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Technisch brillant und soundmässig überwältigend präsentierten die dänischen Indie-Urgesteine Kashmir am 19. April ihr neues Album «E.A.R.» im X-Tra. Währenddem die Grasshoppers den FCZ aus dem Cup warfen erklärte Frontmann Kasper Eistrup, wie es dazu kommt, dass schwangere Frauen ihre ungeborenen Kinder nach der neuen Single von Kashmir benennen.

Artikel 2013-04-17 - Kashmir - Artikelbild

Kashmir spielten im X-Tra auf (Nicola Tröhler)

sh. Sie starteten wie ihr neues Album. Mit den Songs Blood Beech und Piece of The Sun, die Live umwerfend klangen. Kasper Eistrups helle Stimme durchdrang bereits beim ersten Song jeden im Raum, auf der Suche nach der perfekten Melodie. Nach seinen Gesangsparts hörte man jeweils einen kleinen Szenenapplaus, obwohl das Publikum doch noch gar nicht eingestimmt war auf diesen Abend. Das lag vielleicht daran, dass Mittwoch war. Oder auch an der Kashmir eigenen Distanziertheit.

Die Band klingt live exakt wie auf den Studioaufnahmen; Jedes Instrument hat seinen Platz und wird eingebettet in einem riesigen Klangspektrum. So dass man sich zeitweise die Augen reibt um nachher ernüchtert festzustellen, dass es wirklich nur vier Typen sind, die diesen druckvollen und überragenden Sound auf die Bühne zaubern und dies fast ohne Mithilfe von automatischen Abspielgeräten irgendeiner Art. Zeitweise schafft die Soundfülle gemischt mit Kasper Eistrups greller Stimme und ungewohnt psychedelischen Klängen aber auch eine distanzierte Stimmung, welche sich am Mittwoch jedoch nicht durchs ganze Konzert zog. Den spätestens als Kashmir ältere Hits wie Rocket Brothers oder Mouthful of Wasps zum Besten gaben, rückte auch das etwas spärliche Publikum immer näher zur Bühne. Diese ungewohnten Klänge, die Kashmir auf Tresspassers andeutete und bei den Aufnahmen zum neuen Album E.A.R. in fast jedem Song platzierte, entstammen zu grossen Teilen Henrik Lindstrands musikalischer Kreativität. Lindstrand stürmte die Bühne denn auch gleich mit drei Synthesizern, einem Theremin (!) und zwei Gitarren. Abgesehen von musikalischer Brillanz wusste Kashmir nicht mit viel zu locken. Das die Lichtshow so spärlich wie möglich gehalten und das Bühnenbild ganz schlicht war, störte aber nicht, da musikalisches Handwerk geboten wurde, welches Effekthascherei abgesehen von ausschweifenden Instrumentalparts nicht nötig hatte. Kashmirs unglaubliche Präzision gepaart mit sensiblem Zusammenspiel und einem Gespür für den richtigen Klang zeigte sich bei den Interpretationen der neuen Platte mehr denn je. Ob Kasper Eistrups Vocaleffekte und Gittarrenklänge oder die unabdingbaren Synthesizerparts, so viel Perfektionismus war wohl sonst beim tüfteln an den Sounds selten im Spiel. Unterstützt durch einen grundsoliden Boden gelegt aus Synthesizer-Bässen und einem wuchtig abgemischten Drum war E.A.R. live wunderbar anzuhören.

Wunderbar fand eine anwesende Frau namens Carmen wohl auch die neue Single Seraphina. Als sie Kashmir kurz vor dem Konzert am Mittwoch bei einer Radiosession traf, entschied sie sich sogleich, ihr ungeborenes Mädchen Seraphina zu taufen, was Kashmir natürlich besonders stolz ihre neue Hymne anstimmen liess. Dies war das erste Lächeln auf dem Gesicht von Kasper Eistrup, bevor das zweite etwas schelmischer folgte, indem er den Hit Aftermath mit der Mundharmonika anstimmte und dabei erklärte, dass dies ein Folk-Song sei.

Kashmir spielten ein Repertoire, dass über acht Studioalben ging. Somit war auch eine gelungene Durchmischung von Kashmirs musikalischer Entwicklung zu hören. Nach dem experimentellem Indie-Pop des neuen Albums tat es gut, auch den etwas weniger komplexen und dafür mitreissenden Alternative-Rock aus früheren Kashmir-Zeiten zu geniessen, welcher sich live ebenso bewährte wie alles, was die Dänen an diesem Abend taten. «We’ll be back in August!» war denn auch das Versprechen, welches noch beim letzten Song schon wieder Vorfreude hervorrief.

Fotos: Nicola Tröhler