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An Intimate Evening With Seether – unter diesem Motto stand das Konzert des Trios aus Südafrika im Zürcher Plaza. Dass der Post-Grunge von Seether auch im semi-akustischen Gewand bestens funktioniert, ist seit dem 2009 veröffentlichten Unplugged-Album «One Cold Night» bekannt. Doch ob das für diese Show reichte?

2013-11-12 - Seether - Artikelbild

Ohne Strom – Seether (Foto: Matt Hoffmann)

nm. Mit einem ausverkauften Plaza und dafür einer satten halben Stunde Verspätung startete der Konzertabend gleich mit Seether. Die auf den Tickets angekündigten Special Guests haben wohl ihren Auftritt verpasst oder mit Seether hinter der Bühne lieber noch ein Glas gehoben. Sänger Shaun Morgan und Bassist Dale Stewart kamen auch gleich mit je einem Drink an und lobten fleissig nach fast jedem Stück den Inhalt. Stark, aber gut sei es.

Dass Shaun Morgan es sich gut gingen lies seit den letzten Auftritten im 2012 in Luzern und Solothurn, sah man deutlich. Er hatte gut zehn Kilo mehr auf den Rippen, obwohl er mit seinem neuen Kurzhaarschnitt bestimmt ein Kilo Haare fallen liess. Seine ausserordentliche Stimme hat aber nichts von ihrer eindrücklichen Kraft verloren. Seine Stimme, die schönen Melodien waren auch das, was vom Konzert hauptsächlich geblieben ist. Ein bestuhlter Saal hätte fast besser zu diesem Abend mit Seether gepasst. Das Publikum wäre zwar bereit gewesen, um richtig ab zu rocken, es johlte und schrie immer wieder zwischendurch, doch die Setlist und der Auftritt insgesamt luden dazu wenig ein. Stücke wie Fake it spielten sie in einer Slow-Motion-Version und erst gegen Schluss legten sie mit Remedy eine härtere Gangart ein.

Nichtsdestotrotz konnten sie mit Leckerbissen wie Pass Slowly, Driven Under oder natürlich mit ihrem Riesenhit Broken ganze viele Härchen zum Aufstehen bewegen. Bei Broken half das Publikum leider zu kräftig mit. Dazu kann ich nur sagen, wer gerne laut und falsch singt, darf das gerne im Auto machen, aber nicht, wenn vorne eine solch brillante Stimme diese Aufgabe bereits übernimmt. Liebe Falschsänger, ihr dürft mitklatschen oder auch gerne Plektrons sammeln, wenn ihr etwas Sinnvolles machen und zum Konzert beitragen wollt, diese Möglichkeiten hattet ihr ja fast zu jeder Zeit.

In diesem Sinne war ein weiterer Höhepunkt an diesem Abend das Solo von Shaun mit dem Song The Gift, welcher er allein mit Gitarre sang. Da getrauten sich die Falschsänger weniger mitzumachen. Welch Segen! Wer zum Schluss gerne mithelfen durfte war der Stagehelfer. Dieser wurde bei der Zugabe Country Song auf die Bühne geholt und durfte mitspielen. Auf jeden Fall ein sympathischer Ausklang des Abends.

Insgesamt war der Konzertabend etwas für Geniesser, wer abrocken wollte, hat wohl das eine oder andere vermisst und sich mit der Zeit vielleicht sogar gelangweilt.

Fotos: Matt Hoffmann