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Wer einen Bandnamen wie Itchy Poopzkid trägt, darf seinen Alben auch mal einfache Namen geben. Das oder was Ähnliches müssen sie die drei Jungs gedacht haben, als sie ihr sechstes Album «Six» genannt haben.

Artikel 2015-04-19 Itchy-Poopzkid-Six Artikelbild

Einfacher Name hin oder her, immerhin haben sie sich für eine nicht alltägliche Schreibweise des Titels entschieden, wie man dem Coverartwork entnehmen kann. Sibbi, Panzer und Max spielen Punkrock, wie man ihn aus den 90er Jahren kennt und pfeifen darauf, sich aktuellen Trends wie beispielsweise deutschen Texten hinzugeben. Ganz in der Punktradition sind dann auch alle Songs des Albums unter dreieinhalb Minuten – mit Ausnahme von And Now We Stopped, der mit 3:41 Minuten schon beinahe Überlänge erreicht hat, und dem Bonustrack In My Head, der nur auf der Deluxe-Edition vorhanden ist, und dessen sechs Sekunden Überzug aber übersehen werden können, da sie im Schnitt völlig untergehen.

Soweit haben Itchy Poopzkid auch alles richtig gemacht mit dem Album. Kein Song hängt unten heraus, die Scheibe ist ein solides Stück Punkrock. Leider aber eben nicht mehr. Die meisten Songs sind zwar spassige Party-Unterhaltung, haben aber kaum Wiedererkennungswert und sind entsprechend austauschbar. Die beiden Bonustracks auf der Deluxe-Edition sind dafür ein definitiver Mehrwert und werten die Platte massiv auf.
I Gotta Get Away und Never Say Die lockern den Einheitsbrei gekonnt auf und machen Laune auf mehr. Mehr gibt die erste Hälfte des Album aber auch nicht her. Auf der zweiten Hälfte lässt es das Trio aber dann endlich krachen. Plastic beinhaltet alles, was man sich von einem Punksong wünscht, Out There spielt mit den ach so sozialen Medien – mit Instashit zeigen sie ihren Standpunkt dazu mehr als deutlich auf – und zeigt, was sie davon halten: «I’m so out there».

Der stärkste Song ist aber ganz klar Trusty Friend. Langsam und tiefgreifend pflügt sich die Melodie durch die Lyrics, die sich dadurch nicht beeindrucken lassen und ihre Botschaft kompromisslos rüberbringen.

The Weight of the Water hat durchaus Wucht, aber vor allem Situationskomik, wenn man der englischen Sprache mächtig ist. Durch einen wiederholten Betonungsfehler werden nämlich aus Versprechen professionelle Fehlschläge. Das kann man leider nicht mal mehr mit künstlerischer Freiheit entschuldigen. Der Song wäre aber ansonsten wirklich gut und zählt zu den besten des Albums. Glauben wir einfach, dass die Pro-Misses Promises sein sollen und haben Spass dabei.

Der letzte Track des Albums, Kings & Queens, zeigt, was die Jungs wirklich können und vereint grossartige Musik mit gutem Songwriting, jeweils wunderbar umgesetzt. Wenn nur alle Songs des Albums so wären.

Besitzer der Deluxe-Edition können sich freuen, denn die beiden Bonustracks sind nochmals ein ganzes Stück stärker als alles, was sich auf dem Silberling befindet. Ganz ehrlich, alleine diese beiden Songs sind es wert, die Deluxe-Edition zu kaufen.

Six ist ein durchaus brauchbares Album, das allerdings nicht an die Tiefe von Ports and Chords anknüpfen kann. Einzelne Songs retten die Scheibe aus dem Sumpf der Belanglosigkeit heraus. Am Besten hätten sie die erste Hälfte des Albums über die Planke springen lassen und mit der zweiten Hälfte eine wahnsinnig gute EP aufgenommen. So bleibt leider ein fahler Nachgeschmack, denn knapp 44 Minuten für 15 Songs sind echt etwas knapp und wenn dabei noch knapp die Hälfte ohne Verlust über Bord gespühlt werden kann, dann bleibt einfach zu wenig Substanz. Hey Poopskinder, da erwarten wir doch mehr von euch!

Release:
10. April 2015

Label:
Findaway Records

Tracklist:
01 – She’s Gonna Get It
02 – Grip It Tighter
03 – Darkness
04 – I Gotta Get Away
05 – Dancing in the Sun
06 – Never Say Die
07 – Meant to Be
08 – And Now We Stopped
09 – Plastic
10 – Out There
11 – Trusty Friend
12 – The Weight of the Water (feat. Christoph von Freydorf)
13 – Kings & Queens
14 – In My Head (Bonus Track)
15 – In the Shade (Bonus Track)