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«Crows & Kittiwakes & Come Again»! Jetzt wisst ihr wie das Album heisst. Hört sich an wie gequirlte Scheisse, ist es aber nicht.

«Hallo kommt von Hall, in der Hoffnung, dass man zurückgegrüsst wird.» – Martin Heckmanns

connect_icut-Crows

Also. Mal ehrlich, ich muss das schnell noch loswerden. Meistens hör‘ ich mir Platten von Zappa an, lausche wochenlang immer wieder den Alben Weens, zerstreut eine Prise Punk, wohl eher der hüstelnden Ästhetik wegen. Gelegentlich hau‘ ich mir auch mal eine Livescheibe rein, etwas Folk, knitter-knatter. Auf Klassik mache ich immer wieder mondäne Schritte zu, fing schon an, die eine oder andere Marmorbüste zu mögen, naja was soll’s? (Sass auch schon im KKL. Mit voller Inbrunst, dafür furchtbar nachdenklich.) Mit elektronischer Klubmusik (hüstel, hüstel) jedenfalls, hab‘ ich so wenig am Hut wie mit Eisenbahnmodellen, Nagellack, Zalandopaketen, Gripenflugzeuge, Tattoos und US-amerikanische TV-Soaps, in denen man ein Publikum, über eingespielte Soundbites lachen hört. Trotzdem überrascht mich das Cycling 74’s Max/MSP-Programm (bäh!) von Sam Macklin. Ausserdem, es gibt im deutschsprachigen Raum bisher noch keinen, der auch nur müde daran gedacht hätte über den ollen Sam alias connect_icut, eine Silbe zu verlieren. Naja vielleicht auf irgendeinem Blog, aber da suchen die Leute ja eh nur verzweifelt den Downloadlink. Fingernägelknabbernd auf irgendwelchen «Zippyshare-sites», jäjo man kennt es. Auf jeden Fall schreiben wir hier heute Premiere und läuten klangheimlich, im wahrsten Sinne des Wortes, den Triumpf des Briten ein.

Der flüssige Aggregatzustand

Das Album hat was Geschlängeltes, wenn ich das sagen darf. Ein Ambient-Album. Typischerweise sanfte Perkussion, wenn überhaupt vorhanden. Langgezogen, viele Klangwelten für langatmige Bilder, vielleicht Naturaufnahmen, raschelnd, rauschend, Klangkunst. Auf jeden Fall Acrylfarbengepinsel, ganz bestimmt. Gilt insbesondere für die beiden Eckpfeiler des Albums, Imperial Alabaster und Practice Rot, die je eine zehnminütige Inanspruchnahme des Hörvermögens abverlangen. Gedacht für Großaufnahmen von Wasserbläschen, könnt ich mir vorstellen. Oder halt Quallen im Meer. Quallen, die sich im Sonnenschein im Wasser schwäbeln (ihr seht, connect_icut weckt bei mir abermals die Vorliebe für den flüssigen Aggregatzustand).

Die zweibeinigen Katzen

Ein rhythmischer Antrieb ist nicht vorhanden. Die Mucke hat also nichts mit schwitzenden Unterarmen im Club zu tun. Schon gar nicht um sich das Näschen zu pudern. Wohl eher lunatisch auf einer Wiese sitzend, verwundert sein. In die Gegend glotzen. Sich Katzen vorstellen, die zweibeinig und rückwärts durchs Städtchen schlendern oder Zentauren, die Briefe sortieren und Hüte tragen, was weiss ich. Anstatt klassische Songstrukturen (hö?), ist wohl eher das Aufbauen von Szenerie im Mittelpunkt, die – je nach Gehör – zu viel, viel mächtigeren, nachdenklicheren Kulissen anregen könnten, als schwäbelnde Quallen.Vielleicht auch nicht. Man möchte, darf aber kaum, einen Vergleich zum Altmeister Brian Eno, dem Cicero des Ambient und Downtempos machen. Jedoch liegt es mir völlig fern, diesem Begehren Folge zu leisten. Auffallend jedoch: das Oszillieren, das Ineinanderübergehen zwischen dunkeln, psychedelischen und organischen Songs und den bedacht langatmigen, hellen Frohbotschaften auf der elektronischen Orgel zwischen Synthie und sanften Bässen. Das hört sich doch alles – irgendwie –  schön an.

Summa Summarum, connect_icut hat eine tolle Scheibe gemacht. Sphärische Leichtigkeit mit dem Blubbern und Rascheln des Unbekannten. Es gilt: Sam Macklin alias connect_icut – Der Mann aus der Nische.

Release
3. Dezember 2013

Label
Aagoo

Tracklist
01. Imperial Alabaster
02. Port Shale
03. Fading Twice
04. Carrion Pecking
05. Practice Rot
06. Again Now (For Matt)