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Es gibt viele Dinge, die am niedrigen Konzertraum des Werk 21 stören: Es ist heiss, stickig, eng. Doch die Intimität, die zwischen Bühne und Publikum entsteht, ist ein einmaliges Erlebnis. The Exploding Boy aus Schweden haben dies eindrücklich bewiesen. Ausserdem ist Schweiss durchaus ein positives Fazit für ein Rockkonzert.

Vor den explodierenden Burschen trat Roman Rain auf die Bühne. Der dürre Russe mit seinem Gitarristen im Gepäck überraschte die Anwesenden mit seiner wandelbaren Stimme. Sofort nahm er mit seiner Präsenz und Ausstrahlung den gemauerten Keller ein. Seine Songs, mal in Englisch, mal in Russisch, werden von satten Elektronikebenen beherrscht, aufgelockert oder aber noch verdunkelt durch ein abwechslungsreiches Spiel mit der Gitarre. Doch das Hauptmerkmal von Rain ist die imposante Stimmgewalt. Im einen Moment noch zart, ja fast harmlos, um dann gleich in einen tiefen, inbrünstigen Schrei zu stürzen.

Das Schweizer Publikum reagierte – wie gewohnt – verhalten, liess sich dann aber dazu hinreisen, doch zum russischen Export das Tanzbein zu schwingen. Bei aller Vielfalt der Stimmgestaltung muss man dennoch anfügen, dass die Songs – und es wurde immerhin eine gesamte Konzertlänge gespielt – mit der Zeit an Abwechslung und das Konzert somit an Tiefgang verloren haben.

Der verspätete Gang auf die Bühne war wohl mit der verspäteten Ankunft der Band zu erklären. Die Schweden wirkten müde, erschöpft. Doch die Sorgen und Zweifel wurden von den Musikern schnell weggefegt. Am Vortag war ihr neues Album The Black Album erschienen. Willens, dieses nun den Zuhörern kräftig schmackhaft zu machen, gaben die von der langen Fahrt von Berlin nach Zürich gebeutelten Jungs alles, was in ihnen steckte.
Neben den neuen Songs wie Human, dem harten I Am Truth oder Sweet Little Lies, welches frenetisch jubelnd empfangen wurde, durften auch ältere Stücke nicht fehlen. Intervention, 40 Days und allen voran Desperados und Let The Right One In sorgten für ein ausgelassenes Feiern im zahlreich erschienenen Publikum. The Exploding Boy überzeugte mit Professionalität, schlichtem Bühnenverhalten und guter Musik. Lauthals sang das Publikum „desperation! desperation awaits!“. Es wurde getanzt, gesprungen und sich in die Arme gefallen. Keine Frage, die schwedische Band bietet Post-Punk der Extraklasse. Interessante Melodiebögen, rasante Riffs und treibende Drums. A propos Drums: Auch diesmal waren The Exploding Boy ohne Schlagzeuger unterwegs.