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Unser Reporter Sacha Saxer hat sich mit Kitty Casket nach dem ersten Schweizer Konzert der Österreicher getroffen und mit ihr über das neue Album und den Gepflogenheiten lokaler Besucher unterhalten.

Kitty in a Casket (Foto: Sacha Saxer)

Kitty in a Casket in Aktion (Foto: Sacha Saxer)

Das aktuelle Album Kiss & Hell kam eben erst in die Läden. Ihr habt darauf euer Markenzeichen, die kernigen Texte mit einer «kleinen» Prise Selbstironie, beibehalten, aber auch mit neuen Elementen experimentiert wie zum Beispiel die Ukulele. Wie viel freie Hand habt ihr beim Experimentieren?

Kitty: Eine ganze kleine Prise. (lacht)
Eigentlich haben wir so viel freie Hand, wie wir wollen. Es ist grundsätzlich so: Wir machen das, worauf wir gerade Lust haben und vor allem, was zum Song gerade passt. Und bei dem Song… Ich weiss nicht, die Ukulele hat einen gewissen Charme gehabt und wir haben uns gedacht: «Wenn es passt, dann auf jeden Fall. Ob man das jetzt von uns erwartet oder nicht, wir machen’s einfach.»

Je weniger man etwas erwartet, desto grösser ist die Überraschung. So hält man auch die Fans bei Laune, weil sie immer wieder was Neues zu hören kriegen.

Ja, genau.

Wieso habt ihr sie live nicht gebracht?

Das ist relativ schwierig, weil es immer so eine Sache ist, die Ukulele abzunehmen . Wenn, dann mit eingebautem Tonabnehmer. Aber es ist einfach zu viel Aufwand für diesen wirklich Mini-Teil da im Song. Die Tontechniker würden sich beschweren, da wir sowieso schon so viele Kanäle brauchen mit vier Vocals, Keyboard, Kontrabass, E-Bass, und so weiter. Und dann noch eine Ukulele… (lacht)

Na dann beschweren sie sich halt. Ist ihr Job.

Stimmt. Na wer weiss, vielleicht bringen wir sie mal.

Kitty in a Casket (Foto: Sacha Saxer)

Kitty in a Casket (Foto: Sacha Saxer)

Bei Gone hört man ja ziemlich deutlich, dass es ein sehr persönlicher Song ist. Wie schwierig ist es, so einen Song zu schreiben, wenn man weiss, dass den danach Verwandte, Freunde, Leute, die wissen was dahinter steckt, hören?

Das Schreiben an sich ist kein Problem gewesen, weil man sich ja in gewisser Weise sich etwas von der Seele schreibt. Schlimm ist es nur, den Song zu präsentieren. Mich packt dann ein trauriges Gefühl und ich krieg eine gewisse emotionale Barriere während des Singens. Es ist schwierig, weil alles schön und toll ist, und dann kommt dieser traurige Song. Aber es ist eigentlich schön ihn zu singen und zu präsentieren.

Das Schreiben ist wunderbar schön gewesen und auch erlösend, wenn man die Gedanken, die einem im Kopf herumschwirren, auf Papier bringt, weil man dadurch auch besser abschliessen kann. Wir machen ihn manchmal, wenn wir ein langes Set spielen. Je nach Situation, ob man diese Emotionen jetzt zulässt oder nicht. Aber es ist schon hart. Vielleicht stumpft das auch mal ab, ich weiss es nicht.

Ich hoffe nicht.

Nein, ich glaube auch nicht. Man singt ihn ja auch mit mehr Gefühl.

Straight to Hell spricht ja wohl so ziemlich jedem aus der Seele. Jeder kennt so jemanden. Hattet ihr irgend eine bestimmte Person im Hinterkopf – die ihr natürlich nicht nennen müsst, wenn’s denn so wäre – als ihr den Song geschrieben habt?

Eigentlich nicht. Es ist so. Ich hab die Lyrics geschrieben und hab mir nicht diese eine Person vorgestellt. Natürlich gibt es die immer wieder mal. Aber wie ich ihn geschrieben hab, da hat mich zu diesem Zeitpunkt so viel geärgert. Da war Stress, Sachen, die ich erledigen sollte, Arbeit, alles mögliche. Ich hab einfach all diese Dinge, die mich in dem Moment so geärgert haben, zu einer Person gemacht und diese verdammt quasi in dem Song. Die kriegt’s wirklich ab, die Person.

