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Am Sonntagabend durften die Besucher des Hallenstadions in die mystische Welt von Within Temptation eintauchen und sich verzaubern lassen. Jedoch fehlte für das perfekte Märchen ein klitzekleiner Hauch mehr Spannung.

Umjubelt: Sharon den Adel von Within Temptation (Foto: Sacha Saxer)

Umjubelt: Sharon den Adel von Within Temptation (Foto: Sacha Saxer)

Die Schweizer Band Lunatica eröffnete den Abend mit ihrer tristen Show. Obwohl der Bass sogar auf den Sitzplätzen vibrierte, gingen die Vibes nicht aufs Publikum über. Die Show war völlig lasch; oder besser gesagt, gar nicht vorhanden. Möglich, dass der Vollmond, der draussen in aller Pracht schien, die Band negativ beeinflusste. Die Band ist grundsätzlich ganz erträglich anzuhören, sehr melodiös, mal rockig, dann wieder melancholisch, zeitweilig auch hart, aber insgesamt fehlte das gewisse Etwas.

Mit Sharon wurde es märchenhaft schön und heiss

Mit Within Temptation folgte der krasse Gegensatz, was das Bühnenkonzept anbelangte. Mit einem wunderschönen Bühnenbild, welches aus zwei Drachen, dem Screen für die Video Clips und diversen schicken Accessoires  bestand, liess die Band das Publikum schnell in ihre Märchenwelt eintauchen. Einzig die paar Flämmchen, welche zeitweilen unpassend aus den Rohren gepufft kamen, hätten die Pyrotechniker weglassen können. Sharon sorgte mit ihren heissen Bewegungen und Outfits, welche sie mehrmals wechselte, ja sowieso für genug Hitze.

Musikalisch liessen Within Temptation gleich zu Beginn den Drachen los. Mit kreischenden Gitarren und donnernden Bässen preschten sie mit dem Song Let Us Burn los. Wie bei vielen ihrer neuen Songs fing es gewaltig krachend an und flaute dann aber zunehmend ab. So gab es zumindest ein echtes Wechselbad der Gefühle von explosiver Gänsehaut bis zur kurzweiligen Langeweile.

Die neuen Songs haben ganz klar den opulenten Symphonic-Metal von früher verloren, und das neue Konzept ist einfach erklärt: Der leichtverdauliche Rock hat wenig Ecken und Kanten und kommt daher bei einem breiteren Publikum an. Was besonders auffiel: der extrem hohe Gesang von Sharon wurde bei den neuen Stücken in tiefere Lagen verlegt. Within Temptations Klangbild wurde durch verschiedene Einflüsse im Lauf ihrer Karriere erweitert, was grundsätzlich nichts Schlechtes bedeutet. Schöner wäre es aber, wenn sie einige Songs im Stil von früher beibehalten würden. So hätten sie manches Trällerliedchen mit einem wuchtigeren Song austauschen können, und der Auftritt wäre perfekt gewesen. Trotz des bisschens Wehmut kann man die Band aber nach wie vor hören, und die alten Hits müssen sie ja sowieso immer noch zum Besten geben.

Carpe Diem

Besonders spannend waren neben den epischen Oberkrachern wie Angels oder Jillian auch die Duette, welche ebenfalls zahlreich auf Hydra zu finden sind. Die Parts von Tarja Turunen, Howard Jones, Xzibit und Co. wurden dabei bemerkenswert gut eingespielt, aber ersetzten natürlich niemals ein echtes Duell auf der Bühne.
Die Stimmung verlief wie das Konzert wellenförmig. Die Publikumsinteraktion  war seitens der Band eher mager und daher ebbte die Euphorie im Publikum immer wieder ab. Was von oben wieder einmal sehr auffällig war waren die vielen Ich-geh-für-meine-Friendlist-ans-Konzert-Zuschauer. Statt Feuerzeugen sah man ein Lichtermeer aus Handyscreens. Sehr schade, wenn vorne ein Künstler aus Fleisch und Blut live performt und man permanent einen Youtube-Blick auf das Geschehen hat. Das gäbe es auch günstiger und einfacher.

Gelohnt hat sich die live Märchenstunde auf jeden Fall. „Carpe diem“, wie Sharon meinte. Für den Sonntagabend: Check.