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Wir berichten für euch direkt vom M4Music Festival in Zürich. Spannende Panels und packende Konzerte warten. Hier seid ihr immer auf dem neusten Stand.

30.03.2015 – 15:55 Uhr

28.03.2015 – 20:05 Uhr

Am Samstag Nachmittag lockten wieder diverse Panels am M4Music. Zum Beispiel über die Radiolandschaft Schweiz. Das Thema war, wie viel Schweizer Musik das Radio verträgt. Zu Gast waren Andreas Ryser, Musiker und Präsident von IndieSuisse, Balthasar Glättli, grüner Nationalrat und Präsident der Swiss Music Awards, Jürg Bachmann vom Verband Schweizer Privatradios, Michael Schuler, Leiter Musikredaktion SRF und zu guter letzt Samuel Mumenthaler vom Bakom.

Um das Thema greifbarer zu machen, hielt Christoph Trummer vom Verein Musikschaffende Schweiz ein Einstiegsreferat. Darin war zu hören, dass dank einer Charta mit dem SRF der Anteil Schweizer Musik seit 2004 um neun Prozent gesteigert werden konnte. 2013 waren es 20 Prozent. Bei den Privaten ist der Anteil Schweizer Musik bei etwa neun Prozent. Auf Unikom-Radios wurde nicht weiter eingegangen.

Es wurden die oft gehörten Phrasen wiederholt. Die Musiker wollten mehr Schweizer Musik, das SRF zeigte sich als Mittelweg zu den Privatradios und die Privatradios versuchten ihre Position zu verteidigen. Dazu Bachmann: «Wir spielen auch aktuelle Musik aus der Schweiz wie Stress oder Baschi.»

Es ging ein ungläubiges Raunen im Moods herum. Es fiel im Bezug auf die Privatradios auch der Begriff Angsthasen-Radio – sie würden sich nicht trauen, etwas Neues zu probieren. Oftmals wurde auch Frankreich erwähnt. Das Land westlich der Schweiz kennt eine Quotenregelung. Dadurch wird die einheimische Musikindustrie gefördet. Zu einem wirklichen Ergebnis kam die Runde aber nicht. Es blieb bei den eingangs erwähnten, schon oft gehörten Punkten.

Dazu ein Besucher: «Das habe ich alles schon hundert Mal gehört.» Ergebnisse gab es aber keine. Doch Balthasar Glättli gab ein schönes Schlusswort zur Diskussion über Schweizer Musik im Radio: «Ich sag das jetzt als Linker und Grüner: Wir brauchen mehr Nationalstolz!» Vielleicht ist das die Lösung für mehr Schweizer Musik im Schweizer Radio.

«Hug Cares About Music»

Nach dem eher enttäuschenden Panel kam «Hug Cares About Music» als Nachfolger für «Rotwein mit Renner». Das Konzept ist einfach erklärt: Fünf Gäste, alle mit einer Schallplatte aus der Jugend. Der Moderator Hannes Hug brachte Electric Light Orchestra mit. Die Kolumnistin und Slam-Poetin Hazel Brugger kam mit Pink Floyd ans M4Music. Der Rapper Skor brachte die Rap-Legenden Wu-Tang-Clan auf den Plattenteller. André Luth präsentierte Heaven 17, benannt nach der Bar in Clockwork Orange und der Migros-Magazin-Kolumnist Bänz Friedli brachte eine «Jugendsünde-Platte» von Neil Diamond mit.

Das Gespräch war sehr unterhaltsam und das Konzept sollte unbedingt nachgemacht werden. Jeder der fünf Leute konnte ein Lied auswählen, dem konzentriert zugehört wurde. Vor und nach dem Song wurde das Verhältnis zur Band aufgearbeitet. So war Friedlis erklärtes Ziel, sich mit Neil Diamond zu versöhnen. Das gelang und so sei den Lesern mitgegeben: Probiert es auch! Trefft euch mit Freunden, jeder nimmt ein Album mit und sprecht über eure Beziehung zur Musik. Es wird lustig, garantiert.

28.03.2015 – 16:00 Uhr

Welche Macht haben Daten? Und wozu braucht es Daten im Musikbusiness?

Antworten auf die Fragen gab es am Panel «Die Macht der Daten», organisiert von Petzi, dem Verband der Schweizer Musikclubs. Mit auf dem Podium im Moods sass Arne Dee vom europäischen Dachverband Live DMA European Network. Er zeigt anhand der Daten einige spannende Tatsachen in der europäischen Clublandschaft auf.

Bei den erhobenen Daten handelt es sich um Angaben aus Umfragen, die Live DMA seinen Mitgliedern stellte. Zum Teil ging es um ganz unspektakuläre Dinge wie die Kapazität des Clubs oder die Anzahl Besucher pro Musikveranstaltung.

