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Das Konzept war das gleiche wie immer, die Location eine andere. Für die 11. Ausgabe der Winterthurer Jungkunst wurde das Parkhaus beim Katharina-Sulzer-Platz in eine Kunstausstellung umfunktioniert. Weshalb sich mit dem Umzug ein Besuch für mich das nächste Mal nicht mehr lohnt.

Die Jungkunst ist laut Pressemitteilung der Organisatoren ein Kunstfestival für Kunstliebhaber und Kunstneulinge. Seit 2005 findet die Kunstausstellung jährlich statt (mit einer Ausnahme im 2016). Mit dem Umzug von der Halle 52 ins benachbarte Parkhaus bekamen die KuratorInnen doppelt so viel Fläche zum Bespielen. Auf 6000 Quadratmeter tummelten sich im angeblich schönsten Parkhaus Europas somit 27 Arbeiten von Schweizer Kunstschaffenden.

9500 Besucher lockte das «lange Wochenende mit Kunst und Musik», so die Medienmitteilung, ins Sulzer-Areal und holte damit einen neuen Besucherrekord. Aber auch eine zweite intensive Runde (inkl. Notizblock und Fotoapparat um spannende Ansätze festzuhalten) durch die Ausstellung am Freitag konnte mich nicht über die Enttäuschung hinwegretten.

Bild: Nadine Meier

Es ist eine Herausforderung, zwischen «FCK Nazis, es lebe der Punk»-Graffitis und Jahrzehnte alten Staubklumpen Kunst auszustellen. Das war vorgängig auch den Veranstaltern bewusst. Dank dieser Ausgangslage befindet man sich als Besucherin dafür – wie bereits in Vorjahren – in der witzigen Lage, sich in der Halle umzusehen und dann und wann zu fragen: «Ist das Kunst oder kann das weg?» Oder wie in diesem Fall: «Ist das Parkhausinventar oder gehört das zur Installation?»

Frauenporträts und fehlende Ausstellungstexte

Trotz der Berücksichtigung der schwierigen Umstände, wirkten viele Arbeiten aber beliebig und häufig zu klein für die meterhohen Parkhauswände. Auch mit dieser Herausforderung zu spielen, will wohlüberlegt und konzipiert sein. Anders gesagt: Auch wenn die berühmte Beuss’sche Frage spielerisch ins Konzept mit einbezogen wird – sie sollte nicht als wichtigstes Kriterium bei der Ausstellungsplanung gelten.

Bild: Nadine Meier

Eine Arbeit, die den enormen Ausmassen der Industriehalle dafür gerecht wurde, bildeten die Werke der Amerikanerin Clio Newton, deren Kohlezeichnungen von weitem den Eindruck von Schwarzweiss-Fotografien erweckten. Mit ihren grossformatigen Frauenporträts will Newton die Darstellung von Frauen aus einer eindeutig weiblichen Perspektive zeigen. Dies erfährt man in ihrem Steckbrief (Schildchen mit KünstlerInnen-Porträts, die jeweils neben den Kunstwerken hängen – ebenfalls nicht immer einfach zu finden).

Bild: Nadine Meier

Der Ansatz der Arbeit klingt vielversprechend und gerne würde man noch mehr erfahren. Ausstellungstexte gehören aber nicht ins Konzept der Jungkunst, was schade ist. Zusatzinformationen zu Werken und Künstlerinnen und Künstler würden dem Format noch ein wenig mehr Tiefe verleihen, auch wenn das Festival bewusst nicht primär auf Kunstinteressierte ausgerichtet ist. (Trotzdem waren bereits einen Tag nach Eröffnung schon einige Werke als verkauft markiert, was durchaus nachvollziehbar war. Die Bilder von Helena Wyss-Scheffeler hatten durch aus ihren Reiz).

Kreativ um jeden Preis?

Obwohl die Jungkunst-Veranstalter alle Register gezogen haben (renommierte Slam-Poetinnen und -Poeten, eine Band, bei der ich gedacht habe, Chris Martin stehe im Sulzer-Areal, eine Exklave des Künstlermaterial-Händlers Boesner), hinterlässt sie einen schalen Nachgeschmack.

Das breite Angebot an Aktivitäten, kulinarischen Genüssen und Publikumsinteraktion (Live-Flipperkasten) war wohl gut gemeint, wirkte aber auch ein wenig überladen. Kunst für die Massen zugänglich machen ist ein ehrenwerter Ansatz. Tropfende Hotdogs, die Aufforderung am Schluss des Ausstellungsrundganges auf einem Flipchart «Seid kreativ!» und die selbstgemachten Europaletten-Schaukeln waren dann aber doch ein wenig zu viel des Guten.   

Wer die Jungkunst verpasst hat und die Kunstwerke im Nachhinein noch anschauen möchte, kann sie immerhin noch unter www.jungkunst.ch/3d in einer 3D-Panoramatour in aller Ruhe anschauen.