Oh ja. Sowas hab ich in der Rezension auch geschrieben.

Also die Person möchte man nicht sein.

Kitty in a Casket (Foto: Sacha Saxer)

Kitty in a Casket (Foto: Sacha Saxer)

Gibt’s noch etwas Spezielles übers Album zu sagen? Ich könnte jetzt natürlich auf jeden Song einzeln eingehen, aber dann wären wir wohl in einer Stunde noch dran.

Ja, wohl wahr. Ich möchte eh noch kurz bei Straight to Hell bleiben. Das war der herausforderndste Song des Albums wegen dem Anfang, der ja wie auf einer 50ies-Schallplatte klingt. Wir hatten die Gitarren dazu schon aufgenommen und dann musste ich meinen Part einsingen, aber die waren quasi willkürlich aufgenommen, also ohne richtigen Beat dahinter. Jetzt war es sehr herausfordernd, dass ich mit der Gitarre genau fertig werde. Das war eine Stundenaufgabe. Es ist so ein kleiner und auch einfach zu singender Teil, aber dafür haben wir ewig gebraucht.

Auf der aktuellen Tour seid ihr ja gleich zweimal in der Schweiz. Heute das erste Mal. Wie war die Premiere für euch?

Ja, schön. Für das, dass wir wirklich das erste Mal da waren, waren für die Uhrzeit, um die wir gespielt haben, schon viele Leute da. Das ist wirklich schön. Und man hat auch gemerkt, dass wir die Leute auch anheizen können, dass sie sich mitbewegt haben. Das freut uns immer sehr und auch das Feedback war sehr schön. Also ein sehr positives Erlebnis.

Mit Bittersweet hattet ihr eure erste USA-Tour. Wie waren da die Reaktionen? In den USA ist’s  ja schon ein anderes Publikum als hier.

Wirklich sehr gut. Wir haben nicht sehr viel erwartet und es war teilweise erstaunlich, wieviele Leute auch unter der Woche an die Konzerte gekommen sind. Und bei den Amerikanern ist es auch so: Wenn wo was ist und sie gehen dort hin, dann feiern sie ab. Auch wenn wenig Leute da sind. Die gehen richtig ab. Wenn ihnen das Spass macht, dann stehen sie auf und tanzen. Die haben keine Hemmungen. Das ist schön. Das find ich sehr toll. In unseren Breitengraden fällt das nicht so leicht.

Ja, unser Publikum ist da ein bisschen reservierter.

Genau. Wenn der gewisse Pegel noch nicht erreicht ist, dann denken sie: «Oh, da könnte mich ja jemand sehen.» Man kennt’s ja von sich selber auch. (lacht)

Kitty in a Casket (Foto: Sacha Saxer)

Kitty in a Casket (Foto: Sacha Saxer)

Im September geht ihr ja wieder rüber.

Ja, genau.

Beim zweiten Mal habt ihr ja sicher eine Vorstellung, was passieren wird.

Ja, das schon. Aber man weiss ja nie so genau, was einen erwartet. Das letzte Mal hatten wir das Unglück, dass uns der Bus zwei- oder dreimal eingegangen ist am Weg. Das ist natürlich Horror. Natürlich, man ist jetzt mental besser darauf vorbereitet, dass sowas passieren kann, aber ich glaub, dass diese Tour auch so einige Überraschungen mit sich bringen wird. Man wird’s sehen. (lacht)

Thorsten von The Other hatte mir im Interview verraten, dass er die Inspirationen für seine Texte zumindest früher vor allem aus Büchern und Filmen gezogen hatte. Wie sieht’s da bei euch aus?

Die Texte schreibe meistens ich… also eigentlich schreibe ich alle Texte. Meine Inspiration ist eigentlich mein persönliches Leben, meine Erlebnisse, Träume, Bücher die ich lese, Filme die ich schaue. Natürlich würde ich jetzt nie einen Songtext basierend auf einem Film schreiben in dem Sinn, aber natürlich wird man inspiriert. Das kann man auch gar nicht ausstellen. Das find ich eigentlich toll. Die meisten Texte kommen einfach so von selbst. Es ist schon so das Eigenleben, das Innenleben nach Aussen getragen. Also mein persönliches Leben.

