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Im Rahmen ihrer Dark Legacy Tour machten Lacuna Coil am 23. November Halt im Z7 und boten einen abwechslungsreichen Rückblick durch ihr bisheriges Schaffen.

Christina Scabbia und Andrea Ferro in ihrem Element (Sacha Saxer)

Cristina Scabbia und Andrea Ferro in ihrem Element (Sacha Saxer)

 

sax. Nach zwei Festivalauftritten, am WGT in Leipzig und am Earshakerday in Basel, stand der Mailänder Metalexport nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr vor meiner Linse und dies endlich in einer Headliner-Show. War die Akustik im Kohlrabizirkus zu Leipzig zum Fürchten (oder Davonlaufen, was bestimmt nicht wenige auch gemacht haben) und die Setlist in Basel bedingt durchs grosse Rahmenprogramm sehr kurz, mussten sich Cristina Scabbia und Andrea Ferro in Pratteln nicht zurückhalten und konnten aus allen Rohren feuern.

Eröffnet wurde der Abend von This Is She, einer amerikanischen Rockband aus Los Angeles, die auch gleichzeitig ihr erstes Konzert in der Schweiz gaben. Die Band hatte mit etwas, nun ja, subotimalen Soundeinstellungen zu kämpfen und stand dann auch noch vor dem gewohnt überschwänglichen Schweizer Publikum – ein ziemlich hartes Los. Doch Alana Grace liess sich dadurch nicht beirren und liess keine Gelegenheit aus, dem Publikum den Namen der Band näher zu bringen. Die Mischung aus Elektro und Rock sorgte irgendwie für ein 80er Retro-Feeling und ich bin sicher nicht der einzige, der sich nächstes Jahr nach ihrem Debutalbum umsehen wird. Davon, dass Sängerin Alana nicht nur auf der Bühne eine gute Figur machte, konnte man sich nach dem Konzert am Merchandisestand überzeugen. Die komplette Band signierte EPs und Tshirts, stand für Fotos mit Fans bereit und war für ein kurzes Gespräch zu haben. Alana hat dabei sicherlich mehr als ein Herz gebrochen – das Mädel ist wirklich süss und ich freue mich schon darauf, mehr von den Kaliforniern zu hören.

Doch schlussendlich sind die Besucher nur für eine Band nach Pratteln gepilgert: Lacuna Coil. Italiens bekanntester Metal-Export startete etwas sehr routiniert ins Programm, was ihnen jedoch verziehen werden kann, wenn man bedenkt, dass die Tour am Sonntag vorbeit ist. Der Eindruck kann natürlich auch täuschen, schliesslich hab ich die Mailänder dieses Jahr schon zum dritten Mal gesehen – langweilig werden sie mir deswegen allerdings noch lange nicht.
Das Wechselspiel zwischen Sängerin Cristina Scabbia und Sänger Andrea Ferro erzeugt noch immer die Spannung, für die Lacuna Coil Konzerte bekannt sind. Durch diesen Duopol hebt sich die Band von den meisten anderen Gruppen ab und bietet den Italienern die Möglichkeit, die Bühnenarbeit besser aufzuteilen, was sie sich dann auch geschickt zu nutze machen.Cristina und Andrea teilen sich die Bühne, wechseln sich im Rampenlicht ab und bieten dem Rest der Band Möglichkeiten, sich zu profilieren. Man merkt, dass hier ein eingespieltes Team am Werk ist.

Nach einem ersten, vor allem durch härtere Stücke geprägten Teil, zog sich die Band kurz zurück, um sich in lockere Klamotten zu werfen und überraschte im zweiten Teil des Abends mit einer längeren akustischen Einlage. Nach den ganzen Riffs waren die sanften Klänge der akustischen Gitarren sehr willkommen und das ganze Konzert nahm eine neue Dimension an. Plötzlich wurde alles viel persönlicher, emotionaler, ergreifender. Lacuna Coil haben damit das Konzert aus der grossen Masse der “Ja, war ganz OK”-Konzerte in die “Da hast du echt was verpasst”-Kategorie gehievt und einmal mehr gezeigt, dass die sympathischen Mailänder zu Recht der Metal-Knaller von Italien sind.

Mit gut zwei Stunden Spielzeit sagten Lacuna Coil allen Besuchern Danke für ihre jahrelange Unterstützung und sorgten auch gleichzeitig dafür, dass sich alle schon auf ihre nächste Tour freuen würden. Auch wenn der Auftritt im ehemaligen Rohstofflager in Zürich wohl unerreicht bleiben wird – alleine schon wegen der Einlage der Supportband Poison Black, die während dem Auftritt von Lacuna Coil verkleidet als Cristina auf der Bühne auftauchten (in weissem Hemd mit schwarzer Krawatte und Müllbeutel als Ersatz für den schwarzen Mini von Cristina) und der Sängerin alles abforderten, als sie gegen einen Lachanfall ankämpfend, tapfer den Song zu Ende sang.
Auch diesen Freitag lieferten Lacuna Coil wieder mehr ab, was man von ihnen erwartete, was mittlerweile nicht mehr so ohne weiteres zu bewerkstelligen ist. Ich freu mich auf die nächste Show – Headliner oder Festivalgast. Enttäuscht wurde ich bisher noch nie.

 

Fotos: Sacha Saxer