…doch das kümmert Rock und Metalfans herrzlich wenig, wenn Kultbands wie Motörhead oder Deep Purple nach Bern an die Metal Christmas und Rockin’ Christmas Festivals einladen. Neun Bands heizten am Freitag und Samstag tausenden Musikbegeisterten ein und sorgten für vorweihnachtliche – für Rockerverhältnisse versteht sich – Stimmung.

Mit einem bunten Mix aus Power Metal, dreckigem Rock’n’Roll und erdigem Heavy Metal startete das Metal Christmas Festival ins Wochenende. Mit der deutschen Power Metalkombo Powerwolf hat Taifun Music einen perfekten Opener gefunden, der genau das ablieferte, was man von ihm erwartete: Soliden Power Metal, bewusst etwas überspitzt, doch immer unterhaltsam und speziell genug, einen treuen Fanclub, der an jedes Konzert pilgert, an seiner Seite zu haben. Auch wenn sich zu der frühen Stunde noch eine eher überschaubare Anzahl von Besuchern vor der Bühne eingefunden hatten, vermochten die Wölfe es dennoch, gute Stimmung im Saal zu verbreiten. Ihre Texte mögen teilweise etwas unausgereift und banal erscheinen und spätestens bei Resurrection by Erection hatte man das Gefühl, dass sie darauf aspirierten, die nächste Vorband von Steel Panther zu werden. Nichtsdestotrotz kann man ihnen nicht absprechen, dass sie es verstehen, eine gute Show abzuliefern und das Publikum für die nachfolgenden Acts anzuheizen.

Als die mit vielen Vorschusslorbeeren versehen Epica die Bühne enterten, machte sich leider bald Ernüchterung breit. Simone Simons machte keinen besonders fitten Eindruck und vermochte ihre sonst übliche Stimmgewalt nicht ansatzweise rüber zu bringen. Was bliebt, war eine eindrückliche Show im Synchron-Headbanging, ohne den Zauber, den Epica üblicherweise verbreiteten. Schade.
Die Jungs von Edguy waren deutlich besser drauf und verbreiteten mit ihrem Karneval-Metal wieder gute Stimmung, auch wenn sie eher seichten Metal spielten. Immerhin vermochten sie die Flaute von Epica wieder rauszureissen und die Besucher auf die Hauptattraktion des Abends vorzubereiten.

Wer Motörhead einmal erlebt hat, weiss, was er von den Briten zu erwarten hat, und enttäuscht wird man dabei selten. Leider wird man auch selten überrascht bei einem Motörhead Gig. Zu eingefahren sind die Abläufe, zu wenig widmet sich Lemmy der Interaktion mit dem Publikum. Aber das sucht auch niemand mehr an einem Motörhead-Konzert. Sie liefern den dreckigen Rock’n’Roll, den alle von ihnen erwarten und das ohne Kompromisse.

Dass beim Abschlussact Saxon schon mehrere hundert Besucher die Halle verlassen hatten, war sicher keine Überraschung für die Band. Motörhead waren als Headliner angepriesen und entsprechend kamen die Fans. Wer sich jedoch noch im Saal hielt, der durfte Oldschool Heavy Metal der feinsten Art geniessen. Auch wenn die Herren schon etwas in die Jahre gekommen sind, lieferten sie eine fette Show ab und zeigten jedem, dass sie noch immer mit viel Freude musizieren. Ein würdiger Abschluss für einen durchaus gelungenen Abend, der sich aber im Vergleich zum Rock-Orkan, der sich am nächsten Tag bildete, als laues Lüftchen erwies.

Die alten Säcke können’s immer noch am besten

Das sollte jetzt nicht despektierlich erscheinen, sondern einfach zeigen, dass die Bands aus den 70er auch Heute noch einfach Weltklasse sind. Auch wenn sie nun fast allesamt im adretten friedhofsblond die Bühne stürmen, sind sie noch kein bisschen leise und verdammt, ich will in dem Alter auch noch so eine Energie haben. Da kann man echt neidisch werden. Aber beginnen wir beim Anfang:

Die Eröffnung des Abends fiel der Schweizer Rockband The Force in den Schoss und man merkte ihnen an, dass sie sich extrem geehrt fühlten, vor drei lebenden Legenden auftreten zu dürfen. Die Nervosität war allerdings völlig unbegründet, denn die Schweizer lieferten saubersten Rock’n’Roll im Stil der 70er Jahre ab, womit sie den Abend perfekt einleiteten. Ich würde jederzeit an ein Konzert der Jungs gehen, denn sie machten Laune und gute Musik.

