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Musik, Sonne, Regen und ganz schön viel Action auf der Bühne: das 23. Szene Openair zeigte sich von seiner besten Seite. Auch kurzzeitigen Regengüssen schafften es nicht, die Stimmung zu drücken. Gute Laune pur und ein Line-Up, das durch unterhaltsame, und viel handgemachte Musik glänzte.

Donnerstagabend in Vorarlberg direkt an der Schweizer Grenze: die Luft scheint still zu stehn, es ist schwül und überall sind junge Menschen zu sehen. Ihr Gepäck hauptsächlich bestehend aus Zelten, Schlafsäcken, Gummistiefeln, und viel guter Laune! Manch einer wird sich gewundert haben, andere konnten es durch den Klang lauter Musik bereits erahnen: das 23. Szene Openair öffnete seine Türen. Als Eröffnungsact in diesem Jahr gabs unter anderem Musik von den Lakeside Runners, gefolgt von Marsimoto, der mit seiner Maske und dem vielen Grün an eine Mischung aus Kermit der Frosch und Sido erinnerte. Mit seiner typisch gepitchten Stimme eröffnete der in Berlin wohnhafte Rapper seine Show. Das noch nicht vollständig anwesende Publikum zeigte sich feierwütig und tanzte fleissig mit.

Zusammen mit ein paar Regentropfen enterte schliesslich die Berliner Rotzgöre Jennifer Rostock mit ihren Jungs die Bühne. Gewohnt lässig und sich um keinen provokativen Spruch zu schade, kippte diese bereits nach dem zweiten Song ihren ersten Schnaps. Ob  der anschliessend zum Ausbruch einer Geschlechtsteil-Dauererwähnung und einer ziemlich klar angedeuteten Sexdemonstration mit einem 17-jährigen Zuschauer führte, sei dahingestellt. Immer an der Grenze zum No-Go vermochte es die Band zumindest das Publikum ordentlich mitzuziehen. Ob nackte Brüste, fliegende Klamotten–dem Grossteil des Publikums gefiels. Und alle anderen hatten zumindest Grund genug, nicht weggucken zu können. Auch dann nicht, als die Sängerin den 5. Schnaps ansetzte.

Als letzter Act und Headliner des gesamten Festivals betraten gegen 23 Uhr die zwei Jungs von Digitalism Live die Bühne. Im Hintergrund ein gross geformtes Herz, welches passend zur Musik visuell bespielt wurde. Vor begeistertem Publikum eröffneten sie ihre Show und trotzen dem stark einsetzenden Regen. Dass dieser bis in die frühen Morgenstunden anhalten, und den Campern eine nicht ganz so angenehme Nacht bescheren würde, daran dachte zu dem Zeitpunkt noch keiner.

Als Steeld am nächsten Tag bereits um 12.30 Uhr in den Freitag starteten, lachte die Sonne bereits wieder vom Himmel und spätestens bei Heaven Shall Burn liessen es die Metal-Liebhaber ordentlich krachen. Ein Act, der ganz Lustenau zum Beben bringen vermochte. Wenig später stürmten die drei Briten von The Subways die Bühne. Mit ihrer symphatischen, lockeren Art wurden die Indierocker mit Frontsänger Billy Lunn und Bassistin Charlotte Cooper schnell ins Herz geschlossen. Kein Problem also für Billy den Sprung vom Mischpultzelt runter in die Menge zu wagen, um sich anschliessend auf den Händen des Publikums zurück zur Bühne getragen zu werden. Tragen lassen  konnte sich die Vorarlberger Festivalbesucher auch bei Clueso’s Auftritt: mit seiner Mischung aus deutschsprachigem Pop und Hip Hop galt der gebürtige Erfurter als einer der Headliner am diesjährigen Szene Openair.

