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Der Schweizer Kinofilm «Der Kreis» feierte seine Uraufführung an der diesjährigen Berlinale, wo er gleich zwei Preise einheimste. Jetzt ist er auch in der Schweiz zu sehen.

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Liebe ist kein Verbrechen. (Foto: zvg/ASCOT ELITE Entertainment Group)

Ein Gastbeitrag von Linda Schweizer, tink.ch

Das Zürich der 1950er-Jahre – schick, international, ein bisschen konservativ – und mittendrin der junge, introvertierte Lehrer Ernst Ostertag. Getrieben von seinen wahren Gefühlen traut er sich, an einem Fest der Schwulenorganisation Der Kreis teilzunehmen. Dort trifft er auf den Travestie-Star Röbi Rapp – und verliebt sich unsterblich in ihn.
Der Kreis war während den 50er- und 60er-Jahren der Ort, an dem Homosexuelle frei ausleben konnten, was sie fühlten, ohne sich vor missbilligenden Blicken der Mitmenschen verstecken zu müssen. Regelmässig wurden dazu im Zürcher Neumarkt Theater gesellige Anlässe veranstaltet, zu denen oft Leute aus ganz Europa anreisten. Der Kreis war eine Untergrundorganisation, die Homosexuelle aus aller Welt vernetzte und so für ihre Anerkennung in der Gesellschaft kämpfte. Das wichtigste Werkzeug des Kreises war die gleichnamige Zeitschrift, die neben Bildern und Gedichten auch mit Publikationen über die Aktivitäten der Homosexuellen zum internationalen Austausch beitrug.
Nach einzelnen Morden im Schwulen-Milieu, verursacht durch männliche Prostituierte an den eigenen Kunden, begann eine regelrechte Hetzjagd auf alle Schwule. Die Zürcher Polizei führte vermehrt Razzien durch, Homosexuelle wurden diskriminiert und blossgestellt – Die Blütezeit des „Kreis“ nahm ein jähes Ende. Doch wie so viele Betroffene liessen sich auch Röbi und Ernst nicht unterkriegen und kämpften weiter für ihre Liebe.

Zusammenspiel von Fiktion und Realität

Der Kreis erzählt die wahre Geschichte der heute über 80-jährigen Männer Röbi Rapp und Ernst Ostertag. Die einzelnen Spielfilmszenen sind raffiniert mit Dokumentationsteilen verbunden, welche Zeitzeugen wie Röbi und Ernst erzählen lassen. Mit diesem Zusammenspiel von Fiktion und Realem gelingt es dem Zürcher Regisseur Stefan Haupt auf wunderbare Weise, den Zuschauer auf eine Reise mitzunehmen, die berührt. Eine Reise, die so schnell nicht vergessen geht – wird doch immerhin ein ganzes Stück Schweizer Geschichte aufgedeckt, von dem so mancher nichts wusste.

«Liebe ist kein Verbrechen» – der Slogan des Films ist zugleich der rote Faden, der sich durch die Geschichte zieht, und  zum Nachdenken anregt. Es mag heute in Zürich keine Hetzjagd auf Schwule mehr geben, aber auf der Suche nach Akzeptanz und grenzenloser Gleichberechtigung in der Gesellschaft sind Homosexuelle noch immer. So zeigt Der Kreis mit vergangenen Ereignissen auf, wie brandaktuell das Thema auch in unserer heutigen Gesellschaft noch ist.

Acht Jahre Fleiss und Geduld

Die beiden Hauptdarsteller Matthias Hungerbühler (als junger Ernst Ostertag) und Sven Schelker (als junger Röbi Rapp) harmonieren auf der Bildfläche und bringen  – als zwei heterosexuelle Männer – die tiefe Verbundenheit des Paares und den verzweifelten Kampf um Anerkennung und ihre Liebe überzeugend rüber. Für beide ist es der erste grosse Kinofilm. Auch die weiteren Rollen sind mit talentierten Schauspielern besetzt, darunter Marianne Sägebrecht als Mutter von Röbi und Anatole Taubman in der Rolle des Felix, einem Kreis-Mitglied.
Die Premierenfeier in Bern am 10. September wurde mit Standing Ovations und tobendem Applaus gekürt – verdient haben es sich Cast und Crew. Ganze acht Jahre haben Produzent Ivan Madeo und sein Team für die Realisierung des Films gekämpft, jetzt ist er da: Ab dem 18. September in allen Schweizer Kinos.

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