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Es gibt Künstler, die man einfach nicht mit den gängigen Mitteln fassen kann. Løwentsåhn Hølunder gehören dazu. Wenn man die Truppe musikalisch einordnen möchte, dann bleibt man wohl an den Schubladen Minimal, Elektro und Postpunk hängen, und das passt auch zu der ausgeflippten Gruppe.

Artikel 2015-07-06 Lowentsahn-Holunder_Minimal-Wave Artikelbild

Ihr Demoalbum umfasst elf Titel, die trotz minimaler Untermalung die Tanzbeine kreisen zu lassen.  Das nicht ganz ernstgemeinte Spiel mit der skandinavischen Schreibweise zieht sich durch das komplette Album. So wird jedes a in den Titeln der Liedern als å (gesprochen als o) verwendet ohne jedoch auch nur die geringste Nähe zu nordischen Wörtern zu haben.

Aber natürlich fallen Vergleich zu anderen Postpunk-Werken kurz. Løwentsåhn Hølunder bewegen sich in einer komplett andern Realität. Gleich beim Opener Mikrømål führt die Truppe, bestehend aus Matti Kalkūlen, Dåni Køksen, Låsse Kømmen und Katjushka from Nowaja Semlja, vor, was sie unter Minimal-Wave verstehen. Ein simpler, eingängiger elektronischer Beat, der erst nach und nach mit einer Bass-Line ergänzt wird und bis fast zur Hälfte des Songs komplett auf Lyrics verzichtet. Die eingesetzten Sample verleihen dem Song dennoch genügend Tiefe, um ihn interessant genug zu machen, ihn mehrmals hören zu wollen. Ein gelungenes Experiment zum Start.

Ob Kommerzkritik bei Selle Røyål, unverhüllte Kritik am Umgang der Gesellschaft mit Leuten, die «anders» sind bei Åsøziål oder vor Ironie triefende «Verherrlichung» von Nationalsozialismus bei Nåtiønål, Løwentsåhn Hølunder spielen vortrefflich mit Worten und schaffen es, ihre Inhalte mit wenigen Worten rüberzubringen. Minimal eben. Aber nur, was die Form betrifft…

Besonders erfrischend ist der Track Jåmmertål mit seinem Rockabilly-Beat. Trotz dem durch sie selber gesetzten engen Soundrahmen vermag das Quartett immer wieder zu überraschen. Hier wird die künstlerische Freiheit, eigene Grenzen zu überschreiben, ohne sich dabei untreu zu werden, wunderbar umgesetzt. Es wäre schön, wenn mehr Bands dies hin und wieder wagen würden.
Die meisten Songs sind in englischer Sprache geschrieben, aber Re-Hør-Sål (Der Konzertpianist) trumpft mit deutschen Lyrics auf, die hervorragend mit der Klangwelt der Band harmonieren.

Der einzige Kritikpunkt, dem man der Scheibe vorwerfen kann, ist, dass sich die Lyrics teilweise in den einzelnen Liedern wiederholen. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass es sich hierbei «nur» um ein Demo der Band handelt, eine Sammlung von Songs aus den letzten fünf Jahren. Das Potential ist klar ersichtlich und ich persönlich freue mich auf das Debütalbum der Kölner. Ihre Nonchalance, ihr Tongue-in-Cheek Humor – schon ihr Bandname ist ein Seitenhieb auf Lebanon Hannover – und ihre unbändige Spielfreude alleine sind ein Garant für gute Stimmung. Die Welt braucht mehr solcher Musik. Selten hab ich soviel Spass mit einer Scheibe gehabt, wie mit dieser Demo-CD.

Die Demo ist übrigens nur in einer limitierten Stückzahl an ihren Konzerten zu kaufen. Und bei 100 Stück dürften die bald weg sein und sich zu schönen Sammlerstücken entwickeln.

Release:
April 2015

Label:
Self published

Tracklist:
01 – Mikrømål
02 – Selle Røyål
03 – Rustikål
04 – Åsøziål
05 – Mårginål
06 – Jåmmertål
07 – Re-Hør-Sål
08 – Fåk-Ju-Ål
09 – Psykøseksuål
10 – Nåtiønål
11 – Åbdøminål