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Die Wiener Horror Punk-Formation Kitty in a Casket spielen auf ihrem vierten Longplayer mit der Apokalypse. Eine bildgewaltige Hochgeschwindigkeitsjagd durch die Fantasien des Quintetts.

Kitty In A Casket_Kiss and Hell_Cover_print

Alleine schon die Eröffnungssequenz von Sticks & Stones zaubert einem ein Lächeln auf die Lippen und man kriegt Sehnsucht nach Hawaii, den Ukulelenklängen sei Dank. Kitty in a Casket wären aber nicht Kitty in a Casket, wenn diese Ferienstimmung länger als vier Sekunden anhalten würde und so verwandelt sich der Song schnell in 50 Shades of Kitty; unterhaltsam umgesetzt im Video. Eine gute Wahl für die erste Single-Auskopplung.

Lurking in the Dark verzichtet auf ein irreführendes Intro – zweimal nacheinander wäre auch zu viel gewesen –, sondern brettert gleich richtig los und erzählt die Geschichte einer einsamen Kämpferin, die aus den Schatten heraus die ganzen Horrorgestalten bekämpft, die ihre Liebsten auf dem «Gewissen» haben. Der Song ist grossartig, animiert zum Mitsingen, aber wenn man einmal das Video dazu gesehen hat, kann man einfach nicht mehr anders: Man muss ihn lieben. Der beste Videoclip, den ich in den letzten Jahren gesehen habe, und das schliesst die genialen Clips von Manolo Panic mit ein. Sin City trifft auf A-ha’s Take On Me.

Als kleine Verschnaufpause mag Bloodlust mit seinen ruhigen Strophen dienen. Einzig der Refrain gibt wieder Gas. «Bloodlust, I can’t get enough. I need your taste inside of me.» Klingt ein wenig nach einem Vampir-Porno – mal eine Alternative zu den Glitzervampiren aus Twilight.

Straight to Hell beginnt mit dem Knistern, wie man es noch vom Abspielen von Vinyl auf alten Anlagen kennt, und wehmütigem Gesang zu einer traurig klingenden akustischen Gitarre. Die Balladenfassade hält ganze 25 Sekunden, bevor klar wird, dass dies kein in Selbstmitleid ertrinkendes Liebeskummerlied, sondern ein eiskalter Rachefeldzug ist. Kitty ist eine Frau, bei der man es sich besser zwei-, dreimal mehr überlegt, bevor man sie hintergeht.

Dass die vier Jungs und Kitty auch mächtig Spass haben, kriegt man am Ende von Nightmare zu hören. Mehr sei dazu nicht verraten. Es muss nicht immer Englisch sein und deswegen folgt ein Deutscher Titel: Feuer & Eis. Hier kann Kitty demonstrieren, wie kräftig und aggressiv sie singen kann und so neue Facetten ihrer Stimme zeigen. Funktioniert in Kombination mit dem Deutschen Text wunderbar.

Weitere Highlights des Albums sind der heitere, schnörkellose Fun Punk-Track St. Tropez und das wohl persönlichste Lied von Kitty bis dato: Der akustische Bonustrack Gone. Nie hat man sie so verletzlich gehört wie bei diesem Song und man merkt sofort, dass sie hier eine tragische Episode aus ihrem Leben verarbeitet hat. Eine gewaltige Kontraposition zur Happy McFeelGood Eröffnung des Albums und jeder, der schon mal jemanden verloren hat, findet sich sofort in dem Stück wieder.

Um die Rezension nicht mit einem solch traurigen Moment beenden zu müssen, hier noch der Videoclip zu Lurking in the Dark:

So mitreissend die Musik auch ist, die wahren Helden des Albums sind die «Tongue in cheek»-Lyrics. Bitterböse, Over the Top und dennoch so authentisch, dass man sofort mitfühlt und sich mit ihnen identifizieren kann. Für mich ganz klar das Album des Monats. Macht einfach augenblicklich gute Laune. Sehr zu empfehlen für jeden Montagmorgen.

Release
26. Februar 2016

Label
Rodeostar/SPV

Tracklist:
01 – Sticks & Stones
02 – Lurking in the Dark
03 – Bloodlust
04 – Of Cats & Demons
05 – Straight to Hell
06 – Nightmare
07 – Feuer & Eis
08 – Deep Black Underground
09 – St. Tropez
10 – Black Skinny Jeans
11 – Yeah Yeah Yeah
12 – Red Sweet Red
13 – Gone (Bonus)