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Jimmy Cliff, einer der ganz grossen Urväter des Reggaes, versprühte auch mit 70 Jahren noch so viel Lebensfreude, dass am Dienstagabend das ganze Volkshaus vom Tanzfieber gepackt wurde.

Bereits am Reeds vor bald sechs Jahren überzeugte Jimmy Cliff mit seiner enormen Energie. Damals – mit 64 Jahren – sprang er noch wie von einer Biene gestochen auf der Bühne herum. Und auch im Interview vor vier Jahren war er noch extrem frisch und munter.

Der kurze Stuhlschock

Gestern im Volkshaus waren wir darum doch etwas geschockt, dass für ihn zu Beginn ein Stuhl bereit gestellt wurde. Grund dafür war aber lediglich, dass er beim ersten Song das Djembé spielte. Danach wurde der Stuhl für die restliche Zeit – und das waren gute 135 Minuten – von der Bühne verbannt. Auch wenn Gehen nicht mehr seine Stärke ist, liess er es nicht bleiben und bewegte sich so gut es halt mit 70 Jahren bei einer derart langen Show noch ging.

Jimmy Cliff

Bild: Nathalie Meyer

Lebensfreude = Jimmy Cliff

Wenn jemand einen Lehrer in Sache Lebensfreude sucht, der kann sich Cliff als Beispiel nehmen. Sein breites Lachen ist einfach ansteckend und irgendwie ist es auch einfach – wortwörtlich vom Herzen kommend – härzig wie er seine Freude an der Musik ausstrahlt.

Zusammen mit seiner Band nahm Cliff die Fans mit auf eine Reise durch seine lange Musikgeschichte. Es wurde wohl keiner seiner Hits ausgelassen und so lieferte die Reggae-Legende die ganze Show durch mehrere Highlights: Sei es bei The Harder They Come, Wonderful World, Beautiful People, Reggae Night, I Can See Clearly Now, Hakuna Matata oder You Can Get It If You Really Want und noch viele mehr. Richtig krasse Hühnerhaut bekam ich bei Wild World. Viel mehr Emotionen kann man bei einem Song fast nicht auslösen.

Cliff und seine sehr gut eingespielte Truppe sind live einfach genial. Die Mucke mag ja an einem lauen Sommerabend im Hintergrund ab Platte ganz gemütlich sein, live bringt sie jedoch selbst im kältesten Winter die Karibik überall hin und schlägt voll ein.

Musikalisch sass auch an diesem Dienstagabend alles perfekt und die Animation des Publikums funktionierte ebenfalls bestens. Von jung bis – sagen wir mal frech – sehr alt; das Publikum wurde schnell vom Tanzfieber gepackt und hielt bis am Schluss durch. Obwohl das Volkshaus bis auf die letzten Plätze ausverkauft war, gab es kaum Gedränge. Alles also im Sinne von: Peace, Love und Hapiness – genauso wie es sich Cliff wohl für die ganze Welt wünschen würde.

Wer nun Lust bekommen hat, den wahren Meister des Reggaes einmal live zu sehen, der hat bereits im Oktober in Zürich nochmals eine Chance: Am Jazznojazz wird er nämlich mit dabei sein.