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Nachdem John Frusciante die Red Hot Chili Peppers verlassen hat, ist Josh Klinghoffer als Gitarrist nachgerückt. Zusammen mit Klinghoffer und dem Album «I’m with you» machten RHCP den nächsten Schritt auf ihrer musikalischen Laufbahn. Eine Rezension seiner Neuveröffentlichungen im Jahre 2012 von Maximilian Heil.

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John widmet sich seit 2008 dem Synthpop. Nachdem er sich mit seiner Gitarre von Jazz bis hin zu Klassik ausgetobt hatte, träumte er davon, seine eigene Musik zu programmieren. Als Gitarrist und Songwriter habe er sich «stark von seinen Händen am Instrument leiten lassen», was aber nicht immer seine Vorstellungen widerspiegelten. Dadurch habe er viel an seinen Songs nachträglich korrigieren und überarbeiten müssen. Beim Synthpop hingegen bewunderte er, dass es möglich sei aus der Vorstellungskraft Musik zu erschaffen und sich nicht dabei von einem Instrument treiben lassen.

Bereits vor zehn Jahren hatte er sich schon für elektronische Musik interessiert. Erst noch in Verbindung mit der Gitarre, danach ohne ein klassisches Instrument. Er orientierte sich dabei bei an dee Wiege des Genres, dem Acid. Später kaufte er immer komplexere Systeme und erschloss immer mehr Teilgenre des Synthpops. So verging ein Jahr, indem er ohne Stimme und Gitarre Musik erschafft. Als er beides wieder einbinden wollte, stand er vor dem Problem, dass Gesang und Instrument den elektronischen Sound in den Hintergrund drängten. Also reduzierte er Gesang und Gitarre, um nicht wieder in das alte Rock-Schema abzurutschen. Anstatt Songwriting zu betreiben, nahm er erst Lieder auf um diese dann mit Instrument und Stimme zu überarbeiten. Meistens entstanden die Texte spontan beim Programmieren.

Zu diesem Zeitpunkt, also zwischen 2008 und 2009 entstand die EP Letur-Lefr. Jene zeugt noch von vielen Einflüssen des Acids, Hip-Hops und Contemporary R&Bs. Das Gemisch lässt sich irgendwo beim progressiven Synthpop einordnen. In den Liedern 909 Days und In My Light hört man viel Synthesizer, ab und zu auch andere Komponenten. Der Song FM hingegen ist vom Hip-Hop geprägt. Es fällt einem schwer die Musik zu kategorisieren – John schreibt selbst, dass das Genre selbst noch nichts über den Klang seiner Lieder aussagt. Man hört zusätzlich noch eine verzerrte Gitarre, gesangliche Einwürfe Frusciants, Ausschnitt von Opern, Filmzitate. Es ist ein buntes «Wirrwarr», welches man kaum bewerten kann. Ich persönlich bin einfach nur beeindruckt von dem musikalischen Gesamtkonzept.

Ein halbes Jahr später nimmt John Frusciante sein Album PBX Funicular Intaglio Zone auf. In dieser kurzen Zeitspanne habe er aber, so Frusciante selbst, «eine Methode gefunden seine Gitarre besser einzubauen.» Diese sei nicht mehr durch den Griff am Instrument begrenzt, sondern es sollen sich völlig neue Freiheiten ergeben haben. Des weiteren hatte er sich mehr vom Acid und Hip-Hop entfernt.

«PBX» steht für Private Branch Exchange, ein nicht öffentliches Kommunikationssystem. «Funicular» ist eine Schienenbahn, ähnlich einem Lift, wobei ein Transporter hoch und ein anderer runter geht. Dieses Auseinanderscheren, aber auch Zusammenrücken findet sich in der Melodie, Gesang und Stimmung wieder. Die Songs auf dem Album sind keine normalen Lieder: Es sind Werke, die viele Eigenschaften durchlaufen. «Intaglio» steht für eine Druckform, welche gerne in der Kunst benutzt wird: In eine Vorlage wird ein Muster gebohrt und Papier wird auf das Muster gepresst – das Gegenstück zum Kartoffeldruck. Es soll wie «Funicular» das Auf und Ab und das Negativ (die Druckvorlage) zum Original (dem Papier) zeigen. Dieses Negativ und Original findet man auch in den Werken, beispielsweise hören sich verschiedene Drum ’n Bass-Parts nach musikalischer Demo an, während andere Elemente fein herausgearbeitet sind. Durch «Zone», signalisiert er, dass es sich um seine ganz eigene Synthpop-Welt handelt.
Doch nicht nur der Name des neuen Albums ist außergewöhnlich, auch der Sound selbst: Das Album kommt reifer, feiner entwickelt daher. Viele Frusciante-Fans sind deutlich stärker vom Album begeistert und wählen in ihrer Best of Frusciante-Platte einige Songs von PBX hinzu. Das erste Lied des Albums bietet einen seichten Einstieg mit Wortfetzen gefolgt von einem Synthesizer-Solo, ein wenig Drum ’n Bass und schließlich noch ein Gitarrenausschnitt.
Mit dem Song Ratiuge baut Frusciante Brücken. Dem Hörer wird Gitarrensound, natürlich mit dem Synthesizer überarbeitet, Johns Stimme und Hip-Hop geboten. Hip-Hop hatten wir zwar schon mal in der EP, aber in Ratiuge ist es deutlich passender eingebaut. Es stört nicht, dass in einem Lied einer Gitarrenlegende Rap eingespielt iwirdst – obwohl beides wohl getrennte Genre sind, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Frusciante hat nicht umsonst Funicular Intaglio Zone dem PBX hinzugefügt, den gerade der Track Sum verkörpert das Schema von Negativ und Original. Ein Klang, der völlig instabil schwankt.

Maximilian Heil lebt in Deutschland und liebt die Musik.