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Bereits zum achten Mal fand vom 27. bis 29. Mai 2016 das Lauter Festival statt. Während drei Tagen bietet das Festival für Newcomer, europaweit, eine Bühne an.

lauterfestival

Das Lauter Festival betitelt sich selbst als anders – aber warum nur? Einerseits ist der komplette Anlass kostenfrei, andererseits trumpft der Event während drei Tagen mit Musikperlen in hippen Zürchern Locations auf. Ich war einmal mehr gespannt – kann es das halten was es verspricht? Ein Eintauchen mit allen Sinnen und sich der Musik komplett hingeben? Ich wagte am Samstag meine Statur in die Hallen des Stall 6.

Als ich gegen 19.30 Uhr eintrudelte war der Raum sanft gefüllt. Auf der Bühne stand David Emanuel mit seiner Band. Der sympathische Berner Sänger spielt mit seiner Gitarre herrliche Indie-Folk Klänge gegen das Publikum. Zwischendurch sagt er den Leuten, sie sollen doch bitte ein wenig näher rücken. Gesagt, getan. Ich stand in der ersten Reihe, ein Blick nach rechts zu meiner Kollegin verriet mir, dass sein Charme die volle Wirkung zeigt – zumindest bei einigen. Kurz nach acht Uhr war der Spass bereits wieder vorüber. Einige Lieder haben mir zugesagt, insgesamt ist mir die Musik aber zu ruhig für ein Konzert. Lieber zuhause gemütlich in der Stube anhören und eine Runde träumen.

Weiter ging es zur Hafenkneipe. Dort standen, man kann schon fast legendären sagen, The Flying Moustache auf der Bühne. Warum legendär? Sie sind, nebst The Pixel, ein fester Bestandteil des Festivals. Bei der dritten, fünften wie auch siebten Ausgabe bespielten sie bereits das Festival. Zudem sind sie auch beim eigenen Label Lauter Musik vertreten. Die Tür wurde geöffnet und wir drängten uns in die überfüllte Location. Huch! Zu eng, zu stinkig, zu blind. Bei meiner Grösse sehe ich ausschliesslich Brüste, Ellbogen und Handtaschen. Geil! Nach einigen Minuten lösten wir das Inferno auf, es bringt einfach nichts, da haben die Leuchttürme definitiv einen Vorteil. Das was ich aber gehört habe gefiel mir gut, würde sicherlich eines ihrer Konzerte besuchen. Vorausgesetzt die Location ist besser ausgewählt. Charme hin oder her, Platz muss sein.

Zurück im Stall 6 angekommen beginnen die Alternative-Rocker Elio Ricca aus St.Gallen mit ihrer Show. Der Raum ist diesmal gefüllter, jedoch immer noch überschaubar. Erstmals überkommt mich ein Wow-Moment. Der Drummer hat sein Schlagzeug fest im Griff, jeder Schlag sitzt. Cool spielt er seine Sets runter. Das Hi-Hat und die Bassdrum werden mit den Socken bespielt, warum auch Schuhe tragen? Sänger Elio dröhnt zwischendurch undefinierbare Sätze ins Mikrofon. In den Pausen sagt er dem Techniker mehrmals, dass er eine Rückkopplung hat. Ein Power-Auftritt, der vor allem durch die Schlagzeug-Solis besticht.

Erstmals wird ein weiterer Teil des Stall 6 zur Bühne umfunktioniert. Im Nordflügel treten Elektronik-Künstler auf. Den Startschuss macht Batman um 21 Uhr. Kurz zuvor hab ich ihn noch im Publikum bei Elio Ricca rumzappeln sehen. Sein Kleidungsstil lehnt sich an die guten 60er und 70er. Eingepackt in einem beigen Rollkragenpulli und einer blauen Stoffhose, tanzt er freudig in seinen Fransen Oxford Schuhen, diesmal aber auf der Bühne. Sphärisch, schräg, abgespaced sind Wörter, welche einem willkürlich durch den Kopf flackernd, während man sich die Show anschaut. Der Raum unterstreicht diesen Eindruck mit seinen silbrig reflektierenden Wanddekorationen. Zeitweise könnte man meinen, dass es sich um die Schuppen eines Fisches hält.

Nach einem kurzen Imbiss beim Pizza-Stand (Si, si – ich wusste gar nicht, dass ich auf Italienisch bestellen kann) und einem kurzen Aufenthalt bei der gegenüberliegenden Trommel-Session, ging es wieder zurück in die Wärme. Der angekündigte Regen liess nämlich keinen Zentimeter trocken.

Sphärisch ging es weiter. Diesmal war es aber keine Fledermaus sondern vielmehr Tompaul. Einerseits bekannt durch Who’s Panda und andererseits durch seine vorherigen Singer-Songwriter Gigs. Aus dem Akustik-Mann wurde eine Electronica-Band. Mit Synthesizer, Gitarren-Klängen und einer verzerrten Posaune, wird die schummrig wirkende Location perfekt in Szene gesetzt. Schon gut, wir haben den Wandel von Tom gesehen und er ist fantastisch. Nicht für mich, ich kann so gar nichts mit diesem abgehobenen Sound anfangen. Darum, Tschüss Nordflügel, du bist hübsch und sphärisch.

Wieder zurück im ehemaligen Pferdestall, machen sich Brothers Of Santa Claus breit. Die deutschen Indie-Pop-Jungs geben vollen Einsatz. Untermalt wird ihr Indie-Rock durch gut eingesetzte Synthesizer-Klänge. Frontmann Maximilian tanzt, einem Ameisenbär gleich, auf der Bühne rum. Das Publikum scheint von seinen Bewegungen hypnotisiert zu sein und macht‘s ihm nach. Ein lustiger Gig mit tanzwütigen Einlagen.

Um meine Anfangsfrage zu beantworten: Kann das Lauter Festival halten, was es verspricht? Ein Eintauchen mit allen Sinnen und sich der Musik komplett hingeben? Nein. Es ist ein hippes Festival, man wird gesehen, man quatscht. Das Publikum ist jung (Motto des Festivals: «von Jungen, für Junge» – find ich gut!), zwischendurch sieht man Familien. Dennoch finde ich, dass keine Atmosphäre dabei entsteht. Durch die Entfernung der Location (um ehrlich zu sein, es ist nicht weit, aber durch die Hauptstrasse entsteht ein Gewisser Trennungsbalken) herrscht Aufbruchstimmung. Das Line-Up für den Samstag war in Ordnung, es traf halt leider nicht meinen Geschmack. Ob ich wieder gehen werde? Vielleicht.