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Eine herrliche Bandkombo: Die Psychedelic-Rock-Grössen The Black Angels aus Austin mit den rabiaten Noise-Rockern A Place To Bury Strangers aus New York City am selben Abend. Im Les Docks, Lausanne. Kann das gutgehen?

Als wir im Les Docks ankommen, hat das Konzert der Vorgruppe A Place To Bury Strangers schon angefangen. Die Band macht ihrem Beinamen «Die lauteste Band von New York» all Ehre, denn schon auf den Toiletten dröhnen die Schüsseln von der Wucht des Basses. Am besten stopft man sich die Oropax schon jetzt rein, wenn man noch was von der Hauptband hören können will.

Den Konzertsaal betreten und schon wird man von Sound und Licht erschlagen. Was ist wilder – Sound oder Licht? Die energische Lichtshow passt sich grausam gut dem wilden und dreckigen Shoegaze-Rock dem Trio an. Sechs Lichtinstallationen auf der Bühne sorgen für blinkende Furore, verschiedene farbige Lichtkegel erfassen Publikum und Band, während die Nebelmaschinen beinahe ein Gewitter produzieren.

Gebrettert und gehämmert

Zurück zur Frage: Was ist wilder? Gerade mal 15 Minuten sind gespielt und schon schnappt sich Gitarrist und Sänger Olver Ackermann seine Klampfe und schmettert sie am Ende des Solos auf den Boden. Während Schlagzeugerin und Bassist peitschende Grooves liefern, produziert Ackermann ordentlich lärmige Solos und endlose Feedbacks, lässt die Gitarre zu Boden scheppern und schaut, was das so für Töne hergibt. Die Lichtinstallationen verstellt er gleich selbst, schaltet eine nach dem anderen ab. Der Nebel ist mittlerweile so dicht, dass man kaum noch die andere Seite der Bühne sieht, derweil durchstechen grelle Lichtpegel den Dunst und die Klänge fressen sich durch das Oropax in die Ohrmuscheln. Gebrettert und gehämmert. Ackermann stellt alle Lichtkegel ab, es ist ganz dunkel.

Shoegaze-Overdose

Wie ein Blitzschlag preschen erst langsam, dann aber sich aber immer schnellere Stroboskope durch den Saal. Während vier Minuten folgt ein Exzess von Strobo, rabiaten Trommelwerk, heftigen Bassläufen und einer krautigen Gitarren-Überdosis. Ackermann stellt seine Gesangsmikrofon an den Gitarrenverstärker und überlaute Schrillheit übernimmt Kontrolle über den Saal. Den letzten Song spielt das Trio mitten im Publikum. Das war A Place To Bury Strangers, eine Live-Band, die man so schnell nicht vergessen kann.

Entrance Song

Nach einer halben Stunde Pause ist das Les Docks rappelvoll. Montagabend. Das Publikum ist bereit für eine volle Dosis von The Black Angels. Via Beamer wird die ganze Breite der Bühne beleuchtet. Bunte und bewegende Farben. Die fünf Musiker aus Austin betreten die Rampe und lassen Currency ertönen, die erste Single der neuen Scheibe Death Song. Im Vergleich zur Vorband geht ihre Musik runter wie psychedelisches Schmieröl. Sanft, monoton und einfahrend.

Passover > Death Song

Die Kriegstrommeln bringen on der ersten Minute an Tanzlaune in die vorderen Reihen. Bluesige und heimsuchende Gitarrenlicks dröhnen durch den Saal, Melodien, die sich ins Hirn einnisten. Ein stampfender Bass mit spacigem Synthie, dazu die hallende und verzerrte Stimme von Sänger Alex Maas, was könnte einen Montagabend noch besser machen? Mit der neuen Scheibe nach vier Jahren Pause erhielt die Band viel Lob, live wurden fünf Songs der Platte gespielt. Grandios umgesetzt, alte Klassiker wie Sniper At The Gates of Heaven oder Black Grease überzeugen immer noch mehr. Der Abend, ein Zusammenspiel der neuesten Scheibe Death Song und der ältesten Passover.

With you in my head

Je mehr die Band ausschweift, desto mehr vermag sie zu flashen. Man nimmt sich Zeit, den Beat im Gehörgang zirkulieren zu lassen und sich von verzerrten und echoartigen Gitarrenklängen verwöhnen zu lassen. Die Einfachheit der Gitarren prägt sich umso wirksamer ein. Den psychedelischen Sound wie Tee ziehen lassen. Die Band groovt à la nom de bleu. Les Docks schwebt, die Zeit vergeht wie im Flug. Anderthalb Stunden wird feinster Psychedelic Rock präsentiert und verschlungen. Die Band wird mit tosendem Applaus verabschiedet.

It’s loud à Lausanne

Ein monotoner Abend zweier soliden Bands. Die einen wild und chaotisch, die anderen catchy und erleuchtend. Muss denn alles immer so abwechslungsreich sein, wenn doch das gute alte Erfolgsrezept so zuckersüss ins Ekstatische hochgekocht wird?