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Joan & The Sailors ziehen einen in ihren Bann. Mit Klängen, die man so schon lange nicht mehr auf einer Schweizer Produktion gehört hat. Man fühlt sich eher an skandinavische Künstler erinnert à la Anna Calvi oder hört zwischendurch auch eine Prise Portishead heraus. Vielleicht ist das aber auch nur die Stimme der Frontsängerin. Denn Joan & The Sailors wollen offenbar mehr als ein bisschen alternativ angehauchten Pop.

Erst 2011 stellten Joan & The Sailors ihr Debütalbum vor. Und diese Tage rücken die Luzerner schon mit dem Zweitling nach. Nach Mermaid kommt nun Home Storm. Die siebenköpfige Truppe beschreibt die eigene Musik poethisch als irgendwo zwischen der Wirklichkeit und der Fantasie. Was einem auf Home Storm aber entgegenschlägt ist experimenteller Art-Rock. Nicht selten enden die Songs in ekstasischen Schlussparts, getragen von rebellischen Gitarren, die den Sound von Joan & The Sailors nicht minder prägen als die Stimme. Auf Home Storm singt Joan in drei verschiedenen Sprachen über Themen wie bitterer Liebeskummer oder süsse Versuchung. Im französischen Song La Réalité schwebt einem stellenweise sofort Sophie Hunger im Gehörgang, wie sie anklagend und traurig eben die Realität besingt. La Réalité ist eine Wucht. Der herausragenste Moment auf dem Album. Schleppend und Stampfend erstreckt  sich der Song über fünf Minuten und lässt einem nicht mehr los. Dunkle Streicherklänge mischen sich mit einer wunderbar bitteren Gitarre und machen bereits nach fünf Sekunden klar, dass in diesem Song wohl kein Dur-Akkord mehr vorkommen wird. Joan befreit einem auch nicht. Wunderschön und tiefmelancholisch, eben wie ein Sturm, eine Laune der Natur, bis zum Ende.

Obwohl der Grundton des Albums düster ist wird, wie in den Songs selber, auch immer wieder mit zu Erwartendem gebrochen. Vermeintlich leichtgängigere Tracks wie etwa The Trainsong bringen ein wenig Abwechslung mit. Doch auch diese Songs wiegen irgendwie schwer nach und sind vergleichsweise nicht gerade leichte Kost. Joan & The Sailors sind sich nicht zu schade, Songs zu schreiben die sich nicht beim ersten Hören bereits offenbaren. Es ist auch ein bisschen wie Arbeit, Home Storm in seiner ganzen Länge zu erfassen und sich auf diese Komplexität einzulassen. Stellenweise kämpft man mit der Versuchung, doch kurz aus der unwirtlichen Landschaft zu entfliehen. Zur Erholung. Doch gibt man nicht auf, belohnen dies Joan & The Sailor. Mit einem Album, welches man kennen und lieben lernt. Welches sich in etwa so anfühlt wie diese plagenden Wintertage. Kalt, dunkel, traurig – und wunderschön.

 

Release
8. März 2013

Label
Little Jig Records

Tracklist
1. Tic Tac
2. En Guantes Blancos
3. Lights Over Innsmouth
4. Power That Bee
5. La Réalité
6. Train Song
7. Home Storm
8. Blue Moon
9. Double Rainbow (Bonus Track)