Mit Manfred Mann’s Earth Band stand danach auch schon die erste Kultband auf der Bühne und sofort stieg die Stimmung im Saal weiter an – wenn auch nicht auf ein Niveau, dass die Band verdient hätte. Dazu braucht das Schweizer Publikum wohl immer etwas länger. Aber spätestens, als sich Mick Rogers auf Deutsch bedankte, dass sie hier spielen dürften, hatte er die Zuschauer in der Hand. Ihr Cover vom Bruce Springsteen Song For You hört sich auch heute noch modern an und liefert einen weiteren Beweis, dass Rock’n’Roll niemals sterben wird.
Als ich dann zwei kleine Kinder so im Alter von knapp zehn Jahren sah, die mit einem solchen Elan mitfeierten, konnte ich einfach nicht anders, als deren Vater zu fragen, ob wir die beiden nicht auf die Schultern nehmen sollten. Das Resultat waren zwei glückliche Kinder, die nun auch endlich alles sehen konnten und noch mehr mitrockten als vorher schon. Als Vater zweier Töchter weiss ich, wie viel das den Kindern bedeutet, und hier etwas aushelfen zu können, hat mir gleich nochmal etwas mehr Spass gemacht. Und davon mangelte es an diesem Abend nicht.

Uriah Heep hatten meine Erwartungen mit ihrem Auftritt im Spirgarten in Zürich dieses Jahr schon ziemlich in die Höhe geschraubt, doch was ich heute erleben durfte, war nochmals um Längen stärker. Wenn über 5500 Kehlen Lady in Black singen, dann ist das einfach Gänsehaut-Feeling pur. Und in der Zugabe ein halbes Dutzend Mädels auf die Bühne zu holen, die Free n’ Easy mit performen und das Durchschnittsalter mehr als zu halbieren, zeugt davon, dass Uriah Heep  auch wissen, dass der Rock nicht tot ist. Bernie Shaw meinte dann noch augenzwinkernd zu den Mädchen, dass sie den Auftritt wohl morgen auf YouTube sehen könnten.

Und dann standen auch schon Deep Purple auf der Bühne. Was soll man über die Band noch sagen? Sie sorgen für eine grandiose Stimmung ab dem ersten Ton, wussten mit genialen Soli zu überzeugen und wenn man dann Smoke on the Water von tausenden von Menschen gesungen hören darf… echt umwerfend und unbeschreiblich. Das Urgestein des Rocks hat sich keine Blösse gegeben und die Besucher zu Recht begeistert. Ein wunderschöner Auftakt in die Weihnachtszeit.

Was veranstaltungstechnisch beim nächsten Mal noch verbessert werden könnte, ist sicher die Raucher- und Klosituation. Für beide Bedürfnisse musste man sich durch die gleichen Türen quetschen und sich gleichzeitig dem Strom der Menschen, die ihr Bier schon entsorgt oder ihre Zigarette schon geraucht hatten, und wieder in die Halle wollten, entgegen stellen. Verschiedene Toilettenbereiche hätten hier sicherlich geholfen, selbst wenn es nur eine kleine ToiToi Siedlung vor der Halle gewesen wäre. Lieber kurz frieren als beinahe in die Hose machen, war der Tenor der meist männlichen Besucher.
Lobenswert waren die vielen Getränkestände und die Essensoasen sowie deren fairen Preise. Asiatische Küche auf der einen Seite, Pizza, Chnoblibrot oder Burger auf der andern Seite… es war für jeden etwas dabei – und lecker war’s auch noch. Meiner Meinung nach ein rundum gelungenes Festival, an dem ich auch nächstes Jahr gerne wieder dabei sein werde. So macht Weihnachten Spass.