Ihr habt auch seit dem zweiten Album immer einen deutschen Song mit dabei. Wie kam’s dazu? Ein Kommerzgedanke kann’s ja nicht gewesen sein, sonst wären sicherlich mehr deutsche Songs dabei.

Für uns geht’s um den Spass, die Freude dran, einfach mal etwas auszuprobieren. Und auch da ist es so, dass wir eine Idee hatten und aus dieser Idee wuchs dann der ganze Song. Es war eigentlich nicht wirklich geplant, sondern hat sich einfach so ergeben. Beim neuen Album haben wir uns gesagt, wir schreiben auf keinen Fall einen deutschen Song. Also nicht auf Zwang. Es war dann aber so, dass Billy irgendwas gejammt hat und ich hab mir das dann angehört. Dann wurde mir klar, der muss deutsch sein! Es war einfach das Gefühl, dass da entschieden hat. So schnell passiert’s.

Thorsten meinte, der deutsche Song sei immer der, an dem er am längsten hätte vom ganzen Album. Wie geht dir das von der Hand?

Ja? Obwohl, das ist bei mir irgendwie auch so, weil man auch eine ganz andere Anforderung an sich selbst hat. Und dieses Mal ist es mir eigentlich sehr leicht von der Hand gegangen, ich weiss nicht warum. Ich bin auch sehr zufrieden, muss ich sagen. Hat sofort funktioniert.

Kitty in a Casket (Foto: Sacha Saxer)

Kitty in a Casket (Foto: Sacha Saxer)

Wie hat sich deiner Meinung nach die Horror Punk/Psychobilly Szene verändert in den letzten fünf Jahren?

Schwierig zu sagen. Unser Publikum setzt sich ja mittlerweile aus vielen anderen Szenen zusammen. Vor allem in Deutschland ist das Horror Punk-Publikum sehr gross. Dort haben wir schon eine sehr grosse Fanbase. Das ist auch sehr schön. Ich würde aber sagen, es hat sich gar nicht so viel verändert. Nicht, dass es mir jetzt aufgefallen wäre.

Früher war Horror Punk ja ziemlich abgetrennt und irgendwann kam das WGT, holte ein paar dieser Bands und plötzlich waren die Schwarzkutten auch begeistert.

Ja, das stimmt. Diese Horror Punk-Montage am WGT gibt’s ja jetzt auch schon etwas länger. Das hat sicherlich die Türen geöffnet für die Schwarze Szene. Also für Horror Punk in der Schwarzen Szene. Was ich auch sehr sehr toll finde. Je mehr Publikum, desto besser.

Wie schwierig ist es für eine Nischenband – Horror Punk ist ja nicht wirklich Mainstream – gebucht zu werden?

Wir sind ja nicht wirklich eine Horror Punk Band in dem Sinne. Wir vereinen sehr viele verschiedene Genres und daher haben wir auch ein grösseres Zielpublikum. Ich glaube, unser Booker hat momentan nicht wirklich Schwierigkeiten, uns unterzukriegen. Das ist auch schön, wenn man Feedback bekommt wie: «Ihr seid gefragt.» Es geht eigentlich überraschend gut, auch grössere Veranstaltungen, wo man sich denkt: «Warum? Wieso buchen die so eine Band?» Stadtfeste und so weiter. Das ist dann doch verwunderlich aber gleichzeitig auch toll. Man freut sich, denn dort erreicht man ein ganz anderes Publikum.

Kriegt ihr oft Anfragen von Veranstaltern, die eigentlich komplett in eine andere Richtung gehen?

Auch. Es ist spannend teilweise. Wir haben auch schon auf mehreren Stadtfesten gespielt, und da sind die anderen Bands meistens Indie-Bands oder sonst was ganz anderes. Die mixen das einfach durcheinander und das find ich echt toll. Mehrere Genres auf einem Fleck. Es überrascht mich auch immer wieder, wie die gerade auf uns kommen.