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«Bärn söll brönne!», gröhlt der Protagonist in Juri Steinharts Spielfilmdebüt über die Leinwand und untermauert damit das Porträt «unserer» Jugendlichen, das uns aktuell in diversen Schweizer Kinos in «Lasst die Alten sterben» entgegen flimmert.

So wühlt sich Max Hubacher als Stereotypenteenie «Kevin» positionslos und aufmerksamkeitsheischend durch den vor sich her wabernden Social-Media-Sumpf, seinen Ritalinmantel enger ziehend. Und genau an diesem Sumpf wird Steinharts filmische Originalität erstmals deutlich, in dem er den Internethimmel, der sich über die konsumsüchtige Gesellschaft spannt, mittels überlagernden und unmöglich vollumfänglich erfassbaren Pop-Up-Meldungen inszeniert.

Kevin ist eine Diagnose!

Nachdem der diagnostizierte Kevin seine «kleinen Helferchen» eigenmächtig absetzt und ein Orientierungswunsch aus ihm herausbricht, stellt Steinhart dem farbüberladenen Eindruckskarussell das raue konkrete Punktum in kontrastreichem Schwarzweiss gegenüber – nicht zuletzt als Hommage an die Punkzeit der 1980er-Jahre, in der Zürich «gebrannt» hat.

Alle Klischees eines Punkdaseins werden abgespielt: Bier statt Prosecco, Hausbesetzung statt Stadtwohnung, türenloses Kommunenleben statt Privatuniversum – bis hin zu Krawallexzess statt Partyekstase. Neu wird alt und alt wird wieder in. Ganz nach dem Motto: Lasst die Alten sterben – LdAs!

Social-Media-Kevin in «Lasst die Alten Sterben». Bild: ldas.ch

Wow im Not-Wow

Es ist nicht so, dass man dem sich wieder erhellenden Kinosaal mit einem Wow-Gefühl entsteigt. Vielmehr wächst einem langsam ein Fragezeichen ins Gesicht und eine milde Enttäuschung über die Schweizer Kinoleistung macht sich in der Magengegend breit. Wieso hat mich der Film nicht vom Sockel gehauen? Er war doch eigentlich ganz gut gemacht! Aber – zum Dunnerwätter – was wollte er mir nur sagen?

«Der Film ist da, um sich darüber zu unterhalten und zu streiten»

Genau da setzt dann die schleichende Begeisterung über den Film ein! Man verlässt das Kino genau so, wie der Streifen das Bauchgefühl der heutigen Jugendlichen zu beschreiben versucht: Orientierungslos, Sinn suchend und sich der Wiederholung von Bekanntem langsam bewusst werdend. Und genau das wollte Juri Steinhart anscheinend auslösen. Eine Auseinandersetzung mit dem Gesehenen. Denn, so Dimitri Stapfer während eines Interviews zum Film, wäre es für Juri Steinhart wahrscheinlich das Schlimmste gewesen, wenn man sich nach einem eingetretenen Wow-Effekt nicht weiter über den Film unterhalten hätte. 

Benno und Kev in «Lasst die Alten sterben». Bild: ldas.ch

Der Film läuft zurzeit noch wie folgt:

  • RIFFRAFF Zürich: 13:50, 18:20, 20:30
  • KINO REX Bern: 16:30, 20:30
  • kult.kino atelier Basel: 14:00, 18:20