Spannender war hingegen die Tatsache, dass die Clubs vor allem dank freiwilliger Arbeit überleben. 76% der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Allerdings erledigen die bezahlten Angestellten 75% der Arbeit. So gleicht sich die Rechnung wieder etwas aus.

Im Durchschnitt betragen die Einnahmen jeder Venue rund eine Million Euro. Allerdings belaufen sich auch die Ausgaben auf rund 950 000 Euro. Viel bleibt also nicht mehr übrig.

Tickets decken das Booking nicht

Schaut man sich die prozentuale Verteilung der Einnahmen an, ergibt sich ebenfalls ein spannendes Bild:

38% kommen aus Subventionen, weitere 38% sind andere Einnahmen (vor allem Barbetrieb) und die restlichen 24% werden durch Ticketverkäufe erzielt.

Bemerkenswert ist allerdings, dass ganze 34% der Ausgaben für das Programm draufgehen, sprich Gagen, Catering und ähnliches. Die Ticketverkäufe decken also die Kosten für eine Band bei weitem nicht.

Im Zuge der Finanzkrise von 2008 litten auch die Clubs: sinkende Besucherzahlen, weniger Konsumationen, steigende Preise. Dieser Umstand hatte auch Einfluss auf das Booking. Agenturen und Promotoren stellen in einer solchen Situation ein «sicheres» Programm zusammen. Also eines, das eine gewisse Resonanz beim Publikum erzeugt und Einnahmen generiert. Darunter leiden Newcomer, die beim Booking ein gewisses Risiko bergen.

28.03.2015 – 15:35 Uhr

Um 19:15 ging es dann wirklich los. Auf der Showcase Stage vor dem Exil spielte die Luzerner Band Gaia. Es war definitiv ein Highlight. Die vier Luzerner Jungs spielen elektronische Tanzmusik. Das liest sich jetzt relativ belanglos, aber das tolle an der Band: Sie spielen die Musik mit zwei Schlagzeugen und zwei Synthies. Plus Gesang. Endlich Raven zu echten Leuten.

Doch das Konzert hatte ein grosses Manko. Es war zu früh. Mit einem Döner in der Hand zu raven, also während des Abendessens zu tanzen, dass ist schon ein spezielles Konzept. So wurde leider das Pulver von Gaia zu früh verschossen und eine ausgelassene Feierstimmung kam nicht auf.

Deathcore und Tumbleweed

Im Exil selber spielte eine weitere Schweizer Band um acht Uhr. Deathcore aus Nyon mit dem Namen Conjonctive (dt. Bindehaut). Die Band gewann letztes Jahr die Demotape Clinic in der Sparte Rock, dementsprechend durfte man etwas Gutes erwarten. Und so war es auch. Obwohl das Exil so leer war, dass man den Wind pfeifen hören konnte und Tumbleweed vorbei trieb, gab die Band alles.

Spannend ist insbesondere die Gesangsbesetzung. Der Mann Randy und die Frau Sonia geben ein geniales Bild ab. Randy ist gross, langhaarig und breit. Sonia hingegen klein und fein. Diese beiden Sänger spazierten auf der Bühne umher und sorgten für Stimmung. Eine sehr gelungene Kombo. Und da das Exil doch ziemlich leer war, besetzte sich das singende Duo einfach den Platz zwischen Bühne und Publikum. Die anderen vier Musiker spielten die Stücke präzise und gut, amüsant waren auch die Choreographien. Conjonctive ist ein absolutes Muss für alle Metal-Interessierte. Was für eine Live-Energie!

Eine Runde Hip-Hop

Zur selben Zeit spielten Lo & Leduc. Das ist die Schweizer Band im Moment. Sie spielten ihre Musik kompetent, sorgten für Stimmung und der eine rappte Freestyle. Für Freunde Schweizer Pop-Hop (eine Wortkreation zwischen Hip-Hop und Pop) definitiv ein super Konzert. Dafür sprach schon alleine, dass der grosse Saal zum bersten voll war.

Und um neun gab Schweizer Hip-Hop zuhören. Wider ein Luzerner Auftritt, und zwar von Mimiks. 2014 hatte der Künstler sein erstes Album «VodkaZombieRambogang» veröffentlicht, das sogleich auf Platz eins der Schweizer Charts flog. Im Exil war er anwesend mit seinem DJ sowie einem Back-up-Rapper. Das Konzert fing schon mal genial an. Zehn Minuten lang legte der DJ auf, machte Stimmung mit Phrasen wie «Züri, seid ihr bereit?» Nach den zehn Minuten kam dann Mimiks mit Anhang. Diese Einstellung des keinen Fick-Geben und die Leute warten lassen – sehr authentisch.

