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Von wegen, Metal ist tot. Immer wieder melden sich neue Bands mit ihren Silberigen zu Wort und auch in der Schweiz wird’s in diesem Bereich nie ganz ruhig. So meldet sich Lotrify aus Baden mit ihrer EP «Light Passes, Shadow Remains» und will euch was um die Ohren geben.

Lotrify – Light Passes, Shadow Remains (zVg)

Lotrify – Light Passes, Shadow Remains (zVg)

sax. Die Badener Kombo Lotrify zeichnet sich vor allem durch gutes und abwechslungsreiches Gitarrenspiel  und den mehrheitlich klaren Gesang von Sacha Walker aus. Stilistisch irgendwo im Spannungsfeld von Melodic Metal anzusiedeln. Light Passes, Shadow Remains macht vieles richtig, zeigt das Potential der Band auf, wirft aber gleichzeitig auch die Frage auf, wo sich die Band eigentlich sieht.

Eine EP ist zu wenig, um eine Band klar einzuordnen. Darum belass ich es bei der Bandeigenen Einschätzung als Melodic Metal, die nach den sechs Songs auch ganz passend zu sein scheint. Musikalisch gibt es nicht viel zu meckern, die Saitenarbeit ist grossartig und auch das Schlagzeug bringt den Rhythmus überzeugend in die Tracks. Einzig beim Gesang kommt immer mal wieder die Frage auf, ob sich die Band hier nicht etwas zu viel vorgenommen hat. Die klaren Vocals sitzen herrlich, aber bei den Growls und Screams ist noch etwas Arbeit nötig. Die Ansätze sind da, aber es fehlt noch der letzte Schliff. Aber genau dafür sind EPs ja auch da. Die musikalische Version von einem Beta-Test.

Aber jetzt genug der Motzerei, hören wir mal in die einzelnen Songs rein: Den Anfang mach Collateral Damage. Klingt martialisch, eröffnet aber erst mal mit einem satten Gitarrensolo, das Lust auf mehr macht. Mit Sachas Gesang wird der Sound ambitiöser und vielfältiger, auch die Growls passen gut ins Gesamtkonzept. Einstieg gelungen, ab zum nächsten Song.
Ressurection kracht herrlich rein, eine Gitarrenwand, wie sie auch bei Judas Priest nicht fehl am Platz gewesen wäre. Leider funktioniert das Screaming nicht im gleichen Ausmasse. Ist schade, killt den Song aber zum Glück nicht. Die treibenden Gitarren bilden das Kernstück von Killing the Inner Fire und auch der Gesang funktioniert zusammen – und der Sprechgesang gibt dem Track eine neue Dimension.

Mit End of the Line spielen Lotrify mit dem Metal der 90er Jahre, mit starkem Fokus auf Sprechgesang in den Strophen, ohne jedoch den klaren Gesang im Refrain zu vernachlässigen. Auch hier wieder, musikalisch einwandfrei gespielt, auch wenn ein wenig Experimentierfreudigkeit an dieser Stelle ganz gut gepasst hätte. Split the Pit ist solider Bolzstoff, ohne Überraschungen, dafür mit solider Doublebase von Sergey Belyavskiy an den Drums.

Den Abschluss bildet Avenging Your Betrayal und gerade hier werden sich wohl die Geister scheiden. Musikalisch eines der besten Stück auf der EP, zeigt es aber im Bereich des Songwriting massive Schwächen auf. Will sich Lotrify an die 14–16-jährigen Jugendlichen wenden oder doch eher an den erwachsenen Metalhead? Musikalisch sind sie bei letzteren gut aufgehoben, die Lyrics hingegen sind eher pubertär.

Die EP Light Passes, Shadow Remains ist eine Gratwanderung, die manchmal geglückt, manchmal eher verunglückt ist. Generell fühlt es sich so an, als ob die Band mehr abbeissen wollten, als sie zur Zeit schlucken können. Aber irgendwie hat auch gerade dieses junge, ungestüme seinen Reiz und reinhören lohnt sich für Freunde härterer Musik auf jeden Fall. Ich bleibe gespannt, was die Badener in Zukunft liefern werden.

Release:
13. 12. 2013

Label:
self published

Tracklist:
01 – Collateral Damage
02 – Resurrection
03 – Killing the Inner Fire
04 – End of the Line
05 – Split the Pit
06 – Avenging Your Betrayal