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Seit jeher veröffentlicht Negative White nur selbstgeschriebene Artikel. Während andere Magazine Pressetexte kopieren, kommen auch die Konzert-Vorschauen von unseren Redaktoren. Eine Leistung, die nicht immer Anerkennung erhält.

Negative White Redaktion

Ein Teil der Redaktion von Negative White (Foto: Franco Tancredi)

Als im Herbst 2009 die Idee für Negative White entstand, war uns eines klar: Wir möchten keinen Lese-Fast-Food abliefern. Selbstverständlich gaben wir unsere persönliche Note in die Hinweise auf kommende Konzerte. Eine Eigenheit von Negative White, während andere Webzines auch fehlerhafte Pressetexte ohne Bedenken übernehmen. Die Beziehung zwischen Medien und Veranstaltern ist tückisch. Sie sind aufeinander angewiesen und doch wissen viele nicht, wie das System funktioniert.

Wie funktioniert das Ganze?

Die beiden Protagonisten in der folgenden Geschichte sind Journalist und Veranstalter. Beide haben Bedürfnisse. Der Journalist will möglichst viele Hits und eine Akkreditierung für den Event. Der Veranstalter will Aufmerksamkeit der Medien, quasi Gratiswerbung, damit möglichst viele Besucher kommen.
Das Spiel beginnt. Der Veranstalter plant ein Konzert. Er erstellt nicht nur eine Veranstaltung auf Facebook und aktualisiert seine Website, sondern verschickt auch eine Medienmitteilung. Diese ist gespickt mit hochlobenden Worten für den gebuchten Act und den besagten Abend. Der Journalist tritt auf die Bühne. Natürlich möchte er über das Konzert berichten. Er muss dabei sein, wenn was läuft, denn das gibt ihm Hits.

Um kostenlos ein Konzert besuchen zu können, muss sich der Journalist beim Veranstalter akkreditieren lassen. «Ich bin Herr Soundso vom Magazin Soundso und wir würden gerne über das Konzert von Heidis wilder Örgelibande berichten.» Oder so ähnlich. Um Sympathiepunkte abzustauben, wird vorher eine Vorschau publiziert. Das ist es ja auch, was der Veranstalter mit der Medienmitteilung zu erreichen versucht. Bei gewissen Veranstaltern ist es zwingend, ein Preview zu veröffentlichen, um überhaupt auf die Gästeliste zu kommen.

Wo liegt das Problem?

Der Knackpunkt ist das Spiel mit Vorschau und Pressemitteilung. Selbst etablierte Medien wie etwa 20min.ch drucken diese Mitteilungen kommentarlos ab. Wahrscheinlich ist die viel diskutierte Verschmelzung von PR und Journalismus nirgendwo so weit fortgeschritten wie im Kulturbereich. Dabei verlieren die Medien komplett die Distanz zur Veranstaltung selber. Irgendwann haben sie den Karren soweit in den Schlamm gefahren, dass sie jegliche Bewegungsfreiheit verloren haben.
Vielleicht bin ich ein Erbsenzähler. Meist sind diese Mitteilungen harmlos, rollen kurz die Bandgeschichte auf und nennen ein, zwei musikalische Merkmale. Trotzdem würde niemals etwas Negatives oder Kontroverses in solchen Texten vorzufinden sein. Dabei wäre es hier genau die Aufgabe des Journalisten, nachzuhaken und diese Punkte auf den Tisch zu bringen. Ist die Angst zu gross, keinen Platz auf der Presseliste zu ergattern?

Was macht den Unterschied?

Im Gespräch mit Medienverantwortlichen von Veranstaltern und Venues wurde mir bestätigt, dass eigenhändig geschriebene Previews enorm geschätzt werden. Sie zeugen von Leidenschaft und Qualität. Ausserdem gestanden auch einige Personen, dass ihre Texte nicht unbedingt druckreif sind, sondern der reinen Information gelten. Die Veranstalter erwarten nicht, dass ihre Texte publiziert werden.

Hätten wir uns die Mühe sparen können?

Es ist also die Faulheit der Medienschaffenden. Das Traurige: Hier entgehen wertvolle Chancen zur Weiterbildung der Musikkenntnisse. Nutzt man die Medienmitteilung, aber auch eigene Recherchen auf Wikipedia, der Bandwebsite, Fansites und anderen Medien, so kennt der Journalist den Act bereits vor dem Abend. Er hat sich mit der Materie auseinander gesetzt. So ist er in der Lage, sich ein viel differenzierteres Bild des Konzerts zu machen. Der Aufwand für so ein Preview beträgt je nach Bekanntheit der Band zwischen einer und drei Stunden. Eine Zeitinvestition, die sich lohnt.

Wo hört der Spass auf?

Die Redaktion von Negative White arbeitet ehrenamtlich. Wir teilen die Leidenschaft zu Kultur, sie ist unser Antrieb. Deshalb möchten wir eine möglichst hohe Qualität liefern, damit alle von unserer Arbeit profitieren können: Künstler, Veranstalter, Besucherinnen und Besucher und letztlich auch wir selbst.
Trotzdem – und das ist bedauerlich – schreiben uns manche Veranstalter auch nach mehreren Anfragen nicht zurück. Hätten wir uns die Mühe sparen können? Vielleicht. Für uns ist eines klar: Wer sich einfach nicht meldet, hat kein Interesse an der Leistung. Man kann als Veranstalter von uns ein Mass an Professionalität erwarten und natürlich erwarten wir das dann auch.

Ein Dankeschön
An dieser Stelle möchte Negative White allen Veranstaltern und Lokalen für die langjährige und angenehme Zusammenarbeit danken.