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Iron & Wine in Zürich: Wie aus einem Guss

Sam Beam alias Iron & Wine hat am Freitagabend das X-Tra bezirzt. Der Singer-Songwriter aus North Carolina hatte ein neues Album, eine spielfreudige Live-Band ­– und natürlich eine Flasche Rotwein dabei.

ein Gastbeitrag von Luca Ghiselli

Als die letzte Note des letzten Songs verstummt, ist es kurz still im Saal. Sam Beam alias Iron & Wine hat sein Publikum im Zürcher X-Tra fast hypnotisiert. Erst nach einem kurzen Moment brandet der Schlussapplaus auf, die Band geht von der Bühne und entlässt die Konzertgänger zurück in die Realität.

Unaufgeregt war der Auftritt ­– mühelos und wohltuend. Was Iron & Wine an diesem Freitagabend ablieferten, war mehr als solide. Es war Singer-Songwriter-Folk alter Schule, ein poetisch-akustischer Erzählabend.

Allegorisch und aus dem Leben gegriffen

Angefangen hatte der Abend weniger wohltuend. Der war Saal vielleicht halbvoll, als Half Waif aus New York auf die Bühne traten. Es sollte ein wackliger Start in einen ansonsten gelungenen Konzertabend werden. Das Trio um Frontfrau Nandi Rose Plunkett vermochte mit ihrem Indie-Synthie-Pop dem Publikum nicht wirklich einzuheizen. Der Geräuschpegel der Gespräche übertönte zeitweise den Sound, der von der Bühne kam – und zugegebenermassen auch ziemlich leise abgemischt war.

Dann kam Iron & Wine. Und fing gleich mal mit seinem längsten Song an. The Trapeze Swinger dauert live fast acht Minuten. Weiter ging’s mit Wolves und zwei Songs von seinem aktuellen Album Beast Epic. Die Geschichten, die der Singer-Songwriter mit dem Rauschebart erzählt, sind manchmal allegorisch, manchmal direkt aus dem Leben gegriffen.

Ohne Firlefanz

Die Band war in bester Spiellaune, die Cello-Klänge verliehen den oftmals luftig-verträumten Songstrukturen ein folkig-traditionelles Fundament. Sam Beams samtig-weiche Stimme wurde durch gesungene Harmonien von Perkussionistin Elizabeth Goodfellow und Pianistin Eliza Hardy Jones veredelt.

Von neuen Sodom, South Georgia bis Muddy Hymnal von Iron & Wines Debütalbum: Die Setlist deckte über 15 Jahre kreatives Schaffen ab. Am Schluss, vor der Zugabe, sagte Beam: «Es ist so schwierig auszuwählen, es sind einfach zu viele Songs.»

Man gewinnt den Eindruck, das Publikum verüble es ihm nicht, dass der eine oder andere Klassiker in der Setlist fehlte. Die Stimmung war intim und gemütlich. So sehr, dass Iron & Wine vor Konzertende konstatiert, das Publikum sehe «cozy» aus. Und als ein Roadie ihm zwischen zwei Songs Rotwein nachschenkte, stellte er ihn gleich als «sein Sommelier» vor. Auch das hat Platz an einem Konzertabend wie diesem.

Die einzige Zugabe des Abends, Boy With A Coin, schliesst einen rundum gelungenen Auftritt ab. Ohne Firlefanz, geradlinig und ehrlich. Einfühlsam und wie aus einem Guss.