Verliebt, fremdgegangen, verheiratet, Happy End

Auf dem Weg zum Komplex 457 wimmelt es nur so von Fans der berühmten US-Band Korn. Die Fans stehen schon vor der Türöffnung Schlange um ganz vorne zu stehen. Es wird viel geredet und ein paar Bierchen werden geleert. Wer ist die ominöse Vorband? Niemand wusste, wer als Support auftritt. Dann endlich die Türöffnung, der Abend begann und eine Überraschung jagte die nächste…

Korn in Aktion. Bild: Nicola Tröhler

Die Bühne im Komplex wirkte winzig, wenn man wusste, dass die weltberühmte Band Korn gleich darauf erscheinen würde. Viele der Fans pressten sich schon eine Stunde, bevor es überhaupt los ging, an die Bühne, um ganz vorne dabei sein zu können. Andere machten es sich auf der Terrasse gemütlich oder warteten am Eingang auf Freunde. Das ganze war so schnucklig aufgezogen, dass man sich direkt in die Location verlieben konnte. Etwas verwirrend war hingegen die Tatsache, dass wenn man einmal im Gebäude drin war, man nicht mehr raus durfte. Logistisch gesehen ganz logisch, jedoch nicht für einige Besucher. Zum Glück konnten die Raucher wenigstens ihrer Lust auf der wirklich schön eingerichteten Terrasse fröhnen. Um 20.00 Uhr zeigte sich der bisher geheim gehaltene Support auf der Bühne.
Ein Raunen ging durch die Menge: „Das ist doch…“ Ja, er ist es, Reginald ‚Fieldy‘ Arvizu von Korn, gefolgt von seinen Kollegen der Band Stillwell. Etwas eigenartig, mit der eigenen Vorband aufzutreten, aber wer Normalität an einem Korn-Konzert erwartet ist auch definitiv fehl am Platz. Die Band legte los und die Menge war verwirrt, die  verrückte Kombination aus Hip-Hop und Metal, den beiden eher verfeindeten Musikrichtungen schien nicht allen zu gefallen. Als die ersten sich von diesem Schock erholten und etwas genauer hinhörten schien es doch zu gefallen. Die Menge machte grösstenteils mit und denen die diese Art von Musik nicht zusagte, zogen sich zurück zur Bar, um sich ein weiteres Bier zu genehmigen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Stillwell eine sehr interessante neue Musikrichtung namens Streetmetal entwickelt hat. Sie spielten auch einige bekannte Lieder, die sie coverten, wie zum Beispiel Boom von P.O.D. Das kam bei den Leuten gut an und hob die Stimmung.

Nach dem Auftritt erwartete die Menge eine Pause und viele setzten sich hin oder holten sich etwas zu trinken. Doch auf einmal stand der DJ Kid Knuckles auf der Bühne und fing an aufzulegen, von Rammstein über System of a Down und diverse bekannte Stücke aus der Gothic-Szene war alles vorhanden. Er heizte der Menge ziemlich ein, es wurde getanzt, mit gebrüllt und gefeiert. Nach dem Auftritt, dankte er Korn und der Menge für die Chance und bat seine Freundin auf die Bühne. Einige ahnten es schon… Ja, die Schwarze Szene wurde hier und jetzt zum Zeuge eines mehr oder weniger romantischen Heiratsantrags, zumindest gab es viel Applaus und viele (Freude-)Tränen.
Danach kam das, auf was alle gewartet hatten. Korn spielte gut 90 Minuten, was nach Aussagen der Fans „viiiiiiiiiiiiiel zu kurz“, in meinen Augen jedoch sehr beeindruckend war, weil sie wirklich 90 Minuten volle Leistung gaben. Aber nicht nur die Leistung der Band war herausragend, auch die Menge jolte die Texte mit, bildeten eigenständig Circle-Pits, hüpften und sprangen, sangen und feierten und das ohne eine einzige Aufforderung. Wie in einem Trance-Zustand machte man alles mit. Man ließ den Körper einfach machen und ergab sich dem Willen der Musik von Korn. Es brauchte keine grossartige Show oder irgendwelche Ansagen, wie man es bei Konzerten gewohnt ist . Es genügte vollkommen, dass die Band ihr Bestes gab, spielte und da war. Ein Erlebnis, was von so einer Energie geschwängert war, dass man noch tagelang danach ein Freak ist und sich wie bescheuert über dieses besondere Ereignis freut.