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Jacob Banks im Mascotte: Die Geburt eines Stars

500 Menschen kamen in den Genuss, eine unglaubliche Stimme im ausverkauften Mascotte zu erleben. Alles deutet darauf hin, dass Jacob Banks seinen Aufstieg fortsetzen wird.

Es gab verschiedene Anzeichen, dass man am diesem nasskalten Montag Zeuge von etwas Aussergewöhnlichem werden konnte. Nach 19 Uhr bildete sich vor dem geschichtsträchtigen «Mascotte» am Zürcher Stadelhofen eine lange Schlange. Das Personal war heillos überfordert mit dem Andrang. Restlos ausverkauft war der Club, 500 Menschen waren angereist um diesen einen Künstler zu erleben: Jacob Banks.

Banks schrieb bereits im zarten Alter von 23 Jahren Geschichte: Er war der erste Musiker, der ohne Vertrag in die renommierte «Live Lounge» von BBC 1 eingeladen wurde. Geboren in Nigeria, migrierte er als Dreizehnjähriger nach Birmingham. Er versuchte sich in vielen kreativen Sparten, doch fand seine Bestimmung in der Musik. Heute – ein paar Jahre und drei EPs später – schafft es Jacob Banks sein erstes Konzert in der Schweiz auszuverkaufen. Im Anbetracht des eher vorsichtigen Publikums ist dies eine herausragende Leistung.

Joy Crookes trat als Support-Act von Jacob Banks auf. Bild: Evelyn Kutschera

Noch nachdem Joy Crookes, die den Abend eröffnete, bereits von der Bühne verschwunden ist, steigen immer noch Besucher die steile Treppe ins «Mascotte» hoch. Wenig später geht das Licht aus. Die Luft knistert vor Spannung. Die Jubelrufe sind bereits zu Beginn laut, als Banks mit seinem Markenzeichen – einer Wollmütze –die eng belagerte Bühne betritt.

Banks’ Timing ist perfekt. Im April hat der Brite die dritte EP The Boy Who Cried Freedom veröffentlicht. Bereits der Titel lässt Grosses erwarten. Tatsächlich schlug die Single Chainsmoking, eine Mixtur aus wuchtigem R&B, Pop und Soul, ein wie eine Bombe.

Perfektes Timing, perfekte Stimme – bei Jacob Banks stimmen die Zeichen. Bild: Evelyn Kutschera

Wenige Wochen vor der Show präsentierte Banks dann die Ballade Unknow (To You). Ein Song für die Ewigkeit. Dezent aber bestimmt orchestriert, und mit einer Stimmgewalt, die Berge versetzen kann. Im «Mascotte» breitete der Mann sein ganzes Können aus. Mit einer Band im Rücken, die sich wagemutig in jeden erdenklichen Tempowechsel stürzte. Die, wenn es mal nötig war, auch Vollbremsen riss. Das Publikum bedankte sich mit Ekstase.

Banks‘ Band stürzt sich in wagemutige Tempowechsel. Bilder: Evelyn Kutschera

Banks’ aufreibenderen Stücke sind die Kinder einer Fusion von R&B, Hip-Hop und Soul. Auch der Reggae findet dann Eingang in sein Schaffen. Aber es sind die ruhigen Stücke, die göttliche Perfektion erreichen. Die Heirat von Blues und Soul ist ein süsses Gift, das unvermittelt ins Herz trifft. Als Banks und seine Mitstreiter zu Unknown (To You) ansetzen, ist man hoffnungslos verloren und stirbt einen zarten Tod. Das «Mascotte» kühlt sich um mehrere Grad ab, so viele kalte Schauer laufen gleichzeitig die Rücken hinab. Spätestens da kommt die Erkenntnis: Man ist gerade dabei, die Geburt eines Stars zu beobachten.

Roh, echt und intensiv. Bild: Evelyn Kutschera

Die Frage ist, was Jacob Banks zu einem der besten Musiker unserer Zeit macht. Es sind nicht die cineastischen Videos oder die richtigen Playlist-Platzierungen auf Spotify. Es sind auch nicht die richtigen Blogs, die denn Mann – immerhin zu Recht – in den Himmel loben. Das sind alles bloss Symptome.

Nein, Banks’ Songs haben etwas bewahrt, das man in der Popwelt immer seltener antrifft: Authentizität. Seine Lieder sind nicht trotz, sondern wegen ihrer sichtbaren Schweissnähte grossartig. Der Sound ist haptisch, ja dreidimensional. Er ist roh, echt und intensiv. Banks singt mit solcher Inbrunst, dass sich die aufgestellten Nackenhaare erst nach dem Konzert wieder legen. Die Stimme aufgeladen mit so viel Gefühl, dass die Augen der Besucherinnen und Besucher zu glitzern beginnen. Eine Schönheit, die es anzuerkennen gilt, dass gar das Zürcher Publikum zwei Schwatzende mit einem lauten «Psscht!» ermahnt.

Man hätte stundenlang lauschen können. Bild: Evelyn Kutschera

Viel zu kurz steht Jacob Banks auf der Bühne. Es ist verständlich, ist sein Oeuvre noch überschaubar. Trotzdem: Man hätte noch stundenlang lauschen können. Und während man sich den Weg über die schmale Treppe nach draussen kämpft, wähnt man sich seines Privilegs: Jacob Banks in einem so intimen Rahmen erlebt zu haben. Denn so wie die Zeichen stehen, wird er seinen Aufstieg unbeirrt fortsetzen.

Bilder: Evelyn Kutschera

Bild: Evelyn Kutschera