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Die Songs von Kodaline wurden meine Begleiter, mein Wörterbuch, mein Sprachrohr, wenn mir in den letzen Monaten die Worte fehlten.  Nun wurde es Zeit, die «Gefühlsjongleure» einmal live im Volkshaus Zürich zu sehen.

Als ich drei Stunden vor dem Konzert von Kodaline am Volkshaus vorbeilaufe, steht bereits eine grosse Traube von Frauen vor dem Eingang. Sie wärmen sich an Kaffeetassen, doch innerlich gefriert ihnen wohl das Blut in den Adern, wenn sie daran denken bald die Band zu sehen.

«I’m ready for it», singt Steven Garrigan, der Sänger von Kodaline, und das Konzert beginnt, nach einer gefühlten Ewigkeit, die mit Musik der zwei Vorbands gefüllt wurde. Kurz darauf wird die Bühne in rot getaucht und es entsteht eine intime Stimmung, wie im Lieblingspub um die Ecke. Das Banjo erklingt, der Sänger der Band zieht seine Mundharmonika aus der Hosentasche und die Melodie von Love like this beginnt den Raum zu durchfluten. Liebe fühlt sich zu Beginn so wild und vibrierend an, wie die Klänge des Banjos von Kodaline. Doch immer wieder verändert sich die Gefühlswelt, es tauchen Hindernisse auf, die überwunden werden müssen von der dauernden Angst begleitet, dass eine Liebe wie diese, nicht für ewig hält.

Der Sänger erzählt zwischen den Songs von der engen Freundschaft zwischen den Bandmitgliedern, die sich teils schon aus der Nachbarschaft seit jungen Jahren kennen. Solche Freundschaften helfen durch schwere Zeiten, da solche Freunde unser Leiden mit uns teilen und man sich daher beinahe ohne Worte versteht. In einem Interview sagte der Sänger über Kodaline: «Für uns ist Musik nicht einfach Musik, sondern Therapie. Trennungen machen es beispielsweise sehr einfach, Lieder zu schreiben.»

Das Leben schreibt verschiedenste Geschichten, die sich jedoch auf eine Art und Wiese immer wieder wiederholen. So kreiert die Band je nach der Gefühlswelt in der sie sich befindet, kontinuierlich neue Songs. So erklingen vom Gitarristen Mark Prendergast und dem Bassist Jason Boland auch mal teils ungewohnt rockigere Klänge. und der Schlagzeuger Vinny May kann auch mal schneller seine Sticks durch die Luft schleudern, wenn Kodaline stürmische Zeiten voller Gefühlschaos zu durchleben hat. Im Rahmen des Konzerts mischt Kodaline ältere Songs mit neuen Nummern aus ihrem aktuellen Album Coming Up For Air. Die Band weckt in uns alte Sehnsüchte, lässt uns zurückdenken und so entstehen wunderschöne fragile Songmomente.

Immer wieder habe ich während dem Konzert die Augen geschlossen, um mich gedanklich wegtragen zu lassen, wischte mir bei Lost oder The One verstohlen eine Träne aus den Augenwinkeln, drücke bei High Hopes – in Gedanken an eine vergangene Liebe – zusammen mit dem ganzen Saal laut singend mein Leiden aus. Im Leben geht es doch um Gitarrensolos. Das Gefühl zu haben, dass das Herz trieft vor Glück und Lust und man nie die Hoffnung an die Liebe aufgeben sollte. Doch immer wieder werden wir von Zweifeln eingeholt. Kodaline zeigt ihre Verletzlichkeit nicht nur in der Liebe, auch wenn es um ihre neuen Songs geht, ob sie ankommen, berühren können, wie die Songs zuvor fragt sich die Band. So sagt der Sänger; sie hoffen, dass das neue Album gefällt und wenn nicht, soll das Publikum einfach lieber so tun als ob,  um keine Gefühle zu verletzen. Solche Aussagen des Frontmans von Kodaline zeigen, dass die Band am Boden geblieben ist und keine Angst hat, nicht nur in ihren Songs, ihre Sorgen mit uns zu teilen. Ein Vorbild in puncto; Schwäche zu zeigen, kann Stärke sein.

«Umarmt den der neben euch steht, jetzt wird es romantisch!» – Mit diesen Worten stimmt die Band das Lied The Moon an. Ein Sternenhimmel entsteht durch die Handylichter, die das Publikum hin und her schwenkt, während dem der Sänger von Kodaline sich ans Keyboard stellt und zeigt: Wow, dieser Mann hat echt Potenzial sich Hals über Kopf in ihn zu verlieben.

Während dem Konzert von Kodaline fühlt es sich so an, als würde man in einem Meer namens Liebe um sein Leben schwimmen, jede einzelne Melodie wird zu einer Welle, die einem weiter hinaus treibt. Noch lange nach dem Konzert hänge ich in Gedanken den Songs nach, ertappe mich dabei, wie ich während dem ich der Limmat entlang laufe All I want anfange zu summen. Schade, dass sie es heute nicht gespielt haben, denke ich mir. Vielleicht damit ich es nun noch mehr will und nicht mehr weiter laufen kann, ohne mir meine Kopfhörer aufzusetzen und an den Spruch eines berühmten Dichters zu denken; Wer weiß was er will, will was er braucht.