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Die dänische Band WhoMadeWho spielte am m4music. Wir nutzten die Gelegenheit und trafen den sympathischen Gitarristen Jeppe Kjellberg. Ein Gespräch über Inspiration, Frauen und die Dynamik in der Band.

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Jeppe Kjellberg, Sänger und Gitarrist von WhoMadeWho (Foto: Nicola Tröhler)

Wir lassen uns in der Lobby des Novotel, eines Vier-Sterne-Hotels neben dem Schiffbau, nieder. Edel-graue Sessel, spärliche Beleuchtung. Dort treffen wir den Sänger und Gitaristen Jeppe Kjellberg der dänischen Band WhoMadeWho. Es ist kurz nach 21 Uhr und wenige hundert Meter von uns nimmt das m4music richtig Fahrt auf. Doch die Band wartet noch auf ihren grossen Auftritt.

Wir sind es uns gewöhnt, so spät zu spielen. Vor dem Erfolg jammten wir oft bis in die Nacht in irgendwelchen Clubs. Der Drummer Thomas Barfod kommt ja aus der Clubszene. Das ist nichts Neues für uns.

Die Band wurde im Jahre 2004 gegründet. Ein Jahr danach erschien ihr erstes, gleichnamiges Album. Und 2014 veröffentlichte die Band bereits ihr sechstes Werk. Kjellberg, der seinen Lockenkopf nur halbwegs erfolgreich unter einer Mütze versteckt, blickt zufrieden auf die letzten zehn Jahre zurück.

Ja, es ist eine lange Zeit seit unserem Debüt. Aber sie ging verdammt schnell vorbei und wir haben sehr viel gelernt. Es ist wie eine Beziehung mit einer Frau. Es gibt Höhen und Tiefen, aber das gehört ja dazu.

Das Trio – bestehend aus Gitarre, Bass und Schlagzeug – hat bereits einiges erlebt. 2011 besuchten sie zum ersten Mal Mexiko und waren selbst überrascht, wie viele Menschen sie auf der Bühne sehen wollten. «What the fuck?!» war der erste Gedanke, als sie auf der Bühne standen und die Fans alle Lieder kannten und mitsangen. Heute hat die Band viel Spass und Möglichkeiten. Die Hotels werden besser, das Essen ist gut und sie treffen interessante Menschen. Dass Josh Homme von den Queens of the Stone Age ihren Song Space to Rent gecovered hat, ist ein weiterer Erfolg.

Ich wollte früher immer so ein cooler Rocktyp sein. Dass Josh, der ein cooler Rocktyp ist, das Lied gecovert hat, ist unglaublich!
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„Wir brauchen die Veränderung um als Musiker Spass zu haben.“ (Foto: Nicola Tröhler)

Als Rocktypen sehen sich die drei Musiker aber nicht. Electro und Disco sind die Hauptbestandteile der Musik, aber Folk und Einflüsse von Singer-/Songwriter haben sich «eingeschlichen». WhoMadeWho möchte sich einfach nicht in eine Schublade stecken lassen.

Die Presse kann sagen, was sie will. Wir sind einfach froh, dass wir machen können, was wir wollen. Die Leute kommen nach Zürich und wollen uns hören. Das genügt vollauf.

Auch das Geld genügt. WhoMadeWho entstammen der Clubszene, sie kannten die richtigen Leute und streichten immer eine Gage für Auftritte ein. Sie hatten schon früh einen exklusiven Status und bauten diesen weiter auf. Jetzt reicht es für angenehmes Touren, sogenannte «Hardcore-Touren» wie  andere Bands seit Jahren machen, musste WhoMadeWho nur ein oder zwei Mal auf sich nehmen. Schwierigkeiten, wenn man es so nennen möchte, hatten sie also nie. Diese tauchten höchstens mal im Proberaum auf.

Auf dem Papier passen wir drei überhaupt nicht zusammen. Deswegen kämpfen wir auch, um unsere Musik zu kombinieren. Das Schreiben und Produzieren ist manchmal echt eine Herausforderung. Wir sind unglaublich kreativ und chaotisch, manchmal ist es schwer diese Komponente zu kontrollieren.

Das Ergebnis lässt sich sehen. Möglicherweise sind die unterschiedlichen Hintergründe der Musiker die Ursache. Jeppe und der Bassist Tomas Hoffding besuchten zusammen ein Konservatorium und lernten die Musik von Grund auf. Die musikalische Bildung der beiden steht im krassen Gegensatz zu Drummer Barfod.

Barfod hat keine musikalische Bildung. Das tut uns richtig gut. Er sagt uns auch, wenn etwas zu nerdy klingt oder zu sehr nach Konservatorium. Dafür bringt er einen elektronischen, rohen Input in die Band. Er tritt uns manchmal ordentlich in die Eier.

Anfangs hatte die Band deswegen auch öfters Dispute. Es gab spassige Prügeleien, doch Jeppe und Thomas Hoffding hatten keine Chance gegen den Drummer Barfod, wie Jeppe mit einem Lachen erzählt. Heute ist die Band demokratisch aufgebaut und die stärksten Ideen gewinnen. Neuen Ideen sei die Tür stets geöffnet. Auch deswegen will sich die Band weder von den Kritikern noch von den Fans in eine Schublade gedrängt werden.

Manche wollen, dass wir uns genau so und so anhören. Aber das ist nicht so. Wir als Band und als einzelne Personen entwickeln uns ständig weiter und versuchen, etwas Neues zu tun. In Frankreich erhielten wir dafür negative Presse. Aber wir brauchen die Veränderung um als Musiker Spass zu haben.
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„Electric Ladyland“ brachte Kjellberg dazu, Rockstar zu werden. (Foto: zvg)

Die Entscheidung, Musiker zu werden und als ein solcher zu leben, fasste Jeppe beim Hören von Jimi Hendrix‘ Electric Ladyland. Auf dem Cover sind lauter nackter Frauen zu sehen. Für Jeppe war dies, nebst der Musik von Hendrix, die ihn vom klassischen Gitarrenspiel wegbrachte, ein überzeugendes Argument.

Das wollte ich auch sein. Heute bin ich verheiratet. Aber die Aufmerksamkeit der Frauen mögen wir als Band immer noch. Wir sind ja schliesslich Männer, die Frauen lieben.

Es sieht fast so aus, als hätte der kleine Knabe von damals sein Ziel erreicht. Er bedankt sich für das Interview und steht auf wie jemand, der noch auf dem Boden steht. Hoffentlich bleibt das so. Und hoffentlich beschert WhoMadeWho die Fans weiterhin mit neuer, guter Musik jenseits der Schubladen.

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Kjellberg genoss eine professionelle Musik-Ausbildung. (Foto: Nicola Tröhler)