wooten.
Auch eine Steve Miller Band ist nicht vor technischen Problemen gefeit, das durfte Kenny erfahren, als sein Bass plötzlich keinen Ton mehr von sich geben wollte. Als sein Roadie nicht sofort reagierte, durfte dieser dies dann sprichwörtlich ausbaden, als Kenny ihm eine (offene) Bierdose nachwarf. Die kleine Panne tat der Stimmung allerdings keinen Abbruch und bei den letzten drei Songs – Rock’n Me, Space Cowboy und The Joker – war an ein Sitzenbleiben nicht mehr zu denken.

Abracadabra, der Blues Cruise hat definitiv keinen Schiffbruch erlitten. Melancholie, Freude und purer Rock – alles war vertreten an diesem Abend.