Mimiks rappte gut, seine Technik ist definitiv beeindruckend. Die Stimmung war ganz gut, aber es war merkbar, dass die Leute nicht nur wegen Mimiks gekommen waren. Bei einem Anlass mit nur Fans wäre die Stimmung wahrscheinlich noch explosiver gewesen. Aber alles in allem ein gutes Rap-Konzert am M4Music.

Keine Ecken, keine Kanten

Etwas später spielte die Bündner Band From Kid. Der Saal war rappelvoll. Mag man die Musik, dann war es wohl ein super Konzert. Aber als Blind-Konzertgänger, also ohne musikalisches Vorwissen, war From Kid nicht sonderlich toll. Die Animationen im Hintergrund waren schön, auch die Laternen auf der Bühne hatten ihren Charme.
Aber leider fehlt es der Band an Ecken und Kanten. Das gewisse Etwas ist bei dieser Band verloren gegangen. Man darf hoffen, dass mit dem Alter einige Macken der Musiker zum Vorschein kommen, die der Musik einen nicht-perfekten Drall geben. Für das Level der Band wäre es zu Schade, würden sie für immer so weichgespült bleiben.

Und damit ist alles Wichtige gesagt. Der erste Abend M4Music war gelungen, die kleinen und feinen Bands überzeugten wie letztes Jahr mehr. Alles in allem waren die Bands gut ausgewählt. Nur kann man sich fragen, wie es kommt, dass ein Singer-Songwriter wie Stu Larsen nach den elektronischen Tanzmusikern Gaia spielen durfte. Aber das wissen wohl nur die Veranstalter.

Die Besucher des M4Music

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27.03.2015 – 17:55 Uhr

Session mit @stularsen Tags: #m4music #negativewhite #zurich #igerssuisse #afterlight #music #session #puls5 #singer   Ein von Negative White (@negativewhite) gepostetes Foto am 27. Mär 2015 um 8:13 Uhr

Ankommen am M4Music war heute nicht einfach. Ohne einen Pressepass wird die Berichterstattung schwer. Zum Glück gibt es die Social Media wie Instagram und Twitter, wo wir uns doch noch einigermassen bemühen konnten. Ausserdem sind die Panels ja sowieso kostenlos, so fuck that shit. Rund 50 Bands zeigen dieses Jahr ihr Können. Von Pop-Rock über Metal zu Hip-Hop ist einiges zu sehen und zu hören. Zusätzlich finden rund zwanzig Veranstaltungen zu Themen rund um die Musikbranche in der Schweiz statt. Kulturförderung, Radiolandschaft Schweiz und Musikkritik. Es bleibt wenig übrig als die Veranstaltung «The Grill – Schweizer Musik kritisch getestet» zu besuchen. Vor Ort waren Bahar Tozman von BTM Management Hamburg, Jean Zuber von Swiss Music Export, der Journalist Jens Balzer aus Berlin sowie Yann Cherix vom «Züritipp». Den ersten drei genannten wurden jeweils Schweizer Bands vorgestellt. Zuerst ein Ausschnitt aus einem Video, dann Gespräch, dann nochmals ein zweiter Song und dann wieder Gespräch. Besprochen wurden Bands mit einem gewissen Renommee wie Kadebostany, Yokko, Klaus Johann Grobe oder PutsMarie. Das Ganze wäre wenig aufregend gewesen, wäre nicht Jens Balzer da gewesen. Balzer zu Yokko: «Hört sich an wie Coldplay von der Ecke.» Bahar Tozman drückte sich weniger extrem aus, aber auch zu dieser Band wurde nicht viel gutes gesagt. Weil es so schön war, nochmals ein Zitat von Balzer zum einen Video:

Klaus Johann Grobe schnitt das besser ab. Balzer: «Sie mischen verschiedene Dinge wie Kraut-Rock, 70er-Jahre Video-Ästhetik und diesen poppigen Synthie.» Die Mischung würde funktionieren, so der Tenor der gesamten Runde. Am Ende bleibt zu sagen, dass die Runde, abgesehen von Jens Balzer, ziemlich zahm ausfiel. Tozman drückte sich weniger krass aus, Jean Zuber hingegen liess sich in keinster Weise zu einer interessanten Aussage hinreissen. Das Panel war in Ordnung, aber nicht wirklich herausragend. Es bleibt zu hoffen, dass das Niveau noch gesteigert wird. Also realisierten wir erst mal eine Video-Session mit Stu Larsen:

Um 17 Uhr war dann klar, dass der Redaktionleiter Janosch Tröhler auch sein silbernes Bändchen ums Handgelenk gewickelt bekommt. Der Tag ist gerettet und wir machen weiter.