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Bahnhöfe und Einkaufszentren könnte man als das Epizentrum von Menschenbeben beschreiben. Das Individuum hat ein bestimmtes Ziel, so beispielsweise rechtzeitig aufs Perron zu gelangen, schnell den Bus zu erreichen oder seine Nahrungsmittel einzukaufen. Es werden ihm bei diesen Vorhaben allerdings Hindernisse in den Weg gelegt, und sie haben einen Namen: Rolltreppen (und Menschen).

Krist Novoselic hat’s schon 1991 auf den Punkt gebracht:

Jesse W. Reno, was hast du dir überlegt? Hast du gedacht, die Menschheit wird den eigentlichen Zweck wirklich erkennen? Laut Definition hat eine Rolltreppe die Existenzberechtigung, für die «Beförderung von Personen in einer höheren Geschwindigkeit als Schrittgeschwindigkeit und mit weniger Muskelkraft» geschaffen zu sein.
Leider wird die Rolltreppe heutzutage eher von wortwörtlichen Müssiggängern belagert. Das ungeschriebene Gesetz, sich auf der Rolltreppe schneller, und nicht genauso schnell wie der Sportliche auf der Treppe nebenan, fortzubewegen, gilt meist nicht. Man stellt sich gerne in die Mitte der rollenden Treppenstufen, und blockiert somit die moralisch versierten Benutzer, welche den Grundsatz des Fortbewegens einhalten möchten.

Laziness at its best

Doch damit nicht genug: Es scheint, als ob Rolltreppenfahren eine gemütliche Tätigkeit ist, von der man sich nur ungern losreisst. Des Öfteren gibt’s am Ende dieser technischen Erfindung einen Menschenstau, da die Muskeln in dem Fall der Benutzung erneut aktiviert werden müssen, was eine gewisse Aufwärmphase voraussetzt. Oder man trifft nach Abstieg gerade den Lebenspartner oder einen guten Freund, eine gute Freundin, die man seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gesehen hat. Da muss man natürlich anhalten und «Hallo» sagen. Dass die Rolltreppenfahrenden in solch einem Moment um ihr Leben bangen und das Dunkle am Ende der Fahrt schon vor Augen haben, das ist dem kommunikativen, glücklichen, sich am Knotenpunkt befindenden Menschen herzlich egal. Doch uns nicht!

Die Technik, welche weder gut noch böse ist, ist ohne Bezug zur Moral. Die Moral steckt nicht in dem Hammer, sondern in dem Menschen, der ihn führt. Die Technik bedarf einer moralischen Instanz, welche eine Kontrolle über ihre Anwendung zum Nutzen des Menschen ausübt.Peter Bamm

Immerhin gibt es in einigen Läden diese Fussabdrücke, die den Menschen darauf hinweisen sollen, wo man steht, und wo man geht. Es existiert die Legitimation zu stehen, doch auf der richtigen Seite, nämlich rechts. Hält sich der Mensch daran? Nach einer nicht repräsentativen Feldstudie meinerseits komme ich zu dem Schluss: Nein, tut er nicht.

Die Lösung

Wer möglichst schnell in einen Laden hinein, aus einem Laden hinaus, auf ein Perron gelangen, von einem Perron die nächste Verbindung erwischen will, nehme die Treppe.
Man trainiert die Beinmuskeln, erlangt Kondition, kann die Rolltreppensteher zynisch belächeln und überholen, und erhöht die Chance, sein Ziel rechtzeitig zu erreichen. Und man schont dabei auch noch die Nerven.