Im hohen Norden fand das Quartett Kapnorth die Inspiration zu dem mystisch schwebenden und sanft dahin fliessenden Sound, der sich auf ihrem Debüt „Thunder Lightning Storm“ verbirgt.


Das Nordkap, der nördlichste Punkt Europas. Nach Norwegen hat es die Schweizer Newcomer von Kapnorth nicht verschlagen, dafür nahmen die Musiker ihre erste Platte in den Sundlaugin Studios von Sigur Ros in Island. Das war im Sommer 2012.
Doch mit Sommer, Sonne und Spass haben die Klangwelten von Kapnorth wenig zu tun. Auf verschlungenen Wegen führen die Songs durch sich auftürmende und niederstürzende Felsformationen. Die Melodien gleiten entlang rauer Küsten, ein kühler Nordwind in den hypnotischen Schwingungen, während unter ihnen das eisige Meer schäumend brandet. Die Tage ziehen nicht nur gemählich vorüber. Manchmal braut sich ein Sturm am weiten Horizont zusammen und entlädt sich Blitze zuckend und mit tiefem Donnergroll über der unglaublichen Traumlandschaft.

Thunder Lightning Storm ist mehr als nur eine saloppe Ansammlung von Liedern. Die Songs greifen ineinander, die Farben vermischen sich und erzeugen ihre kraftvollen Bilder. Kapnorth tun dies mit solch einem Nachdruck, dass der Wiederstand des Hörers in Sekunden gebrochen ist. Deshalb macht es keinen Sinn, Kapnorth stilistisch einzuordnen, zu fordernd, unbändig und zugleich unbedeutend sind die Arrangements, zählt doch allein die evokierte Imagination.

Schweizer Bands scheinen mehr und mehr vom Norden fasziniert zu sein. Yokko oder Venetus Flos beziehen sich in ihrem Sound oder Konzept auf die unterkühlte Landschaft. Der Ansatz, mit dem Kapnorth an dieses Thema herangehen, ist aber ein anderer. Es ist die pure Verkörperung einer Umgebung in der Musik. Eine isländische Reinkarnation. Trotzdem muss das Album nicht automatisch zu der einen Schlussfolgerung führen. Ohne Kenntnis der Landschaft der Insel kreiert der Verstand einfach seine eigene Welt und lässt Thunder Lightning Storm darin plausibel erscheinen.

2013 geht noch in Kinderschuhen, doch das Debüt von Kapnorth hat ein unbestritten grosses Potential, das beste erste Album einer Schweizer Formation zu werden. Alleine des bestechenden Artworks wegen lohnt sich der Kauf.

Release
25. Januar 2013

Label
Goldon Records

Tracklist
01. Delirious
02. A Silver Silence
03. Daywalker
04. Leviathan
05. Metropolis
06. Sophie Rose
07. Atticus
08. The Marshes
09. madX
10. Elegy of Areion
11. Eruptor Core

Line-up
Elia (Gesang, Tasten)
Dave (Gitarre, Tasten Gesang)
Marius (Gitarre, Synthesizer, Gesang)
Jonas (Schlagzeug)