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Die Hardcore Rocker von Lower Than Atlantis geben sich auf ihrem fünften Album «Safe In Sound» noch einmal einiges zugänglicher als bereits auf dessen Vorgänger. Haben sich die Engländer vom Label zähmen lassen?

 Angefangen 2008 als unzähmbare Haudrauf-Truppe mit der EP Bretton und hartem Melodic Hardcore, haben sich Lower Than Atlantis über die Jahre hinweg ihren Platz im grossspurigen Hardcore Zirkus erklommen. Ihr letztes selbstbetiteltes Album von 2015 zeigte dann aber klar den Bruch mit dem Sound von anno dazumal: Die Engländer klangen schon da einiges gesetzter und somit auch zugänglicher. Ob Segen oder Fluch liegt hierbei bei den musikalischen Vorlieben des Betrachters, beziehungsweise des Hörers.

Mit ihrem neusten Album Safe In Sound, welches die Band mit Dan Lancaster (Blink 182, Bring Me The Horizon) erarbeitet und aufgenommen hat, gehen Lower Than Atlantis nochmals einen Schritt weiter und haben mit Tracks wie Boomerang oder Money auf einmal handzahme Pop-Hymnen auf ihrer Scheibe, die sich sogar auf manchen «gemässigten» Radio-Sender für den durchschnittlichen Musik-Konsumenten verirren werden. Mit Sony Music als Vertrieb im Rücken ist dies nur eine Frage der Zeit – doch man mag es den vier Jungs auch gönnen. Nicht alles, was auf einmal gross und gewissermassen zugänglich klingt, ist gleichzeitig schlecht. Aber lassen wir doch Sänger Mike Duce ein paar Worte darüber verlieren:

«Wir sind immer noch wild und wütend. Aber wir haben mit dem neuen Album einen Weg gefunden diese Aggressivität so zu vermitteln, dass wir mehr Menschen erreichen und diese uns auch verstehen.»

Auch auf dem Album Lower Than Atlantis, das zwei Jahre zurück liegt, zeigte die Band mit Liedern wie Words Don’t Come Easily, dass sie auch ruhiger und sanfter können. Obwohl dann doch meistens jedes Lied in ausschwärmenden Gitarren-Riffs und hämmernden Drums endet, so kleinlich wollen sich die Engländer dann doch nicht geben.

Auch die Tracks des neuen Album zeigen ähnlichen Aufbau: I Would und Could Be Worse beginnen gemächlich und klingen ordentlich poppig, bauen sich dann aber mehr und mehr zum Rock-Schmetterer auf. Dieses Schema wiederholt sich innerhalb der zehn Stücke umfassenden Scheibe ein wenig zu viel.

Auch wenn das Post Hardcore Quartett dies mit wuchtigen Fausthieben wie Had Enough oder Work For It auszugleichen versucht, die dann hingegen von vorne bis hinten nur dröhnen und lärmen. Ein guter Mittelweg wäre angesagt – schliesslich haben sich die Vier seit ihren Anfängen auch entwickelt, meint Frontmann Mike:

«Als wir unsere ersten Platten aufnahmen und tourten, waren wir sehr sehr jung. Wir hatten wirklich keine Ahnung, was wir da taten und lernten aus unseren Fehlern. Das Touren damals lernte uns eine Menge davon, was wir heute wissen. Wir machen immer noch Fehler, aber eben nicht so viele.»

Auf jeden Fall ist Safe In Sound ziemlich ganzheitlich, gross und vor allem Hörer-freundlich herausgekommen. Schliesslich gilt es mit dem fünften Alben endgültig das Treppchen zu anderen Grössen wie Biffy Clyro, Fall Out Boy oder You Me At Six hoch zu steigen. Und ganz über Leichen gehen die Mike Duce und seine Weggefährten dann doch nicht: Auch Liebhaber früherer Alben und Fans der ersten Stunde werden sich in dem neusten Wurf von Lower Than Atlantis wiederfinden. Wie eben auch so ziemlich jeder, der vielleicht noch gar nichts von diesen Herren aus Watford, Herefordshire zu hören bekommen hat.

Nachdem sie mit dem Vorgänger bereits grosse Festival-Bühnen wie das Reading oder Leeds bespielten sowie ausverkaufte UK-Tourneen im Sack haben, wird man auch 2017 so einiges Grosses erwarten dürfen:

«Wir werden in diesem Jahr viel in Europa sein. Wir lieben es hier und werden im Sommer hoffentlich an an einigen Festivals anzutreffen sein.»

Safe In Sound

3
/5
3. Februar 2017

Release

Easy Life Records

Label

Tracklist

  1. Had Enough
  2. Dumb
  3. Long Time Coming
  4. Boomerang
  5. Work For It
  6. Could Be Worse
  7. I Would
  8. Money
  9. I Don't Want To Be Here Anymore
  10. A Night To Forget