Weitaus verrückter und in Absurdität kaum zu übertreffen, schaffte es die internationale Kombo von Bonaparte die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als Late-Night-Act betrat die 8-köpfige Band bestehend aus Musikern und theatralischen Darstellern in Kostümen aller Art die Bühne: ob als Tier, Hofnarr oder halbnackt mit Gasmaske–bei Bonaparte fehlte es an nichts. Teilweise schockierend, aber dennoch immer gepaart mit Humor, lieferte die Band einen soliden, unterhaltsamen Auftritt, der wohl in so manchen Köpfen hängen blieb.

Mit heissen Temperaturen, ganz ohne Regen, dafür mit umso mehr guter Laune starteten die Besucher am Samstag in den Festivalendspurt. Neben zahlreichen Acts im Mohrenbräu-Zirkuszelt spielten unter anderem die Newcomerinnen von Boy auf der Hauptbühne. Boy, bestehend aus der Schweizerin Valeska Steiner und Bassistin Sonja Glass, spielten sich mit ihren melodischen Popsongs schnell in die Herzen der ersten wachen Festivalbesucher. Einige tanzten, andere sangen laut mit, während die beiden Sängerinnen mit der Sonne um die Wette strahlten. Ein klein wenig wie Woodstock, dazu trugen auch die unter anderem aus Amerika stammenden Herren von Nada Surf bei. Mit entspannten Pop-Rock-Indie-Klängen spielten sie eine solide Show, die zum Mitschunkeln und Chillen einlud. Denn obwohl der grösste Teil der Zuschauer nicht dem Zielpublikum der Band zu entsprechen schien, breitete sich eine gelassene Atmosphäre aus, die bis spät in die Nacht erhalten blieb.

Mit Casper spielte ein von vielen Festivalbesuchern lang ersehnter Act. Der junge Musiker hatte über die letzten Jahre mehrfach die Charts gestürmt und vermochte sich dadurch eine grosse Fanbase zu schaffen – so auch in Vorarlberg. Schnell füllte sich der Bereich vor der Bühne mit hauptsächlich jungen Besuchern. “Ich liebe Casper!”, klang es aus jeder Ecke. Als der 30-jährige Deutschrapper schliesslich die Bühne stürmte, gabs kein Halten mehr: das Publikum schien völlig auszuflippen. Auch hier konnte der gleichzeitig einsetzende Regen die Stimmung kaum zu stören, ganz im Gegenteil. Casper’s starke Texte im Zusammenspiel mit dem starken Regen führten zu einem fast schon extasenartigen Zustand der Zuschauer. Trotz inzwischen komplett von Schlamm bedecktem Gelände wurde gehüpft, getanzt und gesungen. Mit dem Verschwinden von Casper, lösten sich auch die Regenwolken wieder auf und pünktlich zu The Baseballs waren diese auch komplett verschwunden.

Mit The Baseballs ging es in die zweitletzte Runde des diesjährigen Szene Openairs. Die aus Deutschland stammenden Jungs, erinnerten mit ihrem Auftreten, ihren Songs und ihren Outfits nicht nur an die 50er Jahre, nein, sie klangen auch genau so. Mit gecoverten Hits im Rock’n’Roll-Stil schafften sie es, die von Casper erschaffene Partyatmosphäre aufrecht zu erhalten, und dieses sogar noch zu toppen. Ein Auftritt, der nicht nur durch lustige, symphatische Musiker, sondern vor allem durch ein einmaliges  Musikerlebnis brillierte. Zuschauer jeglichen Alters tanzten und sangen zu Songs wie Umbrella, Let’s Get Loud und She’s Got The Look. Ein eindeutiges Highlight des diesjährigen Szene Openairs!

Mit harter Musik von Stahlzeit endete das 23. Szene Openair in Lustenau spät nach Mitternacht. Ein Festival, das sich nicht durch seine Grösse auszeichnete, sondern durch seine entspannte Atmosphäre, freundlichen Mitarbeitern und einer guten Mischung aus Künstler diversen Genres. Da bleibt nur eins zu sagen: schön wars, Szene Openair, wir sehn uns nächstes Jahr!