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Mit dem aktuellen Album «The Getaway» lockten die Red Hot Chili Peppers gleich an zwei Abenden hintereinander ins Hallenstadion und die Fans kamen in Scharen. Beide Male volles Haus versprachen beste Bedingungen für eine mitreissende Rockshow. Negative White war am ersten Abend vor Ort.

Das Parkett des Hallenstadions war schon gut gefüllt und auf den Rängen trudelten auch immer mehr Zuschauer ein, als die Vorband La Femme die riesige Bühne enterte. Wie der Name bereits vermuten lässt, stammt die sechsköpfige Band aus Frankreich. Oh là là… mais non.

Dass sie sowohl auf Französisch singen, als auch mit den Zuschauern kommunizieren, könnte vielleicht ein Mitgrund sein, warum die Band beim Publikum nicht zu punkten vermag. Oder aber weil sie so gar nicht ins Sound-Schema eines RHCP-Fans passen. Ihr Set war zu Beginn sehr New Wave-lastig und steigerte sich zunehmend in ein pumpendes, synthetisches Klangerlebnis.

Trotz einem beherzten Auftritt der quirligen Truppe, sprang der Funke nicht über und nach einer guten halben Stunde war der Ausflug in die Wave Szene Frankreichs bereits wieder zu Ende. Je länger die Umbaupause danach dauerte, desto vernehmbarer verlangte das Publikum nach der Band, für die es ursprünglich ins Stadion gepilgert war.

Endlich erklang das Intro, das Saallicht wurde gelöscht und Chad Smith, «Flea» Balzary und Josh Klinghoffer betraten unter tosendem Jubel die Bühne. Vom Intro ging es direkt über in etwas, das es an diesem Abend noch öfters zu bestaunen/erdulden gab: Eine Jamsession. Erst Minuten später stiess auch Sänger Anthony Kiedis zu ihnen und die Band initiierte den Auftritt mit einem Hitfeuerwerk bestehend aus Can’t Stop, Dani California und Scar Tissue.

Das musikalische Spektakel wurde zudem mit einer Lampenkonstruktion direkt über den Köpfen der vor der Bühne stehenden Fans fantastisch in Szene gesetzt. Unzählige zylinderförmige Leuchten, die im ersten Moment an die ungeliebte, ehemalige Weihnachtsbeleuchtung der Zürcher Bahnhofstrasse erinnerte, konnten höhenverstellt und farbwechselnd auf simple Weise Wellen, Formen oder auch mal das RHCP-Logo erzeugen. Eine visuelle Spielerei von der ich mich dankbar einnehmen liess, denn irgendwie war für mich die Anfangseuphorie nach den ersten wirklich starken 20 Minuten rasch verpufft.

Ähnlich einer Achterbahn, auf die man sich während dem Anstehen freut, die mit dem steilsten Stück beginnt, und hat man dieses erst überstanden noch während der Fahrt hofft, dass noch etwas Aufregendes passiert. Natürlich waren das immer noch die legendären Red Hot Chili Peppers auf der grossen Bühne und sie lieferten auch gut ab, aber besonders im mittleren Teil des Sets fehlte es mir an Spannung und Hits, von welchen natürlich bald einige folgten.

Zum Beispiel als von einem erneuten minutenlangen Jam fliessend ins Riff von Californication übergegangen wurde und innert Sekunden ein Handymeer in der Halle entstand. Oder als beim energiegeladenen By The Way die sonst eher ruhig gebliebene Masse vor der Bühne umher sprang, wie auch bei Give It Away, dem letzten Lied dieses Abends, wo mir dann schlagartig bewusst wurde, dass die bisschen mehr als 90 Minuten bereits schon vorbei waren.

Die RHCP-Achterbahn hielt an, ich stieg aus und musste wieder nach Hause. Ob ich nochmals mit ihr fahren würde? Ja, doch. Obwohl dem Konzert den symbolischen Looping fehlte, muss ich gestehen, dass ich mit einer sehr hohen Erwartungshaltung hin bin. Auch wenn ich mit halb so vielen Jams noch gut bedient gewesen wäre, fühlte ich mich gut unterhalten und war auch bisschen neidisch auf diejenigen die tags darauf nochmals zu den Red Hot Chili Peppers ins Hallenstadion durften.